Animal Crossing

So hat Nintendo vom Lockdown profitiert!

Muhammed Keskin, 14. Juli 2020, 19:23 Uhr
Werbung

Quelle: Nintendo / Marina Bühlmann

Pack deine Koffer und lass den Stress zurück. Kopfkino an, Sorgen aus und ab in die Wohlfühloase. «Animal Crossing: New Horizons» ist die virtuelle Flucht vor Corona. Was für Fans die ultimative Lebenssimulation ist, simuliert bei Newcomern ein Gähnen. Ein Streitgespräch.

Nintendo hätte keinen besseren Zeitpunkt wählen können. Sieben Jahre mussten Animal-Crossing-Fans auf eine Fortsetzung der Echtzeitsimulation warten – gleichzeitig feiert das Game sein Heimkonsolen-Debüt.

Corona-Lockdown sei Dank

Am 20. März erschien das Game auf der Nintendo Switch. Mit dem medialen Hype und dem Lockdown suchten viele Gamer Zuflucht im virtuellen Paradies. Das echte Leben spielte sich coronabedingt auf dem Bildschirm ab.

Fernab von Abstandsregeln, Maskenpflicht und Viruspanik – «Animal Crossing: New Horizons» ist die Hängematte in Bali. Ein Spiel für alle, die den Sand unter den Füssen vermissen. Diese Gefühle erweckt Animal Crossing zumindest bei eingefleischten Fans, wie bei unserer Redaktorin Marina Bühlmann. Für Laien wie mich fehlt noch Fleisch am Knochen.

Pro und Contra

MarinaAnimal Crossing ist süss, entspannt und frei. Man muss sich nicht durch Horden von Gegnern schnetzeln mit patriotischem Gelaber auf dem Ohr. Nein, man darf machen, was man will, wann man es will. Fischen, Käfer fangen, Fossilien ausgraben, das Haus umdekorieren, mit den niedlichen Nachbarn quatschen und seit dem Sommer-Update auch tauchen. Man wird von niemandem gestresst, es gibt kein Zeitlimit und keine frustrierenden Tode. Animal Crossing ist das, was ich als Wohlfühl-Spiel bezeichnen würde.

Muhammed: Die Dosis macht es aus: Man möchte beim Gamen nicht zum buddhistischen Mönch in Therapie mutieren. Die knuddelige Animation und charmante Musik weggedacht, bleibt ein fast schon sklavisches Gameplay zurück. Was man auf der Insel treibt, gleicht einer Sisyphusarbeit. Wenn ein Spiel unendliche Freiheiten bietet und keine Ziele diktiert, wird die Kreativität bald geknechtet von der Langeweile. 

Marina: «Animal Crossing – New Horizon» schafft das, woran ich mich nur aus meiner Kindheit erinnere. Es lässt mich die Zeit vergessen und ich freue mich am Morgen schon darauf, wenn ich am Abend auf meiner Insel vorbei schauen kann, um zu sehen, was sich heute verändert hat. Konnte ich die blaue Rose endlich züchten? Wie sieht das neue Museums-Update aus? Das Spiel versteht es, mir immer wieder kleine neue Häppchen zu servieren, sodass die Langeweile gar nicht erst aufkommt.

Muhammed: Nostalgie will bei mir nicht andocken. Vielleicht fehlt mir einfach die emotionale Bindung zu den Bewohnern, die leblos auf meiner Insel faulenzen. Das steht und fällt mit den Dialogen. Die Bewohner murmeln täglich dasselbe vor sich hin und beten dich förmlich an. Wo sind die Bewohner, die mich hassen und verarschen möchten? Ich brauche keine Motivationscoaches. Ich will, dass die Bewohner mich ausrauben, meine Insel verwüsten und meine Träume zerschmettern. Bis ich sie erziehe und mit meiner Insel verzaubere. Ist das zu viel verlangt?

MarinaEs gibt rund 400 verschiedene Bewohner, die zufällig auf die Insel kommen. Es gibt Adler, Bären, Frösche, Hamster – einer süsser als der andere. Wenn man ihnen dann Kleider schenkt, die ihnen gefallen, ziehen die knuffigen Tierchen nichts anderes mehr an. Ich gebe zu, die ersten Gespräche sind etwas holprig und es gibt auch sehr langweilige Charaktere. Aber ich schmelze dahin, wenn die Wölfin Sky auf dem Rathausplatz steht und singt. (kmu/mab)

Quelle: PilatusToday
veröffentlicht: 14. Juli 2020 18:13
aktualisiert: 14. Juli 2020 19:23