Impfung

Impfmythen im Fakten-Check

6. Januar 2021, 09:51 Uhr
Rund im die Corona-Impfung kursieren etliche Gerüchte. Wir haben damit aufgeräumt.
© Keystone/ZB/Patrick Pleul
Der Corona-Impfstoff wird als Heilbringer der Coronakrise gehandelt. Doch nicht alle stehen dem Impfstoff positiv gegenüber. Wir haben die grössten Mythen mal unter die Lupe genommen und einem Fakten-Check unterzogen.

Alle müssen sich impfen lassen, es wird eine Impfpflicht geben!

Nein. Eine generelle Impfpflicht ist in der Schweiz nicht vorgesehen. Diese ist rechtlich nicht durchsetzbar. Es ist allerdings möglich, für spezielle Gruppen eine Impfpflicht zu erlassen. Etwa für jene Personen, welche keine Option für Home Office haben und die physischen Kontakt zur Personen der Risikogruppe haben. Jede Gesundheitsorganisation entscheidet selbst, ob sie eine Impfpflicht anordnen will. Im Büro ist ein Impfzwang schwerer durchsetzbar.

Ich bin schon an Corona erkrankt, ich brauche keine Impfung.

Jein. Wie lange der Schutz nach einer Erkrankung anhält, ist noch nicht erforscht. Daten weisen darauf, dass man mindestens drei Monate nach einer Erkrankung geschützt ist. Eine Impfung stärkt das Immunsystem zusätzlich.

Mit der Impfung werden Coronaviren injiziert.

Falsch. Beim Impfstoff handelt es sich um einen sogenannten mRNA-Impfstoff. An dieser Technologie wird bereits seit 10 Jahren geforscht. Geimpft wird nicht die ganze Erbinformation des Virus, sondern nur ein bestimmter Abschnitt. Diese verwendete Teilinformation, wenn man sich das Virus bildlich vorstellt, sind die Anheftungsstücke oder Rezeptoren ( im Bild die roten Stachel, in der Fachsprache: Spike Protein). Mit diesen Rezeptoren dockt sich das Virus an einer menschlichen Zelle an. Der Körper soll mit Impfung diese Proteine schneller erkennen und bekämpfen.

© Keystone

Die Erarbeitung des Impfstoffs ging viel zu schnell! Das kann gar nicht sicher sein!

Bei der Entwicklung des Impfstoffs spielten viele Punkte eine Rolle. Um Zeit zu sparen, wurden bei der Entwicklung die verschiedenen Phasen parallel statt nacheinander durchgeführt. Ausserdem wurden etwa die Eigenschaften des Coronavirus allgemein zugänglich gemacht und vorhandene Ressourcen wurden fast ausschliesslich für die Herstellung des Impfstoffs genutzt. In den letzten Jahren wurde zudem intensiv an der mRNA-Technik geforscht, welcher den aktuellen Impfstoffen entspricht.

Die Ergebnisse der klinischen Phasen 1 bis 3 wurden laufend statt gesammelt geprüft, was wieder einen zeitlichen Vorteil brachte. Die Anforderungen in Sachen Sicherheit und Wirksamkeit sind jedoch gleich wie beim üblichen Zulassungsverfahren.

Die Coronaimpfstoffe wurden an 44'000 (Biontech/Pfizer) beziehungsweise 30'000 Personen (Moderna) getestet. Seit 2006 gab es nur zwei andere Impfstoffe, die in noch grösser angelegten Studien getestet wurden, das Pneumokokken-Vakzin und der Impfstoff gegen Rotaviren-Infektionen.

Mit der Corona-Impfung wird das Erbgut verändert.

Falsch. Die Erbinformation des Virus besteht aus RNA, unsere Erbinformation aus DNA. Sie sind chemisch ähnliche Strukturen, aber es ist nicht möglich, dass sich RNA einfach in DNA einbauen kann. Selbst wenn das möglich gewesen wäre, kann die Impfung dein Erbgut nicht verändern. Alles, was das Virus und die Impfung mit der Zelle anstellt, passiert im Plasma. Die DNA sitzt jedoch im Zellkern und kommt nie in Berührung mit dem Coronavirus. Wenn also eine Impfung das Erbgut verändern würde, dann müsste konsequenterweise das Coronavirus auch unser Erbgut verändern können. Das ist aber nicht der Fall.

Man weiss nichts über Langzeitfolgen!

Autoimmunreaktionen treten in der Regel nach 6 bis 8 Wochen auf. Dieser Zeitraum wurde durch die Zulassungsstudien abgedeckt.

Die Impfung bringt nichts. Ich kann trotzdem noch andere Leute anstecken.

Ja. Die Impfung schützt sie vor dem Coronavirus. Man weiss aber noch nicht, ob die Impfung eine Ansteckung verhindert. Es ist möglich, dass sie auch mit Impfung und ohne Symptome andere Menschen anstecken. Die Hygiene- und Abstandsregeln gelten deshalb weiterhin.

Es gibt einen Quasi-Impfzwang, weil Veranstalter sagen können, dass nur geimpfte Personen an Veranstaltungen dürfen.

Eine Veranstaltung zu besuchen ist kein Grundrecht. Private Veranstalter könnten eine Impfung als Voraussetzung für den Zutritt verlangen. Es kann auch sein, dass Veranstalter, die nur geimpfte Personen reinlassen, in Punkto Schutzkonzept bessergestellt werden und so zum Beispiel mehr Leute ins Stadion lassen dürfen. Das BAG hielt sich kürzlich jedoch bedeckt, was das betrifft. «Bevor nicht klar ist, welche Qualität und Wirksamkeit die zugelassenen Covid-19-Impfstoffe haben werden, ist es zu früh, um über die Ausgestaltung von Immunitätsausweisen zu diskutieren», so die Behörde gegenüber den CH Media-Zeitungen.

Wer sich gegen Corona impfen lässt, sollte die Finger von Alkohol lassen.

Wer sich gegen Corona impfen lässt, der verzichtet besser auf Alkohol. Darauf weisen zumindest Untersuchungen aus Grossbritannien hin.

Die Tests aus Grossbritannien zeigen, dass Alkoholkonsum kurz vor oder nach der Corona-Impfung die Immunreaktion schwächen. Dies, weil der Alkohol den weissen Blutkörperchen schadet. Betroffen sind auch die sogenannten Lymphozyten, welche Antikörper aussenden. Und eine Impfung soll unser Immunsystem ja dazu bringen, Antikörper zu produzieren, so dass wir gegen das Corona-Virus geschützt sind.

(mao)

Quelle: PilatusToday
veröffentlicht: 6. Januar 2021 08:57
aktualisiert: 6. Januar 2021 09:51