Gotthard-Sänger

«Hätte auch das Telefonbuch singen können» – Steve Lee wäre 60 Jahre alt

05.08.2023, 16:09 Uhr
· Online seit 05.08.2023, 13:08 Uhr
Steve Lee war ein grossartiger Sänger. Seine Rock-Stimme war eine der besten weltweit. Trotzdem blieb er stets der sympathische, geerdete, nette Typ von nebenan. Sein viel zu früher Tod machte ihn zur Legende. Im Dezember wird er aber noch einmal Teil der Band Gotthard.
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Der Schock war riesig, als am 5. Oktober 2010 die Todesnachricht von Steve Lee die Schweiz erreichte. Der Sänger der Band «Gotthard» war in den USA bei einem Motorradunfall ums Leben gekommen. Er wurde nur 47 Jahre alt. Mit ihm verlor die Schweizer Musikszene eine äusserst sympathische Persönlichkeit und die Welt eine der besten Rockstimmen überhaupt.

Lehre als Goldschmied

Steve Lee kam am 5. August 1963 in Horgen als Stefan Alois Lee zur Welt. Sein Vater war Engländer, seine Mutter Schweizerin. Die Familie zog später ins Tessin, wo Steve den Beruf des Goldschmieds erlernte. Mit 12 Jahren kaufte er sich sein erstes Schlagzeug und spielte schon bald in Bands in der Region mit. 1990 gründete er zusammen mit ein paar Kollegen die Band «Krak». Leo Leoni, der Gitarrist der Band, erkannte schon früh, was sie für ein Juwel am Schlagzeug sitzen hatten: «Steve saß an den Drums, sang den Deep Purple-Klassiker ‹Child in Time› und mir war klar: Das ist eine Stimme, die die Welt erobern kann.»

Zurückhaltend und ruhig

Die Band lud den Solothurner Musiker Chris von Rohr ins Tessin ein, weil sie einen Produzenten suchte. Bei den Proben im Bandkeller lernte von Rohr Lee kennen. «Steve habe ich als zurückhaltenden und ruhigen Genossen erlebt, der erst aufgetaut ist, wenn er singen konnte», sagt von Rohr. Die Band habe damals noch eher schwache Eigenkompositionen gehabt. Steve habe deshalb vor allem bei den Coverversionen von Songs von Deep Purple oder Whitesnake brilliert. Auch Chris von Rohr erkannte das enorme Potential des Sängers und entschied sich nicht zuletzt deshalb, «Krak» als Coach und Produzent zu unterstützen. Bald darauf gab sich die Band einen neuen Namen: «Gotthard».

«Kein Party feiernder Rock'n'Roller»

«Wir mussten Steve richtig vom Schlagzeug wegzerren», erinnert sich Chris von Rohr. Steve sei ein sehr guter Schlagzeuger gewesen, aber mit dieser Stimme musste er einfach an die Front und ans Mikrofon. Diese Arbeit als Frontmann nahm Lee sehr ernst. Er sei ein äusserst gewissenhafter Musiker gewesen. Bei Besprechungen sei er immer mit Block und Stift erschienen und habe sich fleissig Notizen gemacht. «Er war das Gegenteil eines Party feiernden Rock'n'Rollers. Er war eher auf der konservativen Seite», sagt Chris von Rohr.

«Auch gesungenes Telefonbuch wäre Weltklasse gewesen»

«Ich habe sonst nie mit einem Sänger mit so einem wahnsinnigen Potential in allen Tonlagen zusammengearbeitet. Das war das reinste Vergnügen», sagt der Solothurner Produzent weiter. Steve Lee sei ein absoluter Ausnahme-Sänger gewesen und das weltweit. «Wenn wir am Komponieren waren, hätte Steve auch das Telefonbuch singen können. Das hätte immer noch nach Weltklasse getönt», erinnert sich von Rohr. Auch über die Mentalität des Gotthard Frontmanns kann er nur Gutes sagen. Steve hätte keine Star-Allüren oder so etwas gehabt.

Jon Lord, der legendäre Deep Purple Musiker sagte einmal über Steve Lee: «Er war ein wundervoller Mann und wird für mich immer ein Held sein. Er war ein fantastischer Sänger und es ist wirklich unendlich traurig, dass etwas beinahe Banales ihn uns genommen hat.» Die beiden haben 2009 zusammen mit einem grossen klassischen Orchester den Deep Purple Klassiker «Child In Time» live auf die Bühne gebracht.

Steve Lee selber sah sich immer als «Rocker mit Anstand». Er stand nie wegen negativen Ereignissen oder Skandalen in den Schlagzeilen – im Gegenteil. Er war geschätzt als Interviewpartner und Talk-Gast und er setzte sich immer wieder für karitative Anliegen ein. Er sprach fliessend Deutsch, Englisch, Italienisch und Französisch.

Im Dezember noch einmal mit Gotthard auf der Bühne

Am 5. August 2023 hätte Steve Lee seinen 60. Geburtstag feiern können. Aus Anlass dieses runden Jubiläums kommt es am 2. Dezember im Hallenstadion in Zürich zu einer speziellen Show. Dabei wird Steve Lee noch einmal Teil seiner Band Gotthard werden. Auf riesigen LED-Wänden werden Aufnahmen von Steve Lee von einem Konzert aus dem Jahre 2005 eingespielt, seine Band wird live dazu spielen. Es dürften wohl auf und vor der Bühne ein paar Tränen fliessen an diesem Abend.

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veröffentlicht: 5. August 2023 13:08
aktualisiert: 5. August 2023 16:09
Quelle: 32Today

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