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Trotz hohem Risiko

Indische St. Anna-Schwestern kämpfen tagtäglich gegen Corona

Chantal Herger, 14. Juli 2021, 20:27 Uhr
Im Jahr 1927 reisten vier St. Anna-Schwestern von Luzern nach Indien, um sich dort für die sozial Armen im Gesundheitswesen zu engagieren. Heute wirken über 800 indische St. Anna-Schwestern und setzen sich für die Vision einer grünen Welt ein. Aktuell stehen sie vor allem im Kampf gegen Corona im Einsatz. Eine Schwester erzählt.

Geschlossene Schulen, überfüllte Krankenhäuser, zu wenig Sauerstoff: So präsentiert sich die Lage aktuell in Indien. Das Land wurde von der zweiten Welle hart getroffen. Sr. Nirmala, Koordinatorin aller von der St. Anna Stiftung finanzierten Projekte in Indien erzählt: «Nach der ersten Welle wurden die Beschränkungen gelockert und viele Menschen in Indien konnten sich unter anderem aus finanziellen Gründen nicht an die Vorsichtsmassnahmen und Richtlinien halten. Im Dezember 2020 gingen die Fallzahlen zurück und die Menschen atmeten erleichtert auf. Wir haben nicht damit gerechnet, dass es eine so desaströse zweite Welle geben würde. Auch die Regierung schien ungenügend darauf vorbereitet zu sein.»

Sr. Nirmala ist verantwortlich für die Koordination aller von der St. Anna Stiftung finanzierten Projekte in Indien.
© St. Anna Mission

Vor allem Familien waren von der zweiten Welle betroffen, weil sich das Coronavirus in den überfüllten Häuser leicht weiterverbreiten konnte. Erschwerend komme dazu, dass zu wenig Sauerstoff und -geräte zur Verfügung stehen würden.

Sie stellen sich hinten an

Die indischen St. Anna-Schwestern helfen deshalb vorwiegend in den Spitälern aus. Die Schwestern pflegen und behandeln Coronapatienten kostenlos. In vielen Dörfern bieten sie medizinische Beratungen an und verteilen medizinisches Material wie Masken oder auch Infobroschüren zu den Massnahmen und Regeln.

Doch mit ihrer Arbeit setzen sie sich selbst hoher Gefahr aus. Gerade in der zweiten Welle seien viele Schwestern selbst am Coronavirus gestorben. «Die Angst war gross, rauszugehen und den Leuten zu helfen», schreibt Sr. Nirmala. Deshalb sei es eine Gratwanderung gewesen zwischen zuhause bleiben, um sich selbst zu schützen oder sich hinauszuwagen und das Risiko auf sich zu nehmen, um den leidenden Menschen zu helfen. Weil die Regierung die Bewegungsfreiheit stark eingeschränkt hatte, war es noch schwieriger, die Menschen zu erreichen.

Keine Garantie auf Leben

Viele Familien sind durch Corona in die Armut abgerutscht, haben die Arbeit verloren und Schulden angehäuft – umso wichtiger sei es Verantwortung zu übernehmen und zu dienen, so Sr. Nirmala. Aus diesem Grund haben sie auch einen Dienst eingerichtet, um Familien, die von Corona betroffen sind, Essen zu bringen und verteilen Lebensmittel. Auch bieten sie Kinder, die ihre Eltern durch Corona verloren haben, ein Dach über dem Kopf.

Für Sr. Nirmala ist klar: Es gibt keine Garantie auf Leben. «Noch am Leben zu sein, nachdem man so viel Elend gesehen hat, ist ein Wunder.»

*Das Interview wurde schriftlich und in Englisch durchgeführt.

Quelle: PilatusToday
veröffentlicht: 14. Juli 2021 17:21
aktualisiert: 14. Juli 2021 20:27