Absurd?

Japans Regierung will, dass Junge mehr Alkohol trinken

18. August 2022, 20:13 Uhr
Die japanische Regierung wird von einem ungewöhnlichen Problem heimgesucht. Die jungen Leute trinken nicht genug Alkohol. Die Lösung: Ein Wettbewerb, um neue Wege zu finden, junge Menschen zum Trinken zu ermutigen.
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Seit Beginn der Pandemie wurden Bars und andere Lokale, in denen in Japan Alkohol verkauft wird, durch die Covid-19-Beschränkungen hart getroffen. Die Umsätze und die Einnahmen aus der Alkoholsteuer sind dadurch stark zurückgegangen. Um die Steuereinnahmen wieder auf Kurs zu bringen, startet die japanische Regierung nun eine Kampagne, damit Alkohol bei jüngeren Menschen wieder beliebter wird. Was erstmal völlig absurd klingt – die meisten Länder auf der Welt versuchen schliesslich junge Generationen vor Süchten zu bewahren – ist kein Scherz. Die Kampagne heisst «Sake Viva!».

Branche soll neu belebt werden

Die Kampagne fordert die Menschen in Japan auf, Ideen einzureichen, wie die Nachfrage junger Menschen nach Alkohol angekurbelt werden kann. Sei dies durch neue Dienstleistungen, Werbemethoden, Produkte, Designs oder sogar Verkaufstechniken unter Verwendung künstlicher Intelligenz. So heisst es auf der offiziellen Website des Wettbewerbs.

Der Wettbewerb ziele darauf ab, die jüngere Generation anzusprechen und die Branche neu zu beleben, heisst es weiter. Die Bewerbungsfrist läuft bis zum 9. September. Die Finalisten werden im Oktober zu einer Expertenkonsultation eingeladen, bevor im November in Tokio ein Finalturnier stattfindet. Wer gewinnt, wird nach Angaben der japanischen Steuerbehörde Unterstützung für die Vermarktung des eigenen Plans erhalten.

Es hagelt Kritik

Aber nicht alle sind mit an Bord. Der Wettbewerb und die Steuerbehörde wurden von einigen Leuten im Internet kritisiert. «Willst du mich verarschen? Sich vom Alkohol fernzuhalten, ist eine gute Sache!», schrieb ein Twitter-Nutzer laut «CNN».

Andere wiesen darauf hin, dass es unangemessen sei, dass eine Regierungsbehörde junge Menschen zum Trinken ermutige, und es schien, dass die Kampagne weder die Gesundheitsrisiken noch die Sensibilität gegenüber Menschen, die mit Alkoholismus zu tun haben, berücksichtigt habe.

Andere Richtung in der Vergangenheit

Das japanische Gesundheitsministerium hat in der Vergangenheit vor den Gefahren des übermässigen Alkoholkonsums gewarnt. Es forderte Menschen mit ungesunden Trinkgewohnheiten auf, ihr Verhältnis zum Alkohol zu überdenken.

In einem Bericht aus dem Jahr 2021 erklärte die japanische Steuerbehörde, dass die Steuern auf Alkohol jahrhundertelang eine wichtige Einnahmequelle für die Regierung gewesen seien, in den letzten Jahrzehnten aber zurückgegangen seien. Japan erhielt 2021 1,1 Billionen Yen (8,1 Milliarden Franken) an Alkoholsteuer. Das sind 1,7 Prozent der gesamten Steuereinnahmen. Im Jahr 2011 waren es drei Prozent und im Jahr 1980 fünf Prozent.

(hap)

Quelle: Today-Zentralredaktion
veröffentlicht: 18. August 2022 18:55
aktualisiert: 18. August 2022 20:13