Musikfälschungen

Was haben Vivaldi, Mozart und Jay-Z gemeinsam?

7. Juli 2022, 20:15 Uhr
Spotify hat Songs gelöscht, die als Werke von Michael Jackson ausgegeben waren, wohl aber gar nicht vom «King of Pop» gesungen wurden. Es ist nicht das erste Mal, dass Fälschungen und Plagiate im Musikbusiness auftauchen. Die Geschichte der Fake-Songs ist so alt wie die Musikindustrie selbst.
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Diverse Streaming-Plattformen haben drei Lieder des 2009 verstorbenen Popstars Michael Jackson entfernt. Sie stammen vom Album «Michael», das nach dem Tod des «King of Pop» 2009 veröffentlicht worden war.

Das Album soll eigentlich bis dahin unveröffentlichte Songs Jacksons enthalten. Einige Fans – und auch Verwandte Jacksons – haben aber Zweifel daran geäussert, dass alle Stücke von der Musik-Ikone selbst gesungen wurden.

Sie gehen vielmehr davon aus, dass mehrere Lieder von einem Sänger namens Jason Malachi gesungen wurden. Das verantwortliche Musiklabel Sony hat das entschieden zurückgewiesen.

Ein Stargeiger als Vivaldi-Fälscher

Dass Gemälde gefälscht werden, ist hinlänglich bekannt. Zuletzt hatte etwa der am Vierwaldstättersee lebende Kunstfälscher Wolfgang Beltracchi viel Aufmerksamkeit auf sich gezogen. Von gefälschten Musikstücken hört man dagegen eher selten.

Das heisst aber nicht, dass es keine Musikfälscher gibt. Berühmt wurde etwa der Fall des österreichisch-amerikanischen Stargeigers Fritz Kreisler. Der schrieb seine selber erstellten Werke bekannten und eher unbekannten Komponisten wie Wilhelm Friedemann Bach oder Antonio Vivaldi zu. Kreisler flog damit 1957 auf, im Alter von 82 Jahren.

Oder die Brüder Henri und Marius Casadesus: Sie gaben laut dem Musikjournalisten Volker Hagedorn im frühen 20. Jahrhundert eigene Kompositionen als Schöpfungen von Wolfgang Amadeus Mozart oder Johann Christian Bach aus. So narrten die beiden zahlreiche Klassik-Liebhaberinnen und Liebhaber.

iTunes entlarvt Plagiate

Etwas jünger ist der Fall von Joyce Hatto. Die britische Pianistin verstarb im Jahr 2006. Nach ihrem Tod kamen CDs mit angeblich von ihr eingespielten Stücken auf den Markt. Sie sollten unter anderem von Franz Liszt stammen. Tatsächlich waren die Lieder aber Werke des ungarischen Pianisten László Simon. Hattos Ehemann hatte sie mutmasslich unter falschen Angaben veröffentlicht.

Bekannt wurde der Hatto-Schwindel dank der Online-Musikdatenbank von iTunes. Als ein Nutzer eine ihrer CDs mit dem Programm konvertieren wollte, identifizierte die Software die Platte zwar richtigerweise als eine Komposition von Liszt, markierte die CD aber auch als Werk des Künstlers Simon, was Verdacht weckte. iTunes half auch beim Aufspüren anderer Musik-Plagiate, berichtet «ZDNet».

KI fälscht Jay-Z

Digitale Technik hilft aber nicht nur beim Entlarven, sondern auch beim Herstellen von Fälschungen. Das passierte etwa dem Rapper Jay-Z. Er wehrte sich im Jahr 2020 gegen YouTube-Videos, in denen laut dem Magazin «Stern» scheinbar seine Stimme zu hören war.

Tatsächlich war es gar nicht Jay-Zs echte Stimme. Es handelte sich um ein Fake, das mit der Hilfe von künstlicher Intelligenz hergestellt worden war. Die Technologie ist dabei dieselbe wie bei den Deepfakes-Videos.

Die künstliche Intelligenz wird mit Unmengen von Rohmaterial von Musikerinnen und Musikern trainiert und lernt so deren typische Betonung, den Sprach- oder Gesangsrhythmus und die Tonlage bis ins kleinste Detail kennen. So kann sie dann auf Knopfdruck neue Inhalte wie Songs, aber auch Gedichte oder Reden generieren.

(osc/sda)

Quelle: Today-Zentralredaktion
veröffentlicht: 7. Juli 2022 14:52
aktualisiert: 7. Juli 2022 20:15