Internet im Flugzeug

Konkurrenz fliegt den Schweizer Airlines davon

11. Juli 2022, 15:10 Uhr
Reisevorbereitung vergessen und nun im Flugzeug nachholen? Funktioniert nicht unbedingt. Eine Analyse zeigt nämlich, dass gerade Schweizer Fluggesellschaften beim Internet an Bord hinterherhinken.

Ferien ohne Internet? Mittlerweile fast nicht mehr denkbar. Ob Karten, Restaurant-Kritiken oder Buchungs-Plattformen: Viele Schweizerinnen und Schweizer wollen auch in den Ferien nicht auf den Internetzugriff verzichten. Und das fängt bereits im Flugzeug an. Wenn man eh schon warten muss, wieso die Planung nicht im Flug erledigen oder eine Serie streamen? Doch eine Analyse von Moneyland zeigt, dass gerade Schweizer Airlines im internationalen Vergleich der Konkurrenz hinterherhinken.

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Was fällt auf?

Die Preise für Internet an Bord unterscheiden sich massiv zwischen den verschiedenen Airlines. So bieten etwa einige Airlines gratis Internet an, andere wie etwa die Swiss verlangen für lächerliche 20 Megabytes Daten ganze neun Franken.

Die meisten Fluggesellschaften bieten mehrere Pakete mit unterschiedlicher Datenmenge, Nutzungsdauer sowie speziellen Einschränkungen. «Bei manchen Airlines ist es beispielsweise mit dem günstigsten Datenpaket nicht möglich, Fotos per Messenger zu versenden», erklärt Telekom-Experte Ralf Beyeler.

Internet auf Europa-Flügen bei den wichtigsten Airlines in der Schweiz.

Ebenfalls kommt es darauf an, ob es sich beim Flug um einen Europa- oder Interkontinentalflug handelt. Bei den meisten Airlines erhalten Kundinnen und Kunden den günstigsten Internetzugang auf Europa-Flügen für unter 10 Franken – in der Regel ist die Datenmenge nicht beschränkt, aber die Verbindung ist sehr langsam. Auch bei Interkontinentalflügen offerieren einige Airlines ihren Kundinnen und Kunden einen Internetzugang für weniger als 10 Franken.

Internet auf Interkontinental-Flügen bei den wichtigsten Airlines in der Schweiz.

Wie schneiden die Schweizer Airlines im Vergleich ab?

Eher schlecht – zumindest im Vergleich zu den fünf Airlines, die in der Schweiz die meisten Passagiere transportieren. Das Angebot der beiden Schweizer Fluggesellschaften Edelweiss und Swiss sei bescheiden, schreibt Moneyland in einer Medienmitteilung. Edelweiss biete ihren Passagierinnen und Passagieren überhaupt kein Internet, die Swiss nur auf einigen Interkontinentalflügen. «Und selbst dort ist das Angebot der grössten Schweizer Airline alles andere als attraktiv», findet Beyeler.

Bei der Swiss zahlen Kundinnen auf Interkontinental-Flügen neun Franken für 20 MB und 59 Franken für 220 MB. Das sind im besten Fall umgerechnet 25 Rappen pro Megabyte. Selbst beim Mutterkonzern Lufthansa gibt es ein GB für 29 Euro, also umgerechnet gerade einmal knapp 3 Rappen pro Megabyte. Und bei der niederländischen KLM kostet der uneingeschränkte Internetzugang für den gesamten Flug weniger als 120 MB bei der Swiss.

KLM ist zudem die einzige der fünf Airlines, die ihren Passagieren eine Gratis-Verbindung für Messaging spendiert – und zwar sowohl bei Europa- als auch Interkontinental-Flügen. «Die Schweizer Airlines sind noch nicht im 21. Jahrhundert angekommen», findet Telekom-Experte Beyeler. «Bei fast allen Anbietern ist eine Internetverbindung heute selbstverständlich und kostet auch nicht viel.»

Was sagt Edelweiss?

Gegenüber der Today-Zentralredaktion sagt Edelweiss, dass man auch in Zukunft nicht geplant habe, Internet auf den Flügen anzubieten. Die Begründung: «Für unsere Gäste (Ferienreisende) hat ein ‹always on›, im Gegensatz zu Geschäftsreisenden, nur eine geringe Relevanz bei den Kundenwünschen», heisst es auf Anfrage. Beyeler sieht das anders: «Eine Internetverbindung ist ein Kundenbedürfnis. Der Kunde ist offenbar nicht König bei Edelweiss. Und bei der Swiss wird er geschröpft.»

Allerdings schliesse man Internet nich komplett aus bei der Edelweiss:  «Aufgrund der Flughöhe und -geschwindigkeit sowie der Flüge über das Meer ist sehr aufwändige Technik erforderlich, was sich in hohen Preisen für geringe Leistungsfähigkeit niederschlägt, ähnlich wie bei Kreuzfahrtschiffen. Die Services werden bislang nur von einzelnen internationalen, spezialisierten Providern angeboten, ganz anders als beim «normalen» Mobilfunk auf dem Land. Sobald es die Technik erlaubt, unseren Ferienreisenden auch hier ein attraktives Angebot zu machen, wird Edelweiss dies ihren Kunden gerne verfügbar machen.»

Quellen

(jaw)

Quelle: Today-Zentralredaktion
veröffentlicht: 11. Juli 2022 15:11
aktualisiert: 11. Juli 2022 15:11
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