Soziale Medien

Facebook wird 20: Die Geldmaschine für den Metaverse-Traum

04.02.2024, 08:02 Uhr
· Online seit 04.02.2024, 07:57 Uhr
Facebook feiert seinen 20. Geburtstag, während Gründer Mark Zuckerberg sich inmitten von Kontroversen und öffentlicher Kritik befindet. Die Plattform, die das Zeitalter der digitalen Vernetzung geprägt hat, sieht sich mit zunehmenden Herausforderungen im Bereich der Nutzersicherheit konfrontiert, insbesondere bei jungen Menschen.
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Wenige Tage vor Facebooks 20. Geburtstag musste sich Gründer Mark Zuckerberg von einem US-Senator vorhalten lassen, ihm klebe «Blut an den Händen». Es war in einer Anhörung zur Sicherheit von Kindern im Netz – und Zuckerberg entschuldigte sich bei betroffenen Eltern im Senats-Saal. Am Tag darauf verkündete er einen Umsatzsprung von 25 Prozent und einen Quartalsgewinn des Dachkonzerns Meta von 14 Milliarden Dollar, drei Mal mehr als ein Jahr zuvor.

Dieser Kontrast steht für die vergangenen 20 Jahre. Es gab Datenschutz-Skandale. Es gab Vorwürfe, Facebook und Instagram schadeten Kindern und Jugendlichen. Es gab die Sorge, russische Online-Kampagnen könnten die öffentliche Meinung in den USA manipulieren. Doch was aus Konzernsicht unter dem Strich zählt, ist: Die Menschen nutzen die Dienste von Meta gern – beispielsweise Facebook, Instagram und WhatsApp. Und mit diesen kommen auch die Werbekunden und das Geld.

Drei Milliarden Nutzende im Monat

Denn die Plattformen wissen so viel über die Interessen ihrer Mitglieder, dass sie Werbekunden zielgenau die richtigen Adressaten für ihre Anzeigen auftischen können. Auch den Schock nach Apples Vorstoss, auf dem iPhone die Nutzer entscheiden zu lassen, ob sie ihre Aktivitäten quer über verschiedene Apps verfolgen lassen wollen, verdaute das Meta-Geschäft.

Zuletzt griffen 3,98 Milliarden Nutzende mindestens einmal im Monat auf eine von Metas Apps zu – und 3,19 Milliarden sogar täglich. Beim Flaggschiff Facebook waren es gut drei Milliarden Nutzende monatlich und 2,11 Milliarden Nutzende jeden Tag. Das sind gewaltige Zahlen, insbesondere gemessen an einer Weltbevölkerung von rund acht Milliarden Menschen – von denen immer noch nicht alle online sind.

Von Facebook zu Meta

Einige Jahre lang verfolgte Zuckerberg ambitionierte Ideen, auch dem Rest der Welt ins Netz zu verhelfen. Funktionieren sollte das unter anderem mit Satelliten und automatisierten Antennen-Drohnen. Doch beschloss der Konzern, das den Telekom-Firmen zu überlassen.

Stattdessen haben Meta und Zuckerberg jetzt zwei grosse Projekte: Künstliche Intelligenz und das Metaverse, eine Art Digitalwelt für Arbeit und Spass. Der Gründer glaubt so an die Zukunft in einer virtuellen Realität, dass er den Konzernnamen im Herbst 2021 von Facebook in Meta ändern liess.

Die Botschaft lautet auch jetzt: Facebook mag die Wiege der Firma sein, aber nur noch ein Teil von etwas Grösserem. Als weiteres Zeichen dafür will der Konzern künftig keine Nutzerzahlen mehr von Facebook nennen, sondern nur noch, wie viele täglich in mindestens einer Meta-App aktiv waren.

Die Geldmaschine läuft

Zuckerbergs Traum vom Metaverse verschlingt unterdessen Berge an Geld – und bleibt trotzdem ein Nischengeschäft. Allein im vergangenen Jahr stieg der operative Verlust der Sparte Reality Labs auf über 16 Milliarden Dollar an – bei nur 1,9 Milliarden Dollar Umsatz. Als zwischendurch das Werbegeschäft Schwäche zeigte, wurden Investoren angesichts der ungebremsten Ausgaben für die virtuelle Zukunft etwas grummelig.

Doch inzwischen läuft Metas Geldmaschine wieder auf Hochtouren – und keiner wirft mehr die Frage nach den Erfolgsaussichten der Reality Labs auf. Der neue Konzernname bleibt, obwohl die Metaverse-Fantasien inzwischen vom Hype um Künstliche Intelligenz in den Hintergrund gedrängt wurden.

Auch hier hat Zuckerberg das Ziel, nichts Geringeres als «die populärsten und fortschrittlichsten KI-Produkte» zu entwickeln. Gelinge das, werde jede Nutzerin und jeder Nutzer von Meta-Diensten einen «KI-Assistenten der Weltklasse» bekommen – und jedes Unternehmen eine KI, die mit seinen Kunden kommunizieren könne.

Wird man in Zukunft auf Facebook mehr mit einer Software als mit Menschen kommunizieren? «Die Leute wollen Authentizität», zeigte sich Produktchef Chris Cox jüngst überzeugt. Idealerweise werde eine Software mit Künstlicher Intelligenz die Kreativität der Nutzer entfesseln und ihr Leben einfacher machen. Zugleich habe man aber auch noch keine KI gesehen, die für viele Menschen in ihrem Alltagsleben wirklich nützlich wäre, räumte er ein.

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(sda/fho)

veröffentlicht: 4. Februar 2024 07:57
aktualisiert: 4. Februar 2024 08:02
Quelle: BärnToday

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