Musik

Alles Gute: mp3 wird 25!

14. Juli 2020, 06:16 Uhr
Das mp3-Format hat die Musikindustrie auf den Kopf gestellt.
© pixabay
Das in Deutschland entwickelte Datenformat MP3 hat nicht nur die Übertragung von Musikstücken im Internet erst möglich gemacht. Es hat die gesamte Musikindustrie auf den Kopf gestellt. Eine kryptische Dateiendung wurde zum Symbol eines weitreichenden Wandels.

«1000 Songs in Deiner Tasche.» Bei der Premiere des ersten iPods im Oktober 2001 brachte Apple-Chef Steve Jobs das revolutionäre Konzept des Musik-Dateiformats MP3 auf den Punkt. Das Verfahren MP3 zur Datenreduktion ermöglichte es, dass tatsächlich 1000 Musikstücke auf einer kleinen Festplatte Platz fanden. MP3 wurde aber nicht in Kalifornien erfunden - sondern in weiten Teilen im fränkischen Erlangen. Vor 25 Jahren - am 14. Juli 1995 - einigten sich Forscher am Fraunhofer Institut für Integrierte Schaltungen darauf, die Dateinamenserweiterung «.mp3» für den von ihnen maßgeblich entwickelten Datei-Standard zu nutzen.

Die Ursprünge des MP3-Projekts reichen bis in das Jahr 1982. Damals ging es darum, Musikdateien so klein zu machen, dass man sie in ordentlicher Qualität über eine digitale Telefonleitung (ISDN) übertragen kann. 

Start auf der grünen Wiese

Bald ging es aber nicht mehr nur darum, eine Musikübertragung via ISDN-Telefonie zu ermöglichen. Ein kleines Team in Erlangen nahm sich vor, die nächste Generation des Tons für Hörfunk und Fernsehen zu definieren. 

«Wir waren absolute Neueinsteiger, wir hatten noch nie in diesem Bereich ein Gerät gebaut», erinnert sich Bernhard Grill. «Wir hatten auch keine Erfahrung in Rundfunktechnik. Wir sind von Null gestartet - auf der grünen Wiese.»

Der MP3-Erfinder stellte dann aber fest, dass sein Algorithmus ausgerechnet bei einem seiner Lieblingssongs, «Tom's Diner» von Suzanne Vega, versagte und schrecklich klang. So machte er sich an die Arbeit, das Kompressionsverfahren unzählige Male zu optimieren, bis der A-Cappella-Song als MP3 natürlich rüberkam. «Ich habe auf diese Art und Weise diesen Song sicher Tausende Male gehört. Aber weil ich die Musik mag, ist die mir nie zum Hals heraus gehangen.»

Hack sorgte schliesslich für Durchbruch

Zu dieser MP3-Revolution hat auch ein krimineller Hack beigetragen. Die Erlanger Forscher hatten einen «Referenzencoder» ins Netz gestellt, der die Fertigkeiten von MP3 demonstrieren sollte. Er encodierte nur eine Minute Musik. Ein Student durchbrach jedoch die Spielzeitbeschränkung, stellte diese geknackte Version des Programms ins Netz - und löste damit die MP3-Welle aus, die in der Plattform Napster ihren ersten Höhepunkt erreichte.

Das Format mit der Dateiendung «.mp3» erschütterte die Musikindustrie in ihrem Fundament, denn auf einen Schlag war es möglich, weltweit Musik über das Internet zu tauschen, auch wenn die Datenleitungen im Vergleich zu heutigen Gigabit-Verbindungen viel langsamer waren. Erst mit dem Erfolg des iTunes Music Stores ab 2003 und legalen Streamingdiensten wie Spotify ab 2008 erholte sich die Musikbranche langsam wieder.

Sprache ist grössere Herausforderung als Musik

Mittlerweile lizenziert das Fraunhofer IIS die vierte Generation Audiocodecs «Made in Germany». «Wenn man heute ein Handy kauft, dann hat es neben MP3 vermutlich noch weitere Technologien von uns implementiert», sagt Institutsleiter Grill: Bei fast allen Streaming-Diensten werde die zweite und dritte Generation des AAC-Audiocodecs eingesetzt. «Neu in den Smartphones ist unsere vierte Generation.» Bei diesen Enhanced Voice Services (EVS) für eine bessere Klangqulität im Mobilfunk (4G und 5G) gehe es aber diesmal nicht um Musik, sondern um Sprache, was technisch gesehen die größere Herausforderung ist als Musik.

Quelle: PilatusToday
veröffentlicht: 14. Juli 2020 06:16
aktualisiert: 14. Juli 2020 06:16