Das nächste Türchen

Woher kommt eigentlich die Tradition der Adventskalender?

Lothar Josef Lechner Bazzanella, 6. Dezember 2022, 11:00 Uhr
Tag für Tag dürfen Kinder derzeit ein Türchen öffnen und sich so die Zeit bis Weihnachten wortwörtlich versüssen. Doch woher kommt der Brauch der Adventskalender überhaupt?
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Der Adventskalender gehört seit dem 19. Jahrhundert zum christlichen Brauchtum in der Zeit vor Weihnachten. Er dient seit jeher dazu, die Wartezeit bis zum Weihnachtsfest zu «verkürzen» und die Vorfreude zu steigern.

24 Kreidestriche an der Wand

Zunächst soll der Adventskalender vor allem Zählhilfe und Zeitmesser gewesen sein. So lassen sich die Ursprünge der heutigen Kalender bis ins frühe 19. Jahrhundert zurückverfolgen. Die ersten Formen kamen dabei aus dem protestantischen Umfeld und waren etwa 24 verschiedene kleine Bilder an der Wand. Noch einfacher waren Varianten mit 24 an die Wand oder an die Tür gemalten Kreidestrichen, bei der Kinder täglich einen Strich wegwischen durften.

Doch auch andere Formen von frühen Adventskalendern sind überliefert. So sollen zum Beispiel in vielen katholischen Haushalten Strohhalme in die Krippe gelegt worden sein. Einer für jeden Tag bis zum Heiligen Abend. Oder eine Adventskerze, die jeden Tag bis zur nächsten Markierung abgebrannt wurde.

Berühmtes Beispiel in den «Buddenbrooks»

Ein besonders frühes und berühmtes Beispiel eines Adventskalenders gibt es in dem Jahrhundertwerk «Buddenbrooks» von Thomas Mann. Hier schreibt er über den Advent im Jahr 1869 und erwähnt einen Abreisskalender. «Unter solchen Umständen kam diesmal das Weihnachtsfest heran, und der kleine Johann verfolgte mit Hilfe des Adventskalenders, den Ida ihm angefertigt und auf dessen letztem Blatte ein Tannenbaum gezeichnet war, pochenden Herzens das Nahen der unvergleichlichen Zeit.»

1902 veröffentlichte eine Buchhandlung in Hamburg den ersten gedruckten Kalender in Form einer Weihnachtsuhr für Kinder. Ab 1922 erschienen dann sogenannte Weihnachts- bzw. Adventsuhren mit 24 Feldern, die im gesamten deutschsprachigen Raum immer beliebter wurden.

Süssigkeiten und Geschenke

Nach 1920 verbreiteten sich schliesslich Kalender, deren Fensterchen man öffnen konnte. Profane Motive verdrängten mehr und mehr die religiösen. Mit der Zeit wichen die Bilder ersten Gebäckstücken oder Süssigkeiten, die hinter den Fensterchen versteckt wurden. Ein Brauch, der sich bis heute hält und neben süssen Verführungen weiterhin Bildchen, kleine Geschenke und andere Überraschungen beinhaltet, welche die Vorfreude auf Weihnachten Tag für Tag steigern.

Quelle: Today-Zentralredaktion
veröffentlicht: 6. Dezember 2022 11:37
aktualisiert: 6. Dezember 2022 11:37