Ski alpin

Michelle Gisins souveräne Rückkehr in die Top 3

21. Dezember 2021, 17:52 Uhr
Mit Rang 3 im Riesenslalom von Courchevel zeigt Michelle Gisin, dass sie trotz stark beeinträchtigter Saisonvorbereitung wieder Anschluss an die Weltspitze gefunden hat.
Michelle Gisin kann unmittelbar nach der Zieldurchfahrt in Courchevel kaum glauben, dass ihr die Rückkehr aufs Podest gelungen ist
© KEYSTONE/AP/Marco Trovati

Die vergangene Saison war für Michelle Gisin die erfolgreichste der Karriere. Da war der erste Weltcupsieg, glanzvoll errungen Ende letzten Jahres im Slalom von Semmering. Mitte Januar folgten in Kranjska Gora die ersten Top-3-Platzierungen auch im Riesenslalom, Mitte Februar WM-Bronze in der Kombination. Dazu fuhr die Obwaldnerin generell in den technischen Disziplinen auf höchstem Niveau konstant.

Das führte dazu, dass Gisin zu einem fortgeschrittenen Zeitpunkt der Saison gar vom Gewinn der grossen Kristallkugel träumen durfte. Dazu sollte es der Kombinations-Olympiasiegerin von 2018 zwar wegen ihren anhaltenden Problemen im Speed-Bereich nicht reichen. Doch letztlich resultierte im Gesamtweltcup hinter der siegreichen Slowakin Petra Vlhova und Teamkollegin Lara Gut-Behrami der feine 3. Rang.

Zurück auf Feld eins

So verständlich wie klar deshalb, dass Gisin daraufhin für den folgenden Winter die höchstmöglichen Ziele ins Visier nahm. Alles andere wäre nicht sehr glaubhaft gewesen - umso mehr, als die 28-Jährige in früheren Saisons in Abfahrt wie Super-G schon bewiesen hatte, zu welchen Erfolgen sie fähig ist.

Doch statt im Sommer mit vollem Elan ins Schneetraining einzusteigen und die Basis für den langen Wettkampf-Winter zu legen, hiess es für Gisin zurück auf Feld eins. Anfang Juli erkrankte die Engelbergerin am Pfeifferschen Drüsenfieber. An das gewohnte Trainingsprogramm war nicht zu denken. Stattdessen gab es viele Tage, an denen die Athletin ob der fehlenden Energie einfach flach lag und keinen Schritt machte.

Freude über Rang 25 zum Saisonauftakt

Es dauerte lange, bis Gisin ob der tückischen Virus-Erkrankung wieder zu einem halbwegs normalen Training auf und neben den Ski zurückfand. Noch am 23. Oktober, dem Tag des Saisonauftakts in Sölden, war deshalb nicht ganz sicher, ob sie zum Rennen starten würde. Rang 25 im Riesenslalom war sicherlich nicht das Resultat, das sie sich erhofft hatte. Doch Gisin lachte und war ganz einfach «mega happy, bin ich schon wieder hier».

In der Folge ging es Schritt für Schritt weiter nach oben. Der 5. Platz im zweiten Slalom von Levi war bereits ein erstes Ausrufezeichen. Um den noch immer geschwächten Körper nicht zu überfordern, verzichtete Gisin danach in Absprache mit den Trainern auf den Speed-Auftakt in Kanada. Stattdessen legte sie in der Schweiz nochmals einen Trainingsblock ein. Jeweils ein 10. Rang in Super-G (St. Moritz) und Abfahrt (Val d'Isère) verliehen ihr die Gewissheit, dass es auch in den Speed-Disziplinen wieder gut kommen kann.

Zurück in der Normalität

Sie fühle sich langsam, aber sicher wieder zurück in der Normalität, so Gisin. Dass sie nun im ersten von zwei Riesenslaloms in Courchevel Dritte werden konnte, überraschte sie gleichwohl. Gar als «absurd» bezeichnete sie ihren 15. Weltcup-Podestplatz, den dritten in der Sparte Riesenslalom. Noch nach dem ersten Lauf, in welchem sie als einzige Fahrerin näher als eine Sekunde an Mikaela Shiffrin kam, sprach die 28-Jährige von der Wichtigkeit, «dass ich die Energie behalten kann.»

Im Finaldurchgang lief dann gewiss nicht alles ideal für Gisin. Doch das hatte nichts mit dem persönlichen Energie-Level zu tun, sondern vielmehr damit, dass sie für den schattigen Steilhang ein zu dunkles Visier wählte. Trotzdem reichte es ihr hinter der nun 72-fachen Weltcupsiegerin Shiffrin und der Schwedin Sara Hector souverän zur Rückkehr in die Top 3. Gisin hätte als letzte etwas dagegen, wenn dies zur dauerhaften Normalität werden würde.

Quelle: sda
veröffentlicht: 21. Dezember 2021 17:53
aktualisiert: 21. Dezember 2021 17:53
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