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Schweizer Nationalpark

Die Rückkehr des Bartgeiers begann vor 30 Jahren im Nationalpark

2. Juni 2021, 17:05 Uhr
Ein Bartgeier wird im Schweizerischen Nationalpark in der Nähe des Ofenpasses in die freie Wildbahn entlassen. (Archivbild)
© KEYSTONE/NICOLA PITARO
Fast auf den Tag genau vor 30 Jahren wurden die ersten Bartgeier im Schweizerischen Nationalpark im Engadin ausgewildert. Damit begann die erfolgreiche Wiederansiedlung des ausgerotteten Greifvogels in den Schweizer Alpen.

Settschient, Moische und Margunet hiessen die ersten Bartgeier, die am 5. Juni 1991 in der Val da Stabelchod im Schweizerischen Nationalpark freigelassen wurden, wie der Park am Mittwoch mitteilte. Sie waren in Aufzuchtstationen in Wien und Berlin geschlüpft und als Junggeier bereit für die Auswilderung.

Damit endete eine lange Zeit, in der Bartgeier aus dem Schweizer Alpenraum verschwunden waren. Der letzte dokumentierte Abschuss eines Bartgeiers im Jahr 1913 markierte die Ausrottung gar der gesamten Alpenpopulation.

Zu Beginn der Wiederansiedlung war ungewiss, ob das Vorhaben tatsächlich gelingen würde. Doch dank eines aufwändigen internationalen Zucht- und Wiederansiedlungsprojekts fand der grosse Aasfresser den Weg zurück in seine ursprüngliche Heimat.

Bis 2007 wurden im Nationalpark insgesamt 26 Bartgeier in die Freiheit entlassen. Und im gleichen Jahr brütete dort das erste Bartgeierpaar erfolgreich. Mittlerweile sind es drei weitere Paare, die in verschiedenen Tälern des Parks regelmässig ihre Jungen aufziehen.

Bartgeier-Hotspot im Grenzgebiet

Parallel zu den Anstrengungen in der Schweiz erfolgten auch Auswilderungen in Italien, im benachbarten Nationalpark Stilfserjoch. Damit hat sich das bündnerisch-italienische Grenzgebiet zu einem eigentlichen Bartgeier-Hotspot entwickelt: Bis heute haben in dieser Region 23 Paare insgesamt 129 Küken aufgezogen, was 42 Prozent der alpenweit geschlüpften Jungtiere entspricht.

Heute leben in den Alpen rund 300 Bartgeier und mittlerweile stammen die meisten Jungtiere aus Wildbruten. Ein Wermutstropfen ist aber die noch sehr tiefe genetische Vielfalt. Deshalb wildert die Stiftung Pro Bartgeier weiterhin Jungtiere aus. Seit 2015 finden diese Aktionen im Wildtierschutzgebiet Huetstock bei Melchsee-Frutt im Kanton Obwalden statt.

Wer Bartgeier in der freien Wildbahn der Bündner Berge erleben will, hat im Schweizerischen Nationalpark gute Chancen, an einem schönen Tag einen der riesigen Greifvögel beobachten zu können. Die imposanten Tiere sind im Flug schwerlich zu übersehen: Mit einer Flügelspannweite von bis zu 2,9 Metern zählt der Bartgeier zu den grössten flugfähigen Vögeln der Welt.

Quelle: sda
veröffentlicht: 2. Juni 2021 17:05
aktualisiert: 2. Juni 2021 17:05