Instandhaltung

Warum die SBB jetzt vor Sicherheitsrisiken im Bahnverkehr warnt

12.07.2023, 12:16 Uhr
· Online seit 12.07.2023, 12:14 Uhr
Der Bund kürzt der SBB den Zustupf für die Infrastruktur. Das Bahnunternehmen warnt deshalb: Das könnte Konsequenzen für die Sicherheit haben. Ist das Übertreibung – oder drohen tatsächlich Streckensperrungen und Zugausfälle?
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Der Bund muss sparen, auch bei der Infrastruktur der Eisenbahn. Die Schweizer Bahnunternehmen erhalten deshalb für den Betrieb und den Erhalt ihrer Infrastruktur in den Jahren 2025 bis 2028 weniger Geld vom Staat. 

Eigentlich forderten alle Bahnunternehmen zusammen 19,7 Milliarden Franken, um ihre Tunnels, Brücken und Schienen in Schuss zu halten. Der Bund will Stand heute aber nur 15,1 Milliarden Franken zahlen.

Zwar gibt der Bund zu, dass der heute schon bestehende Rückstand bei der Erneuerung und beim Unterhalt der Infrastruktur mit dem Sparprogramm anwachsen dürfte. Auf die Bahn-Sicherheit habe das aber keinen Einfluss. Die SBB sieht das anders, wie die Zeitungen von CH Media berichten. Das grösste Bahnunternehmen der Schweiz soll noch voraussichtlich 7,7 Milliarden Franken erhalten.

SBB-Infrastruktur «teilweise unzureichend»

In deutlichen Worten warnt die SBB vor den langfristigen Folgen des Sparprogramms. «Aus Sicht der SBB würden sich die latenten Sicherheitsrisiken auf ein kaum mehr akzeptierbares Niveau erhöhen», heisst es im Bericht zur Finanzierung des Betriebs und des sogenannten Substanzerhalts.

Der Bund widerspricht. Man könne die Aussage der Bahn «aktuell nicht nachvollziehen», heisst es. Er räumt aber ein, dass mit dem Geld die Verfügbarkeit und Qualität des Netzes zwar weitgehend, aber «teilweise unzureichend» erhalten werden.

Was das konkret bedeuten kann, mussten Reisende kürzlich in Basel erfahren. Die SBB musste die Margarethenbrücke Ende Juni kurzerhand für den Tramverkehr sperren und schnitt damit ganze Quartiere vom öffentlichen Verkehr ab. Obwohl der Sanierungsbedarf an der Brücke seit Jahren bekannt war, handelte die Bahn nicht. Wenn sie in Zukunft weniger Geld für ihre Infrastruktur erhalten sollte, könnten im schlimmsten Fall ähnliche Vorfälle mit Auswirkungen auf den Fahrplan und die Pünktlichkeit drohen.

Kommentieren wollen die SBB die ausgesprochene Warnung nicht. Auch wie viel Geld die Bahn ursprünglich vom Bund forderte, wollen weder die Staatsbahn noch das Bundesamt für Verkehr (BAV) öffentlich machen. BAV-Sprecher Michael Müller sagt lediglich, die SBB habe wie andere Bahnen in den Verhandlungen deutlich mehr Geld gefordert.

Anlagen der SBB sind grundsätzlich gut im Schuss

Immerhin: Auch die SBB kommt laut BAV zur Einschätzung, dass die bestehenden Anlagen in der Periode 2025 bis 2028 mit den vorgesehenen Mitteln sicher betrieben werden können. Es gebe aktuell keine akut kritischen Anlagen, bei denen sofortiger Handlungsbedarf bestehe. Seit dem Jahr 2014 habe sich der Anlagenzustand bei der SBB kontinuierlich verbessert. Die Verspätungsminuten, die durch die Infrastruktur verursacht werden, seien kontinuierlich gesunken.

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Nach der SBB sollen die höchsten Beträge für die Infrastruktur der Berner BLS (1,05 Milliarden Franken) ausbezahlt werden, gefolgt von jener der Rhätischen Bahn (1,03 Milliarden Franken) und jener der Transports Publics Fribourgeois (411 Millionen Franken).

Die SBB-Anlagen werden laut Zeitungsbericht derzeit mit einem Wert von 2,7 benotet, wobei ein Wert von 1 einem «neuwertigen» Netz und ein Wert von 5 einem «ungenügenden» Zustand entspricht. Besser als die grösste Schweizer Bahn schneiden die Netze der Südostbahn mit einem Wert von 2,3 und der BLS mit einem Wert von 2,6 ab.

(osc)

veröffentlicht: 12. Juli 2023 12:14
aktualisiert: 12. Juli 2023 12:16
Quelle: Today-Zentralredaktion

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