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Österreich

Schallenberg als neuer Kanzler Österreichs vereidigt

11. Oktober 2021, 13:42 Uhr
Alexander Schallenberg ist neuer Regierungschef von Österreich. Nach einer tagelangen politischen Krise wurde der bisherige Aussenminister als Kanzler vereidigt. Er tritt die Nachfolge von Sebastian Kurz an, der zurücktritt.
Alexander Schallenberg ist neuer Kanzler Österreichs.
© Keystone/AP/Lisa Leutner

Wegen Korruptionsermittlungen gegen den konservativen Kurz hatten die mitregierenden Grünen seine Ablösung gefordert und andernfalls das Platzen der Koalition in den Raum gestellt. Die Legislaturperiode dauert noch bis 2024.

«Wir erwarten doch alle, dass die Regierung jetzt gemeinsam wieder an die Arbeit geht und gemeinsam etwas weiter bringt», sagte Van der Bellen. Mit seinem diplomatischen Geschick bringe Schallenberg dafür die besten Voraussetzungen mit.

Kein Unbekannter

Der neue und der alte Regierungschef haben jahrelang zusammengearbeitet. Als Kurz vor seiner Zeit als Kanzler noch Aussenminister war, beriet ihn der welt- und sprachgewandte Schallenberg als Chefstratege. Im Jahr 2019 wurde Schallenberg Aussenminister in einem Übergangskabinett und wechselte in gleicher Funktion in das neue Kabinett von Kurz.

Schallenberg entstammt einer ehemaligen Adelsfamilie. Als Sohn eines Diplomaten wuchs er in Indien, Spanien und Frankreich auf. Als neuer Aussenminister folgt Karrierediplomat Michael Linhart. Er war bisher Botschafter in Paris und zuvor Generalsekretär des Aussenministeriums.

Migration im Fokus

Der 52-jährige neue Kanzler vertritt eine genauso restriktive Haltung in Sachen Migration wie sein 35-jähriger Vorgänger. Er hat mitunter auch die EU-kritischen Töne von Kurz unterstützt. Sticheleien gegen die deutsche Kanzlerin Angel Merkel, wie sie von Kurz immer wieder zu hören waren, gehörten bislang nicht zu seinem Repertoire.

Gegen Kurz und sein Umfeld wird wegen des Verdachts der Bestechlichkeit und Untreue ermittelt (PilatusToday berichtete). Der Aufstieg des jungen Spitzenpolitikers soll auch mit Hilfe von Steuergeld und geschönten Umfragen arrangiert worden sein. Kurz bestreitet die Vorwürfe. Trotz seines Rücktritts bleibt Kurz ÖVP-Chef und wechselt als Fraktionschef ins Parlament. Die Opposition befürchtet, dass der 35-Jährige als eine Art Schattenkanzler weiter Macht ausüben wird.

Quelle: sda
veröffentlicht: 11. Oktober 2021 13:35
aktualisiert: 11. Oktober 2021 13:42