Ski nordisch

Polen können in Oberstdorf nun doch starten

29. Dezember 2020, 15:47 Uhr
Der Pole Dawid Kubacki darf seinen Titel bei der Vierschanzentournee nun doch verteidigen
© KEYSTONE/URS FLUEELER
Die polnischen Skispringer heben beim Auftakt zur Vierschanzentournee in Oberstdorf am späteren Dienstagnachmittag doch ab. Es erfolgt ein Neustart.

Das Auftaktspringen der Vierschanzentournee fand nun doch mit den Polen statt. Die Kehrtwende erfolgte auf politischen Druck.

Eigentlich war der Fall klar. Der Pole Klemens Muranka wurde am Sonntagmittag in Oberstdorf, der ersten Destination der Tournee, positiv auf das Coronavirus getestet. Weil die lokale Gesundheitsbehörde Oberallgäu die Teamkollegen von Muranka als «Kontaktgruppe 1» einstufte, musste der Veranstalter das gesamte polnische Team vom Springen in Oberstdorf ausschliessen - unter ihnen die Tournee-Mitfavoriten Kamil Stoch und Titelverteidiger Dawid Kubacki.

Eigentlich ist es nicht üblich, bei einem positiven Fall einen zweiten Corona-Test zu machen. Im Fall von Muranka entschied sich das Gesundheitsamt wegen der Tragweite des Test-Ergebnisses jedoch für einen zweiten Test. Die Behörde wollte auf Nummer sicher gehen. Wohl auch auf Druck von Polens Politiker. Der Regierungschef Mateusz Morawiecki persönlich, so meldete die Nachrichtenagentur dpa, habe die polnische Botschaft in Berlin erbeten, Schritte zu unternehmen, um einen Start des Teams in Oberstdorf zu erwirken. Auch das Generalkonsulat wurde eingeschaltet.

Noch am Montagmorgen testete die Gesundheitsbehörde Muranka erneut. Dieses Mal fiel das Resultat negativ aus. Weil die Qualifikation zum Auftaktspringen beim Bekanntwerden des negativen Ergebnisses bereits lief, konnte der Wettkampf nicht mehr gestoppt werden.

Nun musste ein dritter Test her, dessen erneut negatives Resultat am Dienstagmorgen feststand. Somit trat Plan B in Kraft, der bereits am Montagabend beim Team Captains Meeting - unter anderen mit dem Schweizer Trainer Martin Künzle – festgelegt wurde. Statt der K.o.-Duelle der besten 50 Springer im ersten Durchgang fand ein erster Umgang mit allen 62 Athleten statt. Neben den sieben Polen, die am frühen Dienstagnachmittag einen Extra-Probesprung erhielten, durften alle, auch die, die am Montag sportlich die Qualifikation verpasst hatten, starten.

Künzle stellte klar, dass sich auch die direkten Rivalen der Polen dafür aussprachen, das Team um Champion Kubacki in Oberstdorf zuzulassen: «Es wäre ja nicht fair, würden Athleten zu unrecht ausgeschlossen.» Gemäss Künzle entstand erneut eine Grundsatzdiskussion, wie Kollektivausschlüsse – dem Schweizer Team widerfuhr dies bei der Skiflug-WM in Planica - umgangen werden könnten. «Aber eine einfache Lösung gibt es nicht. Letztlich entscheiden ja nicht wir Sportler, sondern die jeweiligen lokalen Gesundheitsbehörden», meint Künzle.

Normalerweise kann sich ein Team oder ein Athlet nicht freitesten lassen. So etwas sehen die Konzepte nicht vor. Den Polen ist es nun gelungen – aus sportlicher Sicht zurecht. Gleichwohl: Die Tournee steckt an den weiteren Stationen in Garmisch-Partenkirchen, Innsbruck und Bischofshofen in einem Dilemma. Andere Teams könnten im Fall eines positiven Tests auch den polnischen Weg einfordern. Der Sport würde in den Hintergrund rücken.

Dass die Skispringer erneut zum Politikum werden, lässt sich nicht ausschliessen. Denn letztlich entscheidet immer eine Gesundheitsbehörde und nicht ein Sportverband. Die FIS durfte den Plan B mit den Polen auch nur umsetzen, weil das Gesundheitsamt nach den zwei negativen Tests von Muranka die Quarantäne für Kubacki, Stoch und Co. am Dienstagmorgen aufhob.

Sandro Pertile, der FIS-Renndirektor bei den Skispringern, sagte an einer Videokonferenz am Dienstagmorgen: «Jeder versucht, das Beste zu machen.» In seinem Schlusswort bedankte er sich bei den Behörden für die gute Zusammenarbeit.

Quelle: sda
veröffentlicht: 29. Dezember 2020 15:30
aktualisiert: 29. Dezember 2020 15:47