Studie

«Schwuchtel»: Schwule erleben viel Hass an Schweizer Schulen

27. März 2022, 08:33 Uhr
Eine kürzlich veröffentlichte Studie eines Aargauer Doktoranden untersuchte das Verhalten von Deutschschweizer Jugendlichen gegenüber schwulen Mitschülern. Die Ergebnisse zeigen, dass Demütigungen in Schulen Alltag sind.
Mit 115 Fragen versuchte der Doktorand aus dem Aargau herauszufinden, wie Junge über schwule Mitschüler denken. (Symbolbild)
© Keystone

Wie die «SonntagsZeitung» berichtet, zeigen die Ergebnisse der Deutschschweizer Studie, dass  junge Schwule täglich subtile oder offene Ausgrenzung, Beschimpfung und Gewalt in der Schule erleben. In der im Januar veröffentlichten Studie wurden 2209 Jugendliche zwischen 12 und 18 Jahren untersucht. Der 38-jährige Patrick Weber aus Muri befragte im Rahmen seiner Doktorarbeit Schülerinnen und Schüler aus Städten und Dörfern zu ihrer Einstellung gegenüber schwulen Mitschülern und die Ergebnisse sind ernüchternd.

Wie verbreitet und tief verwurzelt die Feindseligkeit gegenüber Schwulen bei Jugendlichen ist, zeigen die Kommentare: «Schwule und Lesben gehören in den Dreck. Es gehört nicht zur Natur» und «Ich finde, es sollte keine Schwulen geben». Ein 13-Jähriger schrieb: «Schwule sind geisteskranke Menschen, die kein Girl finden.»

Fast jede zweite Person macht Witze über Schwule

Die Analyse zeigte, dass mehr als ein Viertel der untersuchten Schülerinnen und Schüler sich gegenüber mindestens einer Person in den letzten zwölf Monaten negativ verhalten hat, weil diese schwul ist oder für schwul gehalten wird. 68 Prozent der befragten Jugendlichen räumten ein, Freundinnen oder Freunde in letzter Zeit als «Schwuchtel» oder «schwule Sau» bezeichnet zu haben. 40 Prozent gaben an, Witze über Schwule gemacht zu haben.

Gerade in kleineren Gemeinden habe Patrick Weber jedoch auch viel Offenheit und Toleranz erlebt, so der Doktorand gegenüber der «SonntagsZeitung». «Mensch ist Mensch, egal ob schwul oder eine andere Religion und Hautfarbe», kommentiert etwa ein 15-jähriger Jugendlicher. «Man kann sich nicht aussuchen, auf welches Geschlecht man steht», merkt eine gleichaltrige Schülerin an. Trotzdem sei dringender Handlungsbedarf nötig, sagte Weber. Fehlende Normen und Respekt im Klassenzimmer führten zu Aggressionen auch gegen andere soziale Gruppen: Gehässigkeit und Gewalt zwischen Schweizern und Ausländern etwa oder Linken und Rechten.

Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm

Besonders die Einstellung der Eltern prägt die Meinung der Schülerinnen und Schüler zu Homosexualität. «Mein Vater ist gegen andere sexuelle Orientierungen. Ich finde, Schwulsein ist eine Krankheit und sollte nicht akzeptiert werden», sagt etwa eine 14-Jährige. Deshalb sei es besonders wichtig, dass die Schulen korrigieren, was auch bei Eltern fehlt: Ein Verständnis für die Werte einer toleranten, gleichwertigen Gesellschaft.

(red)

Quelle: ArgoviaToday
veröffentlicht: 27. März 2022 08:15
aktualisiert: 27. März 2022 08:33
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