Solidarität

FCL verzichtet freiwillig auf Teil des Lohns

Philipp Breit, 18. April 2020, 05:48 Uhr
Sowohl die FCL-Spieler als auch alle weiteren Mitarbeitenden des Clubs verzichten auf einen Teil ihres Lohns.
© Keystone-SDA
Kein Fussball, keine Spiele, keine Fans, keine Kohle. In etwa so einfach lässt sich beim FC Luzern die Situation in Corona-Zeiten zusammenfassen. Die herrschende Unsicherheit ist für den Club die grösste Herausforderung. Aber es zeigt sich: auch in schwierigen Zeiten steht der Verein solidarisch zusammen.

Bereits kurz nach dem Lockdown wurden Stimmen laut, welche Spieler aufforderten, auf einen Teil ihres Lohnes zu verzichten. Dies nicht etwa nur beim FC Luzern, sondern beinahe im kompletten internationalen Bereich. «Wir können aber die internationale Situation nicht mit der Schweiz vergleichen, da gibt es lohntechnisch enorme Unterschiede», betont Verwaltungsrats-Präsident Philipp Studhalter.

Dann wurde unter anderem die 1. Mannschaft von sich aus aktiv. Innerhalb der Mannschaften wurden Lösungen besprochen und ausgehandelt. Mit dem Resultat, dass die Spieler freiwillig auf einen Teil ihres Gehalts verzichten und das Geld dem Verein zur Verfügung stellen.

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Quelle: PilatusToday

Der FCL als solidarische Front

Doch der FCL geht gar noch einen Schritt weiter. Nicht nur die Spieler verzichten auf einen Teil des Lohns, sondern der komplette Verein. 164 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter verzichten freiwillig zu Gunsten des Vereins. Der Club zeigt sich als enorm solidarisch. Immer wieder wurden in der Vergangenheit Stimmen laut, der FC Luzern sei ein Zirkus-Verein, unkoordiniert und unstrukturiert. Es gab vielleicht Momente, in welchen dies teilweise zutraf. Doch seit Jahren zeigt sich, dass sich das einst schlitternde Schiff mittlerweile in ruhigen Gewässern befindet. Anders ist eine solch solidarische Aktion nicht zu erklären.

Auch in ruhigen Gewässern weht zwar ab und an ein rauer (Verwaltungsrats-)Wind durch die FCL-Segel, «aber es erfüllt mich mit Stolz, dass sich der FCL in den aktuell schwierigen Zeiten so geschlossen präsentiert», sagt Philipp Studhalter.

Was geschieht mit dem «gespendeten» Geld?

Doch was bedeutet der Lohnverzicht der Spieler und der Angestellten? Um wieviel Geld es sich handelt oder wie hoch der Prozentsatz sei, dies will Studhalter nicht sagen. «Das Geld kommt aber direkt dem Verein zu Gute, es ist nicht an irgendwelche Bedingungen geknüpft. Es stellt sicher, dass der FCL auch in diesen wirtschaftlich schwierigen Zeiten finanziell etwas Luft erhält».

Zahlen auch die Hauptaktionäre?

Fakt ist: Der FC Luzern braucht grundsätzlich dringend Spiele MIT Zuschauern. Denn die Matcheinnahmen (Ticketing, Verpflegung, etc.) machen in etwa 50 bis 60% der Gesamteinnahmen des Vereins aus. Wenn Ende des Geschäftsjahres Geld fehlt, dann wären ja doch eigentlich noch die Hauptaktionäre da um ein Defizit zu decken – oder nicht? «Es ist nicht so, dass wir nur aufgrund dieser Situation bei unseren Investoren die hohle Hand machen und mehr Geld verlangen», so Studhalter. «Der Verein versucht sich selbst aufrecht zu erhalten, aber die Hauptaktionäre haben ja bereits signalisiert, dass sie die Finanzierung des Vereins bis im Herbst 2021 sicherstellen». Ein sicherlich beruhigendes Gefühl, gerade in diesen unsicheren Zeiten.

Unsicherheiten gehören zum Tagesgeschäft

Die aktuelle Situation sei keine ungewöhnliche für den FC Luzern. Klingt etwas irritierend, wenn Philipp Studhalter dies so sagt. Er bezieht sich jedoch nicht auf die Corona-Situation. «Wir wissen nie, was in drei oder vier Wochen sein wird. Verlieren wir vier Mal oder gewinnen wir vier Mal? Wir müssen uns immer wieder aufs Neue auf ungewisse Zeiten einstellen. Und dieses Wissen, diese Routine kommt uns nun zu Gute».

Aber natürlich verschweigt auch Philipp Studhalter nicht, dass er sich eine baldige Rückkehr in den normalen Fussballbetrieb wünscht. Wann dies jedoch sein wird, ist aktuell noch völlig offen. «Wir, also die Grossveranstaltungen, waren ja die ersten Betroffenen von den Massnahmen. Und ich gehe davon aus, dass wir auch die Letzten sind, welche von diesen befreit werden». An Fussball mit Zuschauern in diesem Sommer scheint auch beim FCL niemand so wirklich zu glauben.

Auch wenn zumindest die sportliche Zukunft zurzeit ungewiss ist. Gewiss ist, dass der FCL auf die Solidarität der Spieler, aber auch der gesamten Belegschaft zählen kann. Corona hin oder her.

Philipp Breit
Quelle: PilatusToday
veröffentlicht: 18. April 2020 07:59
aktualisiert: 18. April 2020 05:48