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Schwimmen

Desplanches: «Ich habe immer noch das gewisse Etwas»

21. Mai 2021, 13:05 Uhr
Jérémy Desplanches kann erleichtert nach Nizza zurückkehren. Nach dem Gewinn von EM-Silber in Budapest weiss der Genfer, dass er immer noch über das «gewisse Etwas» verfügt.
Jérémy Desplanches zeigt nach der Siegerehrung die Silbermedaille
© KEYSTONE/PATRICK B. KRAEMER

Allzu gerne wäre Jérémy Desplanches Europameister über 200 m Lagen geblieben. In 1:56,95 war er im EM-Pool in der ungarischen Hauptstadt schneller als bei seinem Titelgewinn vor knapp drei Jahren in Glasgow. Doch der 26-jährige Romand, nach drei der vier Lagen noch in Führung, sah sich auf den letzten Metern im Crawl-Stil vom aufstrebenden Spanier Hugo Gonzalez noch um 19 Hundertstel abgefangen.

Er sei im ersten Moment doch etwas enttäuscht gewesen, so Desplanches. «Als ich meinen Rang sah, dachte ich zunächst, dass ich weniger gut abgeschnitten habe als beim letzten Mal.» Das sei die Crux, wenn man Titelverteidiger sei: «Du kannst bestenfalls gleich gut sein. Das ist etwas, das mich gestresst hat. Wenn du zwar schneller bist, aber nur Zweiter wirst, dann ist das halt schlechter.»

Doch mit etwas mehr Distanz zum Rennen zeigt sich der Schweizer Medaillen-Garant «glücklich». Die Zeit ist für Mitte Saison gar nicht so schlecht. «Obwohl ich zum jetzigen Zeitpunkt nicht bereit war, über 200 Meter die volle Geschwindigkeit zu halten, bin ich nur zwei Zehntel von Gold entfernt. Und Silber ist doch auch eine schöne Medaille.» Desplanches kann den Endspurt auf seinem weiten Weg nach Tokio, seit über fünf Jahren sein Langzeit-Ziel, mit Gelassenheit angehen.

«Ich habe mir während der Corona-Pandemie doch die eine oder andere Frage gestellt. Na ja, ich habe immer noch das gewisse Extra. Das ist doch ziemlich cool.» Er wisse exakt, was er tun müsse, sagt der WM-Zweite von Gwangju 2019, der auf der letzten Bahn 0,77 Sekunden auf Europameister Gonzalez einbüsste. «Ich muss im Crawl wieder auf mein früheres Niveau kommen. Auch im Rücken-Stil muss ich besser werden. Hingegen Brust und Delfin waren am Donnerstag sehr, sehr gut. Doch es muss eben alles perfekt sein.»

Er brenne darauf, «wieder an die Arbeit zu gehen», sagt der Genfer im Hinblick auf die Sommerspiele in Tokio. Gut zwei Monate bleiben Desplanches, um an den Details zu arbeiten und die angestrebte Perfektion zu erreichen. Dann, wenn am Abend des 28. Juli im Tokyo Aquatics Centre der Vorlauf über 200 m Lagen ansteht, nimmt er sein ultimatives Ziel in Angriff.

Stösst er auch am vierten Grossanlass in Serie in die Top 3 vor, vergrössert Desplanches seinen Abstand als jetzt schon bester Schweizer Schwimmer der Geschichte nochmals deutlich.

Quelle: sda
veröffentlicht: 21. Mai 2021 13:05
aktualisiert: 21. Mai 2021 13:05