Umdenken gefragt

Hitze, schönes Wetter und wenig Schnee: Der Titlis-Gletscher leidet

20. Juli 2022, 08:54 Uhr
Die Schweiz schwitzt. Aber nicht nur Mensch und Tier haben Mühe mit der Hitze, sondern auch die Natur. Zum Beispiel der Titlis-Gletschter. Auch wenn 10 Grad eigentlich kühl klingen, ist es für das ewige Eis ob Engelberg zu viel.
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Man sieht immer mehr Fels statt Schnee und Eis. Auf rund 3200 Metern über Meer sind die Auswirkungen des Klimawandels und speziell des warmen Wetters in diesem Jahr nicht zu übersehen. Auf dem Titlis versucht man zu retten, was noch zu retten ist, erklärt Gian Darms, Leiter Pisten- und Rettungsdienst der Titlis Bergbahnen.

«In den letzten 2,5 Monaten konnten durch die Abdeckung der Schneemassen mit Fliess rund zwei Meter konserviert werden. Oder umgekehrt ausgedrückt: Wir haben zwei Meter Schnee verloren in dieser Zeit. Und dies eben wegen den milden Temperaturen.»

Die Besucherinnen und Besucher geniessen aktuell zwar das strahlend schöne Wetter auf dem Titlis. Wenn man sehe, wie der Gletscher zurückgeht, sei das traurig, so Gian Darms. «Wir haben seit dem Frühling durchgehend sehr milde Temperaturen. Und diese Kombination von oft schön, mild und wenig Schnee im Winter belastet den Gletscher.»

Der Schnee müsste eigentlich die Sonneneinstrahlung reflektieren und so den Gletscher schützen. Wenn es jedoch keinen Schnee mehr hat, funktioniert dieser Mechanismus nicht und der Gletscher schmilzt.

Ökologisch und ökonomische Auswirkungen

Der Zustand des Gletschers und der Schneemangel beeinflussen auch den Start der Skisaison auf dem Titlis, erklärt Urs Egli, Leiter Marketing der Titlis Bergbahnen. «Beim Start Anfang Oktober sind wir auf Naturschnee angewiesen. Das ist nicht per se neu. Neu ist jedoch, dass es den Gletscher betrifft. Aber wir nehmen diese Herausforderung an.»

Wenn nämlich die Skisaison starten soll, ist aktuell noch nicht klar. Was jedoch bereits klar ist: Die Saison wird im nächsten Frühling früher zu Ende sein. Dann könne man nämlich früher damit anfangen, den Gletscher abzudecken und ihn so zu schützen. Dass es dem Gletscher aber tatsächlich wieder besser gehen würde, dafür müsste in Sachen Klimaschutz einiges passieren.

Doch selbst dann würde es einige Zeit dauern, bis es dem Gletscher besser gehen würde, sagt Darms. «Die Reaktion, die wir jetzt vom Gletscher sehen, ist eine Auswirkung des Klimas der letzten Jahre und Jahrzehnte. Selbst wenn Netto-Null relativ schnell kommen würde, würde es dauern, bis der Gletscher davon profitiert und sich erholt.»

Auf dem Titlis planen die Verantwortlichen deshalb schon länger für eine Zeit nach dem Gletscher. Zum Beispiel mit dem Projekt Titlis 3020. Dieses soll die Besucherinnen und Besucher wegen der Architektur und nicht mehr wegen des ewigen Eises auf den Berg locken.

(red.)

Quelle: PilatusToday
veröffentlicht: 20. Juli 2022 05:42
aktualisiert: 20. Juli 2022 08:54
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