Bandenkriege

Blutige Gefängniskämpfe in Ecuador fordern erneut Tote

10. Mai 2022, 07:54 Uhr
Bei gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen verfeindeten Banden in einem Gefängnis in Ecuador sind 44 Menschen gestorben. Die meisten Opfer sind mit Hieb- und Stichwaffen getötet worden. Ecuador hat schon länger mit Gewalt in Haftanstalten zu kämpfen.

«Was am heutigen Morgen in dem Gefängnis von Santo Domingo geschah, ist eine Grausamkeit», sagte der ecuadorianische Innenminister Patricio Carrillo. Das Gefängnis Bella Vista in der Stadt Santo Domingo sei mittlerweile wieder unter Kontrolle der Sicherheitskräfte, beschwichtigte hingegen Polizeichef Fausto Salinas. Rund 350 Einsatzkräfte durchsuchten über Stunden die Haftanstalt. Die Beamten hätten Schusswaffen, Munition und Granaten sichergestellt.

Rund 220 Häftlinge flohen während der Krawalle aus der Haftanstalt. Nach Angaben der Behörden wurden 112 Insassen mittlerweile wieder festgenommen, nach den übrigen wird weiter gefahndet.

Gefängnisverlegung löst Konflikt aus

Vor den Toren des Gefängnisses im Nordwesten des Landes versammelten sich zahlreiche Angehörige von Insassen und verlangten Informationen über das Schicksal ihrer Verwandten. «Mein Beileid gilt den Familien und Angehörigen jener, die bei den Unruhen im Gefängnis von Santo Domingo ums Leben gekommen sind», schrieb Präsident Guillermo Lasso auf Twitter. «Das ist das bedauerliche Ergebnis der Gewalt zwischen Banden.»

Ein Verwundeter wird aus dem Gefängnis Bella Vista abtransportiert.

© Keystone-SDA

Hintergrund der blutigen Kämpfe waren Medienberichten zufolge Auseinandersetzungen zwischen Mitgliedern der Gang Los Lobos und deren Splittergruppe R7. Demnach war ein Mitglied von R7 aus einem anderen Gefängnis in die Haftanstalt von Santo Domingo verlegt worden. Das soll die Krawalle ausgelöst haben. Am Montag wurden erneut sechs Bandenchefs in andere Gefängnisse gebracht, wie das Innenministerium mitteilte.

Insassen werden sich selbst überlassen

In Ecuador kommt es immer wieder zu Gefangenen-Meutereien und Kämpfen zwischen verfeindeten Banden. Im vergangenen Jahr kamen dabei über 200 Menschen ums Leben. Daraufhin übernahmen Bundespolizei und Streitkräfte die Kontrolle über die Haftanstalten des südamerikanischen Landes. «Wir werden vor den Mafias nicht kapitulieren», schrieb Staatschef Lasso auf Twitter. «Wir sind fest entschlossen, die Ordnung in den Gefängnissen wieder herzustellen.»

Wie fast überall in Lateinamerika sind die Gefängnisse in Ecuador überfüllt. Viele Haftanstalten werden von Verbrechersyndikaten kontrolliert. Oftmals sorgen die Sicherheitskräfte lediglich dafür, dass die Gefangenen in den Haftanstalten bleiben. Innerhalb der Mauern bleiben sich die Häftlinge weitgehend selbst überlassen. Zahlreiche inhaftierte Gang-Bosse steuern die Geschäfte ihrer kriminellen Organisationen aus dem Gefängnis heraus.

(mhe/sda)

Quelle: sda
veröffentlicht: 10. Mai 2022 07:48
aktualisiert: 10. Mai 2022 07:54
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