iPhone-Akkutausch

Warum Apple jetzt 35 Kilo Werkzeug verschickt

23. Mai 2022, 15:25 Uhr
Ein kaputtes iPhone selbst reparieren? In den USA ist das jetzt möglich. Doch was nach einem sinnvollen Service klingt, entpuppt sich als technischer Spiessrutenlauf.

Der Akkutausch bei einem modernen Smartphone ist eine leidige Sache. Die Geräte sind zusammengeleimt, alles befindet sich auf engstem Raum und ohne Spezialwerkzeug kommt man nicht weit.

Trotzdem ist das Bedürfnis weit verbreitet, das Smartphone selber reparieren zu können. Um diesem Bedürfnis entgegen zu kommen, kündigte Apple im Herbst 2021 eine sogenannte «Self-Service-Reparatur» an. Wer sein iPhone reparieren will, soll die dafür nötigen Ersatzteile samt Reparaturanleitung und Werkzeug im Onlineshop bestellen können.

Zwei Koffer für ein iPhone Mini

In den USA ist der Reparaturservice mittlerweile gestartet. Das Online-Techmagazin «The Verge» hat ihn mit einem iPhone Mini ausprobiert – mit überraschenden Ergebnissen. Statt des - erwarteten - kleinen Reparaturkits schickte Apple nämlich zwei massive Koffer mit 35 Kilogramm Werkzeug und einer 80-seitigen Anleitung in die Redaktion.

Unter anderem lag zum Lösen des iPhone-Displays ein professioneller Erhitzer im Koffer, der aussah wie eine High-Tech-Laborausrüstung, allerdings laut The Verge nicht richtig funktionierte. Um die Glasscheibe zu entfernen, seien zudem drei verschiedene Schraubendreher und Drehmomentschrauber nötig gewesen.

Drittfirma muss mithelfen

Am nervigsten am ganzen Prozess sei gewesen, dass die Ersatzbatterie des iPhones nach dem Einbau nicht als Original-Apple-Ersatzteil erkannt wurde. The Verge musste erst eine externe Logistikfirma kontaktieren, die den Akku validierte. Das aber könne man nur tun, wenn man der Firma den Fernzugriff auf das iPhone erlaube. Man verliere also die Kontrolle über das eigene Gerät.

Auch finanziell lohnte sich der Aufwand nicht. Apple stellte The Verge umgerechnet 67 Franken für die Batterie in Rechnung. Den gleichen Betrag würde man auch im Apple Store bezahlen, allerdings ohne selbst am iPhone basteln und das Risiko eingehen zu müssen, das Gerät zu beschädigen.

47 Franken kamen für das gelieferte Werkzeug hinzu. Und: Wird es nach sieben Tagen nicht zurückgeschickt, behält Apple fast 1200 Franken Kaution ein. Immerhin übernehme der Hersteller die Versandkosten für die zwei schweren Koffer.

Ein unbrauchbarer Service – mit Absicht?

Alles in allem empfiehlt The Verge den Reparaturservice nicht; zu kompliziert das Prozedere, zu gross der Aufwand, zu gross auch das Risiko, dass etwas schiefgeht. Dies könnte Apple durchaus recht sein, mutmasst das Magazin. Schliesslich wehrte sich das Unternehmen lange dagegen, dass seine Produkte selbst repariert und modifiziert werden können. Jetzt kann es immerhin behaupten: Wir haben es versucht.

Der Gang in den Apple Store bleibt also die einfachste Lösung für ein kaputtes iPhone. The Verge findet für den neuen Service denn auch klare Worte: «Apple hat sich hier wohl einen Schwerz erlaubt.»

(osc)

Quelle: Today-Zentralredaktion
veröffentlicht: 23. Mai 2022 15:25
aktualisiert: 23. Mai 2022 15:25
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