Tipps aus dem All

Immer im «Lockdown»: Was wir von Astronauten lernen können

David Migliazza, 23. Januar 2021, 14:01 Uhr
Monate auf engstem Raum, mit denselben Menschen. Für viele ein Albtraum, für Astronauten «All»-Tag.
© Keystone/AP Photo/NASA
Gewissermassen befindet sich die Besatzung der Internationalen Raumstation ISS auch im Lockdown und das permanent. Wie auf der Erde, kann das auch im All aufs Gemüt schlagen.

Damit sie ihrer Forschungsarbeit nachgehen können, bedarf es gewisser Regeln, damit es bei den Astronauten nicht zu Hüttenkoller kommt. Diese eignen sich glücklicherweise auch für das Zusammenleben während des Lockdowns.

Fester Zeitplan für jeden Tag

Auf der ISS gibt es kein Ausschlafen. Jeder Tag ist durchgeplant. Vom Aufstehen, übers Essen, bis zu den Arbeitszeiten. Das hat auch seinen guten Grund. Menschen haben sich nach Millionen von Jahren der Evolution an einen 24-Stunden Rhythmus angepasst, den sogenannten circadianen Rhythmus. Im All gibt es aber nicht dieselben Anhaltspunkte wie auf der Erde (Sonnenaufgang und Sonnenuntergang), darum ist es wichtig für die Astronauten weiterhin einen 24-Stunden Tag einzuhalten, sonst kämen sie schnell in einen dauerhaften Jetlag-Zustand.

Den Tag zu planen hilft produktiver zu sein und einen guten Rhythmus beizubehalten.

© imago images / Panthermedia

Für uns auf der Erde heisst das: Wenn wir im Homeoffice arbeiten oder wegen Kurzarbeit nichts zu tun haben, sollte man sich nicht gehen lassen, sondern weiterhin einen geregelten Tagesablauf beibehalten.

Kontakt zu Freunden und Familie

Christina Koch verbrachte 2019 und 2020 über 300 Tage am Stück im Weltall und ist damit die Frau mit dem längsten Raumflug. So lange von Freunden und Familien getrennt zu sein, kann schmerzen. Wer schon für längere Zeit in Quarantäne musste, wird dies bestätigen können. Zum Glück erlaubt es uns die Technik, auf der Erde wie auch im All, per Videobotschaft zu kommunizieren. Es ersetzt zwar den Kontakt nicht, macht es aber einfacher, auf die nächste Begegnung zu warten.

NASA-Astronautin Christina Koch nach ihrer Landung am 6. Februar 2020.

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Rückzugsort

Wie das Fehlen von Kontakten, kann auch das lange Aufeinandersitzen zum Problem werden. Darum gibt es auch auf der ISS Rückzugsorte für die Besatzung, falls jemand mal etwas Privatsphäre braucht. Auch hier kann man sich ein Vorbild an den Astronauten nehmen und wenn es einem zu viel wird, einfach ins Zimmer, aufs Klo, oder wohin auch immer zurückziehen.

Probleme vermeiden oder ansprechen

Damit es keine Reibungen auf der Internationalen Raumstation gibt, braucht es Verhaltensregeln, die eher an einen Kindergarten als an ein Forschungslabor im Weltall erinnern. Der Isolationsforscher Jack Stuster, der seit Jahrzehnten die NASA berät, hat gegenüber «Heraeus» verraten, was für ein Zusammenleben auf engsten Raum wichtig ist.

Mit den wenigen Leuten, mit denen man jetzt noch Kontakt hat, will man ja gut auskommen und Streitigkeiten so gut es geht vermeiden.

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Dazu gehört zum Beispiel, dass kontroverse Themen vermieden werden, man immer hinter sich aufräumt und sich nicht abwertend über andere äussert, auch nicht auf eine humorvolle Art. Sich über andere Lustig zu machen, sei Gift für eine Gruppe. Allgemein sei es wichtig, die Folgen seines Handelns und seiner Taten gut zu überdenken. Diese Richtlinien zur Konfliktvermeidung funktionieren nicht nur im Orbit, sondern könnten uns auch auf der Erde den ein oder anderen Streit ersparen.

Quelle: PilatusToday
veröffentlicht: 23. Januar 2021 13:59
aktualisiert: 23. Januar 2021 14:01