Corona-Selbsthilfegruppen

Wenn die Angst dominiert: Betroffener erzählt

20. Februar 2021, 23:01 Uhr
(Symbolbild)
© IMAGO / Westend61
Verunsicherung. Einsamkeit und Angst. Viele Menschen haben mit den Folgen der Corona-Pandemie zu kämpfen. Für sie bietet die Selbsthilfe Schweiz virtuelle Selbsthilfegruppen zu verschiedenen Themenbereichen an. Ein Teilnehmer der Gruppe «Einsamkeit und Isolation» hat mit uns über seine Erfahrungen gesprochen.

Thomas Moser* ist 65 Jahre alt, lebt allein und ist seit 2011 arbeitslos. Der plötzliche Verlust seiner Anstellung und die daraus folgende finanzielle Notlage liessen ihn vor zehn Jahren in ein tiefes Loch stürzen, aus dem er seitdem zu entfliehen versucht. Das Wegfallen seiner wenigen verbliebenen Bezugspersonen nach Beginn des ersten Lockdowns und die anhaltende Verunsicherung während der Pandemie werfen den 65-Jährigen in seinen Fortschritten zurück – es dominiert die Angst.

Kontakt verloren

Die meisten Menschen, mit denen sich Thomas Moser noch sporadisch getroffen hat, leben im Ausland. Mit den Reisebeschränkungen fielen auch diese weg. «Die wenigen Kontakte, die ich noch hatte, sind weggebrochen», beteuert Moser. Neue Leute treffen – keine Option: «Viele ältere Personen fürchten sich, aus dem Haus zu gehen.» So auch er. Grund dafür ist die Verunsicherung, welche er seit Beginn der Pandemie verspürt – angefacht von der teils widersprüchlichen Corona-Berichterstattung.

Verunsicherung statt Information

«Angefangen hat es mit den Schutzmasken. Zuerst wurde vom Tragen abgeraten, jetzt sind sie das ‹Wundermittel› und nicht mehr wegzudenken», so Moser. Vor einem ähnlichen Dilemma steht er auch jetzt wieder mit dem Impfen. Auch sein Arzt will ihm keine definitive Empfehlung abgeben, ob er sich gegen das Virus impfen lassen soll. Mittlerweile schaut er kaum noch Nachrichten oder liest Zeitungen. Medien, die informieren sollten, schüren seine Angst.

Dass Moser an Asthma leidet, erschwert die Situation für ihn noch weiter, «man überlegt sich dann schon zweimal, ob man noch Einkaufen gehen soll, es könnte dich ja jeder anstecken. In meinem Alter wäre das sehr gefährlich.» So driftet er weiter ab, in einen Teufelskreis aus Einsamkeit und Isolation.

«Aus einem anfänglichen Negativgefühl wurde etwas sehr Positives»

Eine positive Erfahrung, die der 65-Jährige aus der Pandemie mitnehmen kann, ist sein Engagement in einer Selbsthilfegruppe. Auf das Angebot der Selbsthilfe Schweiz stiess er durch eine Begleitung, die ihn seit Jahren unterstützt. «Ihr war es wichtig, dass ich etwas mache und nicht nur vor dem Fernseher sitze.»

Anfänglich war Moser skeptisch, «ich litt unter Depressionen und wollte mir nicht noch die Probleme anderer Menschen anhören». Mittlerweile sieht er es anders und leitet sogar selbst Video-Selbsthilfegruppen: «Einige Mitglieder der Gruppe organisierten sich selber», erklärt Moser. Erfahrungen, die er bei der Dargebotenen Hand, wo er sich mehrere Jahre engagierte, sammeln konnte, halfen ihm dabei.

Schon länger treffen sie sich nun wöchentlich. Einige aus der ursprünglichen Gruppe sind noch dabei, andere sind neu dazugekommen. «Es gibt einen schönen Mix aus Menschen und der regelmässige Austausch tut gut.»

*Name der Redaktion bekannt

(mda)

Quelle: PilatusToday
veröffentlicht: 20. Februar 2021 06:20
aktualisiert: 20. Februar 2021 23:01