Black Friday

Massendruck und Margen-Verluste machen es möglich

Sven Brun, 27. November 2020, 18:42 Uhr
Der Black Friday - die Preisschlacht der Unternehmen.
© Keystone, VALENTIN FLAURAUD
Es ist wieder Black Friday - DER Schnäppli-Tag des Jahres. Händler werfen mit grosszügigen Rabatten um sich und die Konsumenten kaufen Allerlei ein. Ist dies für Unternehmen überhaupt wirtschaftlich interessant?

Über 50 Prozent Rabatt auf Handy-Abos, Kleider und Elektronikgeräte. Die Händler locken mit unglaublichen Tiefstpreisen die Kunden an. Ist dies das vorweihnachtliche Geschenk der Unternehmen an ihre Kunden oder können auch sie vom Black Friday profitieren?

Alexander Gonzalez, Präsident des Wirtschaftsverbands Stadt Luzern, sagt im Gespräch mit PilatusToday, dass primär der Konsument am Black Friday profitiert. Die Waren würden oftmals zu absoluten Tiefstpreisen verkauft. «Unternehmen nehmen Margen-Einbussen, manchmal sogar Margen-Verluste auf sich.»

Jedoch können auch die Händler vom heutigen «Schwarzen Freitag» profitieren. «Der Black Friday wird mehr und mehr vom klassischen Absatzinstrument zum Marketinginstrument», sagt  Matthias Schu, Dozent für E-Commerce an der Hochschule Luzern, gegenüber PilatusToday. Ein Ziel von vielen Onlineshops sei dabei beispielsweise die sogenannte «Warenkorb-Erweiterung». Man hoffe, dass der Konsument beim Kauf eines spezifischen rabattierten Produktes am Black Friday gleichzeitig zum Kauf eines Weiteren angeregt werde. Aber auch die Steigerung von Markenbekanntheit und Aufmerksamkeit wird aus Händler- und Markensicht immer wichtiger am Black Friday.

Dr. Matthias Schu, HSLU
© Matthias Schu

Druck auf Unternehmen steigt

Alexander Gonzalez nimmt vor allem Bezug auf den Detailhandel. Für diese Unternehmen gehe es hauptsächlich um Kundengewinnung, kurzfristige Liquidität und Abbau von Lagerbeständen. Jedoch werde der Druck auf den Detailhandel durch den Onlinehandel am Black Friday noch grösser. «Wenn die Detailhändler nämlich nicht mitziehen, wandert der Kunde einfach zum Onlinehandel».

Dass mittlerweile so viele Händler mitmachen, sei auch dem Massendruck geschuldet. «Etliche Unternehmen haben jedes Jahr aufs Neue das Gefühl, nachziehen zu müssen, um konkurrenzfähig zu sein. Und nur Wenige stemmen sich gegen die Masse und den Trend», sagt Schu.

Boomerang-Effekt?

Jedoch stellt sich die Frage, ob es durch den Black Friday nicht zu einem sogenannten Boomerang-Effekt kommt. Dies würde bedeuten, dass ein Kunde für ein Produkt weniger bezahlt, als er eigentlich zahlen würde. Die Unternehmen verliert dadurch gesamthaft an Umsatz.

Für Schu gäbe es jedoch aufgrund des Black Friday nicht langfristige Umsatzeinbussen, sondern eher eine Umsatzverlagerung. Dies sieht auch Alexander Gonzalez so: «Die Kaufkraft der Kunden sinkt langfristig aufgrund des heutigen Rabatt-Tag nicht signifikant ab».

Sven Brun
Quelle: PilatusToday
veröffentlicht: 27. November 2020 17:10
aktualisiert: 27. November 2020 18:42