Organspende kommt in der Schweiz nicht voran

14. Januar 2020, 18:08 Uhr
Viele warten immer noch auf ein neues Organ
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Viele warten immer noch auf ein neues Organ

Im vergangenen Jahr wurden Organe von 157 verstorbenen Personen transplantiert. Gegenüber dem Vorjahr ist dies eine verstorbene Spenderin oder ein verstorbener Spender weniger. Für 1415 Personen hatte das Warten auf ein Organ jedoch noch kein Ende.

Gemäss der Nationalen Stiftung für Organspende und Transplantation Swisstransplant erhielten 582 Personen mindestens ein Organ dieser Spenderinnen oder Spender, 21 Patientinnen oder Patienten erhielten mehrere Organe. Zu den verstorbenen Spendern kommen 110 Personen, welche zu Lebzeiten beispielsweise einen Teil ihrer Nieren oder ihrer Leber spendeten.

Am häufigsten wurde eine Niere transplantiert, nämlich 332 Mal. 168 Personen erhielten eine Leber, 39 Mal wurde ein Herz und ebenfalls 39 Mal eine Lunge transplantiert. 25 Personen erhielten eine Bauchspeicheldrüse.

Ebenfalls kaum eine Veränderung gab es bei der Anzahl Personen, welche noch auf ein Organ warten. 1415 Personen figurieren auf der Liste, das sind drei mehr als im Vorjahr. Davon warten 1057 auf eine Niere, 209 Personen auf eine Leber, 89 auf ein Herz, 57 auf eine Bauchspeicheldrüse, 45 auf eine Lunge und zwei Personen warten auf einen Dünndarm. 46 Personen, welche auf der Warteliste waren, starben im Jahr 2019.

Wenig Organspender im europäischen Vergleich

Gemäss Swisstransplant ergeben diese 157 Spenderinnen und Spender einen Wert von 18,4 Organspenderinnen und -spender pro Million Einwohner. Dieser Wert sei im europäischen Vergleich tief.

Von den 157 Organspenderinnen und -spendern waren hundert an einem Hirntod gestorben. Die anderen 57 erlagen einem Hirntod nach einem Herz-Kreislauf-Stillstand.

In Bezug auf das Nationale Organspenderegister zieht Swisstransplant eine positive Bilanz. Dieses wurde im Oktober 2018 lanciert. Bis Ende Dezember 2019 haben 79'229 Personen ihren Wunsch eingetragen.

Gemäss Swisstransplant führt eine fehlende Willensäusserung von verstorbenen Patienten zu einer hohen Ablehnungsrate in den Spitälern. Demnach lehnt die Hälfte der Angehörigen von verstorbenen Patienten eine Organspende ab, wenn der Wunsch des Patienten oder der Patientin nicht bekannt ist.

Diskussion um Willensäusserung

Über die Organspende wird derzeit auf politischer Ebene diskutiert. Die Volksinitiative "Organspende fördern - Leben retten" will, dass Personen, die Organe spenden möchten, vor ihrem Tod nicht explizit einer Organentnahme zustimmen müssen, sondern bereits ein vermuteter, nicht ausdrücklich festgehaltener Wille der betroffenen Person ausreicht.

Der Bundesrat hat als indirekten Gegenvorschlag eine Änderung des Transplantationsgesetzes in die Vernehmlassung geschickt. Die Revision sieht ebenfalls einen Systemwechsel vor, bezieht aber die Angehörigen mit ein. Swisstransplant unterstützt diesen indirekten Gegenvorschlag, setzt sich jedoch für ein Ja/Nein-Register ein, in welchem sowohl Zustimmung als auch Ablehnung zur Organspende erfasst werden können.

(Quelle sda)

veröffentlicht: 14. Januar 2020 16:17
aktualisiert: 14. Januar 2020 18:08