Olympiasieger gibt Comeback

«Es ist eines der grössten Rennen der Welt»: Simon Schürch rudert auf der Themse

Tobias Hotz, 10. März 2022, 10:24 Uhr
Simon Schürch hat als Ruderer alles gewonnen. Nach dem Olympiasieg 2016 trat er zurück. Nun wagt der 31-Jährige in London sein sportliches Comeback bei einem der legendärsten Ruderrennen der Welt. Auf der Themse kommt es zu einem Schweizer Duell.

Olympiasieger, Weltmeister und Europameister. Simon Schürch hat in seiner Karriere als Ruderprofi alles gewonnen. «Ich habe das Maximum erreicht», sagte er 2017 anlässlich seines Rücktrittes im Alter von nur 26 Jahren. Statt sportlichen setzte sich der Schenkoner fortan berufliche Ziele. Er schloss ein Studium der Wirtschaftswissenschaften ab und arbeitet als Unternehmensberater. Aktuell nutzt er eine Weiterbildungsmöglichkeit seines Arbeitgebers und absolviert an der Universität Cambridge den Master in Business Administration.

An der geschichtsträchtigen Universität schreibt er nun nicht nur wissenschaftliche Arbeiten, sondern auch ein neues Kapitel seiner Rudergeschichte. Seit 1829 duellieren sich die beiden renommierten englischen Universitäten Oxford und Cambridge in einem Ruderrennen auf der Themse in London. «Man spürt an jeder Ecke die grosse Tradition des Rudersports», so Schürch. Seit vergangenem Herbst ist er daher wieder im Ruderboot anzutreffen. Er selbst habe das Rennen früher mit seinen Trainingskollegen im TV geschaut. «Es ist eines der grössten Rennen der Welt.»

Das «Boat Race» lockte viele Menschen an die Ufer der Themse.

© Keystone / Sang Tan

Rundern spielte keine Rolle mehr

Seine vielen Erfolge feierte Schürch im Leichtgewichts-Vierer. Auf der Themse wird in einem Achter gerudert und die Strecke ist mit 6779 Metern mehr als drei Mal länger als in Schürchs Paradedisziplin. Weiter verläuft die Rennstrecke nicht wie gewohnt geradlinig, sondern schlängelt sich durch die englische Millionenmetropole. Es kommt noch ein weiterer Punkt dazu, der das Rennen für den Welt- und Europameister zu einer grossen Herausforderung macht. «Seit dem Olympiasieg war ich vielleicht fünfmal im Ruderboot.»

Schneller als zu seinen Topzeiten

Die Plätze im Ruderboot sind begehrt. Zu Beginn stritten sich 23 Sportler um die acht Plätze im Boot der Universität Cambridge. Im Kampf um die Plätze im Boot kamen beim 31-jährigen Sportpensionär auch mal Zweifel auf. «Am Anfang war ich über 5000 Meter auf dem Rudergerät der Langsamste.» Mittlerweile ist er über diese Distanz sogar schneller als zu seiner Blütezeit. «Ich bin aber auch schwerer als damals und habe daher mehr Kraft.» Neben dem Studium trainiert er täglich zwei Mal. «Das entspricht etwa 60 Prozent des Trainingspensums vor Olympia.»

Der Leichtgewichts-Vierer mit Lucas Tramer, Mario Gyr, Simon Schürch und Simon Niepmann nach ihrem Olympiasieg 2016
© SRF

Keine Comebackpläne

Im Gespräch spürt man Simon Schürch die Freude am sportlichen Wettkampf und seinen eigenen Fortschritten an. Gibt es also bald ein Comeback als Leistungssportler? «Nein, ich glaube nicht. Dazu bin ich zu alt.» Denn gewisse Nachteile, die ein Profisportler auf sich nehmen muss, merkt er auch während seines Abenteuers in London. «Wenn ich am Morgen um 5.15 Uhr im Training sein muss, bereue ich meine Entscheidung manchmal", sagt er mit einem Schmunzeln.

Es kommt zum Schweizer Duell

Es brauchte einige Trainingseinheiten und viel Schweiss, bis Simon Schürch körperlich wieder Topleistungen abrufen konnte. Mental war er sofort bereit: «Als ich wieder im Boot sass, war ich wieder der Sportler und da zählt nur der Sieg.» Spezielle Motivation bringt auch das Duell gegen zwei Schweizer Ruderkollegen. Im gegnerischen Boot sitzen die beiden Schweizer Roman Röösli und Barnabé Delarze. Somit ist bereits jetzt klar, dass am 3. April nach Moritz Hafner mindestens ein weiterer Schweizer im Siegerboot sitzen wird. Simon Schürch wird am Start fokussiert sein, wie im Olympiafinale. «Du hast nur einen Versuch.»

Quelle: PilatusToday
veröffentlicht: 10. März 2022 10:25
aktualisiert: 10. März 2022 10:25
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