Neue Dating-Funktion

Impf-Status auf Tinder: Fluch oder Segen?

09.06.2021, 22:14 Uhr
· Online seit 09.06.2021, 17:25 Uhr
In Grossbritannien kann man beim Online-Dating bald seine Impf-Präferenzen kundtun. Das soll in erster Linie junge Leute animieren, sich impfen zu lassen. Auch in der Schweiz könnten solche Funktionen eingeführt werden. Ist das zielführend?
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Es ist das derzeit wohl heiss diskutierteste Thema: die Covid-Impfung. Doch in Grossbritannien wächst die Impf-Skepsis unter jungen Leuten. Um dem entgegenzuwirken, soll es auf Tinder und weiteren Dating-Apps bald einen Impf-Sticker geben, den man freiwillig auf seinem Profil anzeigen lassen kann. Zudem bekommen geimpfte Nutzer kostenlose Zugang zu Premium-Funktionen, die normalerweise kostenpflichtig sind.

Die Dating-Plattform Bumble geht noch einen Schritt weiter und fügt zusätzlich eine Funktion ein, die Mitgliedern ermöglicht, deren «Pandemie-Dating-Präferenzen» anzugeben. Dazu gehören deren Ansichten zu «social distancing», das Maskentragen und ob Treffen an viel besuchten Orten okay sind oder nicht. Unterstützt wird die Kampagne von der Regierung. Was in Grossbritannien gerade in den Startlöchern steht, läuft in den USA bereits seit Mai.

Hätte jemand vor zwei Jahren gesagt, dass man beim Online-Dating künftig den Impf-Status angeben kann, wäre er oder sie wahrscheinlich ausgelacht worden. Im Laufe der Corona-Pandemie wurde dies aber Realität. Doch ist dies nicht diskriminierend gegenüber Personen, welche der Covid-Impfung eher skeptisch gegenüberstehen? Jacqueline Frossard ist im Vorstand der Föderation der Schweizer Psychologinnen und Psychologen und setzte sich im Rahmen ihrer Vorstandstätigkeit mit allerlei Fragen rund um die psychischen Folgen durch die Corona-Pandemie auseinander.

Sie sieht kein Problem beim Impf-Sticker auf Tinder: «Personen, welche eher skeptisch sind bezüglich Covid-Impfung können sich dadurch sicherlich ausgeschlossen fühlen, vielleicht sogar diskriminiert. Doch wahrscheinlich ist es besser, wenn die Fronten betreffend Impfung bereits vor einem möglichen Date geklärt sind.» So komme es beim Treffen dann auch nicht zu mühsamen Diskussionen. Zudem werde eine nicht-geimpfte oder geimpfte Person nicht gleich abserviert.

Impfen und Tindern: Argovia-Moderatorin Sonja Stöckli kennt das Problem

Quelle: ArgoviaToday

Doch teilen solche Aktionen die Gesellschaft nicht entzwei? «Wenn man auf Dating-Plattformen geimpfte Personen als die Guten und die nicht-geimpften als die Bösen bewertet, dann wäre das für eine Gesellschaft sicher nicht gesund», so Frossard weiter. So wie die Covid-Impfung aber bislang in der Schweiz gehandhabt werde, würden solche Impf-Sticker die Gesellschaft bestimmt nicht spalten. «Es ist ja nicht so, dass nicht-geimpften Personen der Zugang auf Plattformen wie Tinder verboten wird.»

Impf-Aktivismus auf Dating-Plattformen auch in der Schweiz?

Auch in der Schweiz werden derzeit Massnahmen entwickelt, um gezielt junge Impf-SkeptikerInnen umzustimmen. Ob und wann hiesige Dating-Plattformen dabei mit an Bord geholt werden, ist nicht klar. Tinder Schweiz äusserte sich gegenüber ArgoviaToday nicht.

Doch auch in der Schweiz könnten unentschlossene Personen laut Jacqueline Frossard mit solchen Impf-Stickern durchaus von der Covid-Impfung überzeugt werden: «Ich glaube, dass unsichere Personen sich dadurch nochmals genauer überlegen, ob sie sich nicht doch impfen sollen. Personen, welche strikt gegen eine Covid-Impfung sind, werden sich durch einen entsprechenden Sticker auf Tinder aber nicht umstimmen lassen.»

(noë)

veröffentlicht: 9. Juni 2021 17:25
aktualisiert: 9. Juni 2021 22:14
Quelle: ArgoviaToday

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