Studie

Sex, Job, Feminismus: So fühlen sich Schweizer Frauen

1. März 2021, 16:05 Uhr
In einer Studie von «annabelle» mit Sotomo sagen Frauen ihre Meinung. (Symbolbild)
© KEYSTONE/Peter Klaunzer
In den letzten Wochen wurde viel über Frauen geredet. Die Frauenzeitschrift «annabelle» wollte jedoch auch etwas hören und hat deshalb nachgefragt und die Frauen haben geantwortet – und wie!

Über 6'200 Teilnehmerinnen zwischen 16 und 89 Jahren nahmen an der grössten Deutschschweizer Frauenstudie der letzten Jahre teil. Für die Umfrage «annajetzt – Frauen in der Schweiz» beantworteten sie 80 Fragen zu ihrem aktuellen Befinden. Im Zentrum: Die Gleichstellung von Mann und Frau, die Entscheidung zwischen Familie und Beruf sowie ihre Zufriedenheit mit Partnerschaft und Sexualität.

Männer geniessen mehr Vorteile

Nach wie vor würden laut der Studie von «annabelle» drei Viertel aller Frauen überzeugt sein, dass Männer in der Schweiz rein wegen ihrem Geschlecht bevorteilt werden. Besonders jüngere Frauen und jene in der Familienphase seien hier eher kritisch als ältere Generationen. Dieser Wert sei auch im globalen Vergleich aussergewöhnlich hoch.

Schockierende Zahlen

Erschreckende Resultate liefert «annajetzt» auch im Bezug auf sexuelle Gewalt und Nötigung. Fast jede dritte Frau in der Deutschschweiz soll demnach schon Sex ohne ihre ausdrückliche Einwilligung gehabt haben. Ebenso viele berichten von mindestens einem Erlebnis, bei dem es zu sexueller Gewalt kam.

Fast ein Drittel der Befragten seien mit ihrem Sexleben zufrieden, ein Viertel hätte gerne häufiger Sex. Verglichen mit der Generation ihrer Mütter, finden 38 Prozent, dass sich die sexuelle Entfaltung verbessert habe.

Junge Frauen sehen sich häufiger als Feministinnen

Bei den unter 35-Jährigen würde sich eine Mehrheit als Feministin bezeichnen, schwerer mit diesem Begriff tun sich vor allem ältere Frauen. Dieser Generationenunterschied sei auch in anderen Ländern zu beobachten.

Männer profitieren im Berufsleben

Einigkeit herrscht bei der mangelhaften Gleichstellung in der Arbeitswelt. 60 Prozent der Studienteilnehmerinnen sehen sich im Berufsleben gegenüber den Männern schlechter gestellt. Bei den 25- bis 34-Jährigen sind es sogar 75 Prozent. Obwohl eine Mehrheit zustimme, dass sich ihre Stellung im Vergleich zu früheren Generationen verbessert hat, sei das noch lange nicht genug.

Darum würde auch fast jede zweite Frau eine Geschlechterquote zur Beschleunigung der Gleichberechtigung begrüssen. Handlungsbedarf gebe es auch bei der Tatsache, dass Frauen für die gleiche Arbeit weniger verdienen würden. Für ganze 85 Prozent sei das sogar das Thema mit dem dringendsten Handlungsbedarf.

Finanzielle Schwierigkeiten nach Mutterschaft

Nach der Geburt des ersten Kindes würden die meisten Frauen nur noch Teilzeit arbeiten, während Mann weiterhin voll erwerbstätig bleibt. Nach eigener Aussage würden nicht einmal die Hälfte der Teilnehmerinnen von «annajetzt», welche sich im Erwerbsalter befinden, genug verdienen, um den Lebensunterhalt selbstständig zu bestreiten. Eine Trennung vom Partner sei für ein Fünftel deshalb aus finanziellen Gründen nicht verkraftbar.

Überraschend kommt daher das Ergebnis, dass die Mehrheit der Befragten ein Erwerbsmodell für Familien mit Kindern, bei dem die Mutter 50 Prozent und der Vater 80 Prozent arbeitet, für die beste Variante hält. Gleichzeitig geben 80 Prozent an, dass sie an mentaler Belastung leiden, weil sie bei der Kindererziehung, Care-Arbeit sowie der Organisation und Planung in Haushalt und Familie bedeutend mehr leisten würden.

(red.)

Quelle: PilatusToday
veröffentlicht: 1. März 2021 16:05
aktualisiert: 1. März 2021 16:05