BAG-Masserey

«Keine Anzeichen, dass Schweizer Corona-Variante ansteckender ist»

27. April 2021, 15:55 Uhr
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Quelle: CH Media Video Unit

Rund eine Woche, nachdem die vom Bundesrat beschlossenen Lockerungen in Kraft getreten sind, haben die Experten des Bundes am Dienstagnachmittag über die aktuelle Lage informiert.

Als erste ergriff Virginie Masserey, Leiterin der Sektion Infektionskontrolle des Bundesamts für Gesundheit (BAG), am Dienstagnachmittag das Wort. Im Vergleich zur zweiten Welle gebe es mehr Hospitalisierungen im Verhältnis zu den Neuansteckungen, so Masserey, dafür sei es positiv, dass weniger über 80-Jährige ins Spital eingeliefert werden. Vielleicht sei das ein Hinweis darauf, dass die Impfkampagne erste Früchte trägt.

Verschiedene Faktoren sorgen für Stabilisierung

«Man ist jetzt wieder mehr draussen, vielleicht wird auch mehr getestet. Es sind verschiedene Faktoren, die zusammenkommen», sagt Masserey. Die aktuelle Entwicklung sei aber erfreulich. Eine Garantie, dass die Lage so bleibt, habe man allerdings nicht und es müsse sich weiter an die Schutzmassnahmen gehalten werden.

Schweizer und indische Varianten

Indien habe man auf die Risikoliste genommen und beobachte jetzt weiter, was geschieht, so Masserey. Man kenne die Lage in Indien und versuche zu verhindern, dass sich die Variante in der Schweiz ausbreitet.

Auch die Existenz einer Schweizer Variante bestätigt Masserey. Diese sei aber schon seit Frühling letzten Jahres bekannt und habe bisher nicht für Schlagzeilen gesorgt, weil sie keine grosse Rolle spielt. «Es gibt keine Anzeichen, dass die Schweizer Corona-Variante ansteckender ist», so Masserey. Klar dominant sei momentan die britische Variante.

Impfkampagne schreitet gut voran

2,5 Millionen Impfdosen wurden bisher verabreicht. «10 Prozent der Bevölkerung wurden bereits zum zweiten Mal geimpft», sagt Masserey. Zwei Drittel der vulnerablen Personen hätten mindestens eine Impfung erhalten.

Impfdosen für die Zweitimpfung zurückzuhalten, empfiehlt der Bund nicht mehr. Wie Masserey erklärt, sei es nicht mehr nötig, sonst habe man plötzlich zu viele Reserven.

Eine Journalistin fragt, ob nach den Risikopatienten und den älteren Personen beim Impfen das First-Come-First-Serve-Prinzip gelten soll. Diese Entscheidung obliege den Kantonen, sagt Virginie Masserey. Es solle das Ziel sein, so schnell wie möglich zu impfen. Die Nachfrage bestehe auch bei der jüngeren Bevölkerung. Ältere Personen würden aber nach wie vor priorisiert.

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«Sport ist wichtig für die physische und psychische Gesundheit»

Matthias Remund, Direktor des Bundesamts für Sport (BASPO), betont die Wichtigkeit des Sports und der Bewegung während der Pandemie. «Der Bundesrat war von Anfang an darauf bedacht, dass der Sport stattfinden kann.» Remund zitiert eine amerikanische Studie, die besagt, dass bei sporttreibenden Personen das Risiko an einer Covid-Infektion zu sterben, ein bis zweieinhalb Mal kleiner ist.

Man wolle den Sport in der Krise auch weiterhin finanziell unterstützen. Entgangene Einnahmen aus vergangener Saison könnten jetzt beim Bund gemeldet werden, um Unterstützung zu erhalten.

Impf-Zertifikat soll im Juni kommen

Wie wird das Impfzertifikat aussehen? «Es ist ein Blatt Papier mit einem QR-Code, diesen kann man auch auf dem Handy aufbewahren», sagt Nassima Mehira, Co-Projektleiterin des Covid-19-Zertifikats. Es sei möglich, dass es für eine Genesung, eine Impfung und eine Testung separate Zertifikate gebe.

Der Entscheid, wie dieses aussehen soll, wird schon im Mai gefällt. Momentan fahre man zweigleisig (Bund/Privat), damit keine Zeit verloren gehe, sollte sich eine der Varianten als Sackgasse herausstellen, erklärt Masserey. Im Juni soll es dann der Bevölkerung zur Verfügung stehen.

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Quelle: CH Media Video Unit

«Man muss die Maske nicht nach jedem Biss wieder anziehen»

Eine Journalistin fragt, wie die Maskenpflich auf den Gastro-Terrassen gehandhabt wird. «Es ist die Idee, dass man die Maske anzieht, wenn man fertig gegessen hat oder den Tisch verlässt», sagt Masserey. Man müsse die Maske aber nicht nach jedem Biss wieder anziehen.

Impfung bei Schwangeren

Sollen Schwangere sich impfen lassen? «Die aktuelle Impfempfehlung schliesst niemanden aus», sagt Masserey. Schwangere sollen sich aber mit ihrem Gynäkologen absprechen. In den USA seien 90'000 Schwangere geimpft worden und man habe keine Probleme festgestellt.

Bereits genesene Personen haben beim Erhalt von zwei Impfdosen laut Masserey nichts zu Befürchten. Man habe lediglich beobachtet, dass es nach einer zweiten Impfung häufiger zu Nebenwirkungen wie Ausschlägen oder Fieber kommt.

(red.)

Quelle: PilatusToday
veröffentlicht: 27. April 2021 15:45
aktualisiert: 27. April 2021 15:55