Borkenkäfer

Schweizer Holz: Wir haben ein Luxusproblem

31. August 2021, 17:40 Uhr
Ein Übeltäter treibt sich in den Schweizer Wäldern herum. Er frisst sich durch die Rinde der Bäume und obwohl nur zwischen 0,7 und 12 Millimeter klein, richtet er grossen Schaden an: Der Borkenkäfer. Neu ist der Käfer hierzulande nicht. Der Umgang mit ihm allerdings schon.
Dass diese Bäume vom Borkenkäfer befallen sind, sieht man an der dunklen Umrandung des Stamms.
© Martina Odermatt

Der Borkenkäfer mags warm und trocken. Der Hitzesommer 2018 passte dem Krabbeltier deshalb besonders, und so erstaunt es nicht, dass sich der Borkenkäfer seit jenem Sommer besonders stark ausbreitet und so im Wald grossen Schaden anrichtet. Er frisst sich durch die Rinde ins Kambium, also quasi das Gewebe des Baums, und lässt diesen so absterben. Besonders betroffen ist etwa die Ostschweiz, die Region Zürich aber auch der Kanton Luzern.

Die warmen und trockenen Sommer 2018, 2019 und 2020 waren ganz nach dem Gusto des Käfers. Rund ein Viertel des Holzes, das jährlich geerntet wird, ist mittlerweile Käferholz. Und angesichts des Klimawandels ist die Tendenz steigend. Das macht den Förstern zu schaffen. Denn bis letztes Jahr gab es für einen Kubikmeter Käferholz nur rund die Hälfte des «normalen» Holz-Preises. Käferholz war also nicht lukrativ.

Nun, dieses Jahr sieht die Situation etwas anders aus. Erstens ist Holz seit diesem Frühling ein extrem begehrtes Gut. Amerikaner und Chinesen kaufen die Schnittholz-Bestände in Europa praktisch leer. Wegen der Pandemie verbringen auch sie mehr Zeit Zuhause beim Heimwerken und dafür benötigen sie eben Holz. Zweitens kommt der Borkenkäfer aufgrund des nassen und kalten Frühlings und Sommers heuer sehr spät. Ein Borkenkäfer-Rekord, wie er für dieses Jahr von Fachleuten befürchtet wurde, wird ausbleiben. Dank dieser Umstände konnte der Markt das Käferholz so gut aufnehmen und dadurch hat sich auch der Preis dafür erhöht. «Und das absolut zu Recht», sagt Valentin Stäheli. Er ist bei Schilliger Holz in Haltikon verantwortlich für den Einkauf von Rundholz und befasst sich in dieser Funktion auch mit Käferholz. «Es soll in den Wäldern nicht zu Woodwaste kommen. Holz ist ein wertvolles Gut, das soll gebraucht werden.»

Denn, auch wenn der Baum von Käfern befallen ist, in der Qualität kann das Käferholz durchaus mit herkömmlichem Holz mithalten. Einziges Manko: Die leichte Verfärbung. Gut 4 Zentimeter um den Baumstamm ist ein dunkler Schatten bemerkbar. Das ist ein Bläuepilz, der diese Verfärbung mit sich bringt. Und hier kommt das Problem: die Ästhetik. Wie ein zweibeiniges Ünique-Rüebli im Supermarkt, hat es auch leicht verfärbtes Holz nicht so einfach. «Die Leute wollen ein einheitliches Gesamtbild, wenn sie zum Beispiel eine Fassade oder Decke mit Holz einkleiden», so Stäheli.

Das leicht verfärbte Holz wird zwischen zwei gute Holzplatten geleimt.
© Martina Odermatt

Auch die Firmen würden nur wenig ästhetisch minderwertiges Holz wollen. «Solange es genug gutes Holz gibt, wollen die Firmen das gute Holz. Der Leidensdruck ist noch nicht gross genug, um intensiver auf Käferholz zu setzen.» Ein Luxusproblem. Spätestens wenn die Menge an Käferholz weiter zunimmt, müssen sich wohl auch Unternehmen damit auseinandersetzen, wie man dieses gut an den Mann und die Frau bringt.

Nun könnte man doch den Markt beeinflussen und weniger gutes Holz schlagen und somit das Käferholz attraktiver machen? «Das ist nicht so einfach, weil es regional starke Unterschiede gibt. Die Arbeit für Berner Forstleute würde so etwa wegfallen, weil der Borkenkäfer da nicht sehr aktiv ist», erklärt Stäheli.

Da die Population sich aufgrund des Klimawandels in Zukunft eher noch vermehren wird und man die Holzernte nicht beeinflussen kann, bleibt nur noch eins: Einen Umgang finden. «Bei uns wird das Käferholz in 12 von insgesamt 15 Sparten verarbeitet», sagt Stäheli. Meistens wird es bei Brettschichtholz zwischen zwei herkömmliche Holzbretter geleimt.

Die geleimten Platten sind fein säuberlich aufgereiht und bereit für die Weiterverwendung.
© Martina Odermatt

Von aussen sieht das Material so also einwandfrei aus und die Qualität leidet nicht. (Noch) nicht eignen würde es sich laut Stäheli als Sichtbauholz, also etwa als Verkleidung eines Hauses, oder eben für die Inneneinrichtung. Dafür brauche es erst ein Umdenken beim Konsumenten und das Bewusstsein, dass das Holz von gleicher Qualität ist. Und nach ein paar Jahren unterscheidet es sich farblich eh kaum mehr von herkömmlichem Holz.

Quelle: PilatusToday
veröffentlicht: 5. September 2021 10:36
aktualisiert: 5. September 2021 10:36
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