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Triathlon

Nicola Spirig: «Es liegt nicht alles in meiner Hand»

26. Juli 2021, 05:35 Uhr
Sofern das Rennen der Frauen nicht wegen eines sich Tokio nähernden Taifuns verschoben wird, erhält Nicola Spirig am Dienstagmorgen die Chance auf ihre dritte Olympia-Medaille.
Olympiasiegerin Nicola Spirigs Form stimmt, aber für ihre dritte Olympia-Medaille müsste vieles zusammenpassen
© KEYSTONE/EPA/ROBERT PERRY

Die 39-jährige Spirig ist nicht mehr nur Sportlerin durch und durch, sondern auch Mutter dreier Kinder. Von daher machte sie sich nach der Verschiebung der Olympischen Spiele vor einem Jahr intensive Gedanken, ob sie weitermachen soll. Schon vor dem Rennen zieht sie diesbezüglich ein positives Fazit: «Ich blieb verletzungsfrei, bin nochmals so fit, wie ich mir das gewünscht habe, kann sagen, alles gemacht zu haben, was ich konnte. Ich bin sehr glücklich mit der Vorbereitung.»

So gelang ihr eine persönliche Bestzeit über 10'000 m, gewann sie im Mai beim Weltcup in Lissabon und holte sie Ende Juni den Titel an der Halb-Ironman-Europameisterschaft am Walchsee in Tirol. Die Vorbereitung absolvierte sie in der Höhe von St. Moritz, wobei die Perfektionistin einmal mehr nichts dem Zufall überliess, auch wenn aufgrund ihrer Rolle als Mutter nicht mehr die gleiche akribische Vorbereitung wie vor London möglich war.

Beispielsweise absolvierte sie ein Kurventraining mit dem früheren Rad-Profi und jetzigen -Nationaltrainer Michael Albasini. Die Velostrecke studierte sie mehrmals per Video. Und weil sie sich aufgrund der Quarantäne-Bestimmungen nicht wie geplant in Südkorea auf die Hitze und die hohe Luftfeuchtigkeit in Tokio vorbereiten konnte, trainierte sie stattdessen in einem Saunazelt bei einer Temperatur von 32 Grad und einer Luftfeuchtigkeit von 75 Prozent.

Vieles muss stimmen

Die Form stimmt also, dennoch ist sie sich bewusst, dass für die dritte Olympia-Medaille in Serie nach Gold 2012 in London und Silber 2016 in Rio de Janeiro sehr viel zusammen stimmen muss. Sie spricht von «vielen Puzzle-Teilen». Deshalb antwortete Spirig auf die Frage, ob sie eine Medaillen-Kandidatin sei: «Ja und Nein». Das ist für sie abhängig vom Rennverlauf, da sie nicht zu den besten Schwimmerinnen gehört.

Wenn die Spitzengruppe auf dem Velo gut zusammen arbeitet, ist es möglich, dass sie nicht aufholen kann. «Es liegt nicht alles in meiner Hand», sagt Spirig deshalb. «Insofern kann ich nur mein Bestes geben. Gelingt mir das, bin ich zufrieden.» Zudem legt sie grossen Wert auf das Urteil ihres Trainers Brett Sutton, «dieses bedeutet mir viel.»

Immer noch nervös

Spirig landete erst am Freitagabend Ortszeit in Tokio. Zupass kam ihr, dass die Formalitäten am Flughafen nicht so lange gingen wie bei anderen Schweizer Teildelegationen. Deshalb war sie schon etwa um 22 Uhr im olympischen Dorf. Sie schlief sowohl auf dem Flug wie auch in der ersten Nacht gut. Lange war letztere allerdings nicht, bereits um 6 Uhr am Samstagmorgen war es möglich, den Radkurs anzuschauen, weshalb sie um 4.30 Uhr aufstand.

Am Sonntag war um 4.00 Uhr Tagwache. So passt sie sich an die frühe Aufstehzeit vor dem Rennen an - dieses beginnt um 6.30 Uhr. Zupass kommt ihr, dass es in Tokio früh hell und warm ist. Zudem trainiert sie zu Hause immer wieder schon um 7.00 Uhr, und dies relativ hart. Von daher erwartet sie keine Probleme wegen der Startzeit.

Spirig nimmt in Tokio bereits zum fünften Mal an Olympischen Spielen teil. «Es ist unglaublich, hier zu sein», so Spirig. «Ich habe schon zwei Medaillen und kann eigentlich ohne Druck ins Rennen gehen. Dennoch bin ich immer noch nervös, und das ist auch gut so. Ich kann nur dann meine Topleistung abrufen, wenn ich nervös bin. Allerdings bin ich froh über die gemachten Erfahrungen, ich weiss, wie ich mit den Erwartungen umgehen muss. Olympische Spiele sind für jeden etwas Besonderes. Es ist nicht einfach, am Tag X bereit zu sein.»

Quelle: sda
veröffentlicht: 26. Juli 2021 05:35
aktualisiert: 26. Juli 2021 05:35