Krankenkassen

Keine Zusatzversicherungen für Corona-Patienten?

David Migliazza, 5. Januar 2021, 13:22 Uhr
Spätfolgen einer Corona-Erkrankung könnten für Krankenkassen zu einem finanziellen Risiko werden.
© KEYSTONE/Christian Beutler
Noch gibt es viele offene Fragen zu den Spätfolgen einer Corona-Erkrankung. Da auch die Folgekosten schwer einschätzbar sind, wird befürchtet, dass Corona-Patienten beim Abschluss von Zusatzversicherungen benachteiligt werden könnten.

Langzeitfolgen dürften nicht nur bei den Erkrankten selbst, sondern auch bei den Krankenkassen für Verunsicherung sorgen. Denn wie die Spätfolgen für die Erkrankten sind auch deren Kosten für die Krankenkassen schwer abschätzbar. Dass Zusatzversicherungen jetzt deswegen abgelehnt werden könnten, bestätigt der Krankenkassenverband Santésuisse auf Anfrage von «20 Minuten».

Keine generellen Nachteile für Corona-Patienten

Dass Corona jedoch speziell behandelt wird, sei nicht der Fall, so Astrid Brändlin, Leiterin Unternehmenskommunikation bei Concordia: «Personen, die eine Corona-Erkrankung durchgemacht haben und wieder gesund sind, können bei der Concordia ganz normal eine Pflegezusatzversicherung abschliessen.» Bei einem Neuabschluss einer Zusatzversicherung fände grundsätzlich bei allen Personen genau die gleiche Risikoprüfung statt. Entscheidend sei, dass zum Zeitpunkt des Abschlusses die Krankheit ganz und folgenlos verheilt ist.

Bei Helsana fände eine gesamthafte Dossierbeurteilung statt, so Dragana Glavic-Johansen, Mediensprecherin von Helsana. Personen mit einer Covid-Erkrankung würden nicht generell ausgeschlossen werden. «Das Vorgehen ist dasselbe wie bei jeder anderen Erkrankung auch», erklärt Glavic-Johansen. Je nach schwere der Erkrankung, könnten aber zusätzliche Abklärungen nötig sein.

Eine Corona-Erkrankung soll so beurteilt werden, wie jede andere Erkrankung.

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Prüfung bei schwerem Krankheitsverlauf

War der Verlauf der Krankheit sehr schwer, würde das Gesuch anhand von zusätzlichen medizinischen Unterlagen vom Arzt oder Spital geprüft werden, so Brändlin von Concordia. Dies sei aber auch bei anderen schweren Erkrankungen der Fall und je nach Resultat könne das Gesuch angenommen oder abgelehnt werden.

Wie Gesundheitsökonom Willy Oggier gegenüber «20 Minuten» sagt, stecke kein böser Wille dahinter, würde ein Neukunde für eine Zusatzversicherung abgelehnt werden. «Versicherer versuchen so, das finanzielle Risiko der Pandemie unter Kontrolle zu bringen», erklärt Oggier. Die Prämienkosten könnten ansonsten unberechenbar werden.

Impfung hat keinen Einfluss

Ob jemand gegen das Coronavirus geimpft ist oder nicht, habe keinen Einfluss auf das Ausstellen einer Zusatzversicherung, erklärt Brändlin. «Die Frage, ob jemand gegen Covid geimpft ist, wird bei der Gesundheitsprüfung gar nicht gestellt.» Auch bei Helsana geniessen Personen mit Corona-Impfung keine Vorteile.

Quelle: PilatusToday
veröffentlicht: 5. Januar 2021 13:14
aktualisiert: 5. Januar 2021 13:22