Zuger Rohstoffriese

So kämpft Glencore gegen den schlechten Ruf

18. März 2021, 07:25 Uhr
Es steht nicht zum Besten um den Ruf des Rohstoffriesen Glencore – und das seit Jahren. «Raubbau, miese Arbeitsbedingungen und Umweltverschmutzung» sind Vorwürfe, die man oft von Kritikern hört. Mit einer Werbeoffensive will die Firma mit Sitz in Baar jetzt aufklären und ihr Image aufpolieren.

Ob auf Online-Portalen oder über die Sozialen Medien: Der internationale Rohstoffriese Glencore fällt derzeit mit seiner Werbepräsenz auf. Warum diese Marketingoffensive? Und warum gerade jetzt? Wir haben mit Sarah Antenore gesprochen, der Kommunikationsverantwortlichen bei Glencore International in der Schweiz.

Frau Antenore, hat man es in der Vergangenheit schlicht verpasst, sich um ein besseres Image zu bemühen?

«Wir müssen sicherlich besser erklären, wie wir unsere Tätigkeiten ausüben und unsere Verantwortung wahrnehmen. Seit einigen Jahren verfolgen wir da einen proaktiveren Ansatz, bei dem unterschiedliche Kommunikationskanäle zum Einsatz kommen.»

Im Kanton Zug, wo Glencore seit über 40 Jahren ihren Hauptsitz hat, schätzt man das Unternehmen etwa für seine 900 Arbeitsplätze und für die Steuereinnahmen. Darüber hinaus ist die Firma mit viel Kritik konfrontiert. Mit welchen Vorwürfen kämpfen Sie?

«Einen Vorwurf, den wir immer wieder hören, ist, dass wir in den Ländern, in denen wir tätig sind, keine Steuern zahlen. Das stimmt nicht. Allein im Jahr 2020 haben wir insgesamt knapp 6 Milliarden US-Dollar an Steuern und sonstigen Abgaben bezahlt. Wie hoch unsere Zahlungen in welchem Land sind, legen wir seit 2015 in unserem Payments to Governments Report offen.»

Was ist mit dem Vorwurf, Glencore kümmere sich nicht um die Mitarbeiter in den Förderländern?

«Wir beschäftigen fast 150'000 Mitarbeitende weltweit – sie sind unsere wichtigste Ressource. Entsprechend haben ihre Sicherheit und Gesundheit höchste Priorität für uns. Aufgrund von Regierungsbeschlüssen im Zusammenhang mit Covid19 mussten wir letztes Jahr einige Minen vorübergehend stilllegen. Wo möglich, stellen wir sicher, dass unsere Mitarbeitenden weiterhin entlohnt werden und Weiterbildungsangebote nutzen können. Es steht allen Mitarbeitenden frei, sich einer Gewerkschaft anzuschliessen.»

Ob der breit angelegten Marketingkampagne könnte aber auch der Eindruck entstehen, Glencore müsse sich irgendwie rechtfertigen. Zum Beispiel für die Förderung von nicht-erneuerbaren Rohstoffen in einer Zeit, in der die ganze Welt ihre Klimaziele neu setzt.

«Um die Energiewende zu schaffen, braucht es Rohstoffe wie Kobalt, Kupfer oder Nickel. Sie kommen in emissionsarmen Technologien zum Einsatz. Zum Beispiel in Elektrofahrzeugen oder Solar- und Windkraftanlagen. Wir werden unseren Teil dazu beitragen, die Pariser Klimaziele zu erreichen. Entsprechend haben wir uns das Ziel gesetzt, unsere Nettoemissionen bis 2050 auf null zu reduzieren. Wir sind bisher das einzige Bergbauunternehmen, das ein solches Ziel angekündigt hat.»

Wie soll das gehen?

«Indem wir die Rohstoffe bereitstellen, welche die Welt für emissionsarme Technologien braucht. Wir wollen aber auch unseren eigenen Fussabdruck reduzieren. Beispielsweise durch den verstärkten Einsatz erneuerbarer Energien. Heute decken wir fast 13 Prozent unseres Energiebedarfs mit erneuerbaren Energien wie Wind- und Wasserkraft ab. In der Demokratischen Republik Kongo beispielsweise unterstützen wir derzeit die Modernisierung des wichtigsten Wasserkraftwerks des Landes. Dadurch fördern wir einerseits die Infrastruktur für erneuerbare Energien vor Ort und reduzieren gleichzeitig unseren eigenen Dieselverbrauch.»

(gea)

Quelle: PilatusToday
veröffentlicht: 17. März 2021 19:02
aktualisiert: 18. März 2021 07:25