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Valheim

5 Millionen Downloads: Schweden landen Mega-Spielehit

Christoph Thurnherr, 9. März 2021, 13:56 Uhr
Die Gaming-Welt steht seit einigen Wochen Kopf: Aus dem Untergrund stürmt ein Spiel Richtung Chartspitze, das vorher niemand auf dem Schirm hatte. Doch 5 Millionen Downloads sprechen eine klare Sprache. Und das, obwohl dieses Game eigentlich nichts Neues bietet.
Ein Valheim-Wikinger und hinten der Weltenbaum aus der nordischen Mythologie.
© iron gate studios

Stolz schreite ich aus meiner überdimensionalen Wikingerhütte, vorüber am Schweinestall und den angepflanzten Rüebli. Ich schaue kurz nach, ob im Destillierkeller alles in Ordnung ist und bereite mich seelisch darauf vor, meine Festung in Kürze verlassen zu müssen.

Der Sumpf ruft, eine gefährliche Gegend in den Ländereien Valheims. Und der Weg ist weit, denn die Welt ist riesig. Und auf dem Weg könnten mich so viele Dinge ablenken (oder töten), dass ich gar nicht weiss, ob ich in der heutigen Game-Session ankomme.

Aber ich und fünf Millionen andere Wikinger haben erkannt, dass hier der Weg das Ziel ist.

Valheim, der schwedische Überflieger

Das Rezept für das Spiel ist schnell erklärt. Man kann selbst einen Charakter erstellen und eine Welt starten. Diese wird am Anfang zufällig generiert – und dort können andere Spieler auf Einladung beitreten.

Am Anfang ist man technisch gesehen bereits tot. Als Wikinger muss man sich den Platz in Walhalla aber verdienen und deswegen betreut einen der Obermacker Odin mit der Mission, seine alten Rivalen in der Welt Valheim auszuschalten.

Danach kann man machen, was man will: Holz sammeln und Hütten bauen, Hirsche jagen und aus dem Fell eine Lederrüstung basteln, langsam von einem Bronze- auf einen Eisenstreitkolben hocharbeiten. Man muss sich hier alles verdienen und in der Welt überleben, von Zeit zu Zeit wird man einen der Bosse herausfordern.

Diese Mechaniken sind alles andere als neu. Survival-Spiele und Wikinger-Settings gibt es viele und bei Valheim sieht die Grafik in etwa so aus wie irgendwo zwischen Playstation 1 und 2. Trotzdem wurde das Spiel innerhalb eines Monats 5 Millionen Mal heruntergeladen – obwohl es sich noch in der Entwicklungsphase befindet.

Fünf Entwickler aus Schweden

Auf der Spiele-Verkaufsplattform Steam befindet sich das Spiel in der Top 5 mit den meisten aktiven Nutzern. Umgeben von illustren Namen wie Counter Strike, Playerunknown's Battlegrounds oder DOTA. Bei der Entwicklung dieser Spiele sind hunderte von Personen beteiligt.

Bei Valheim sind es bislang fünf. Und das ist völlig verrückt. Angefangen hat Richard Svensson sogar alleine. Es ist allerdings klar, dass die fünf Schweden nicht in einem solch kleinen Team weitermachen können. Sie suchen derzeit nach Personal, um ihr Iron Gate Studio zu verstärken.

Warum ist das Spiel so erfolgreich?

Das können sich die Schweden aber auch leisten. Locker. Das Spiel kostet im Early Access auf Steam 19,50 Franken, bei fünf Millionen Downloads sind das 97,5 Millionen Franken Einnahmen. Zur Erinnerung: Das Spiel gibt es bei Steam erst seit Anfang Februar und es ist bei weitem noch nicht fertig. Es soll ein ganzes Jahr im Early Access bleiben, bevor es «richtig» veröffentlicht wird.

Im Moment testen also fünf Millionen Hobbywikinger ein Spiel. Aber wieso? Was macht es so gut, obwohl nichts davon neu, die Grafik mau und das Spiel aus technischer Sicht böse gesagt auf dem Niveau eines Korkenziehers ist?

Vorweg: Man kann nur mutmassen. Das tun auch viele Gaming-Portale. Die Rede ist in etwa davon, dass Valheim einem im Gegensatz zu anderen Survival-Spielen kein Spieltempo aufzwingt, sondern die Wikinger einfach machen lässt.

Ein anderer Grund könnte die Corona-Pandemie sein. Denn es ist doch erstaunlich, dass sich Jung und Alt abends in einer Wikingerwelt treffen, zusammen Holz hacken, Steine klopfen, Hütten bauen, Met brauen oder Saatgut ausbringen – also hart arbeiten – und das mit einer Hartnäckigkeit, die einen im echten Leben weit bringen würde.

Doch die Welt von Valheim bietet den Spielern einfach das, was die echte Welt einem im Lockdown untersagt: Die absolute Freiheit, ein Gefühl, gemeinsam etwas zu erleben und aufzubauen. Corona gibt's da nicht. Dafür Trolle, Seeschlangen und vieles mehr.

Quelle: FM1Today
veröffentlicht: 8. März 2021 19:14
aktualisiert: 9. März 2021 13:56