Social Distancing

Absperrgitter sorgen für gemischte Gefühle

Andrée Getzmann, 4. April 2020, 22:40 Uhr
In Luzern ist die Promenade mit Gittern abgesperrt.
© PilatusToday
Um die Social-Distancing-Regeln einhalten zu können, setzen Gemeinden an verschiedenen Hotspots auf Absperrgitter. Die Meinungen über diese Massnahmen gehen auseinander, wie ein Augenschein zeigt.

Dort, wo sich an einem sonnigen Apriltag normalerweise scharenweise Ausflügler tummeln, ist gerade nichts mit Flanieren: In der Stadt Luzern, in Sursee und Brunnen etwa sind die beliebtesten Promenaden und Pärke für Besucher gesperrt. Dafür sorgen Absperrgitter und -Bänder.

«Es ist schon ein komisches Gefühl», sagt die Brunner Gemeindepräsidentin Irène May. «In normalen Zeiten hätten wir jetzt ganz viele Besucher.» Um die Social-Distancing-Regeln des Bundes jedoch einhalten zu können, sei es jetzt einfach notwendig geworden, die Seepromenade abzusperren.

Social Distancing habe davor nicht funktioniert, das habe das letzte Wochenende gezeigt. In Brunnen bleiben die Absperrungen bis am Sonntagabend bestehen und werden während der Woche wieder abgebaut. Am Donnerstag werde man den Quai bis nach Ostern wieder absperren. «Danach nehmen wirs vorzu.»

Aus der Bevölkerung habe sie bisher vornehmlich positive Rückmeldungen bekommen, sagt Irène May. Und auch die befragten Brunner vor Ort sind mit den Massnahmen der Gemeinde einverstanden: «Man muss es nehmen, wie es ist», sagt etwa ein Mann.

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Quelle: Tele1

«Wir mussten häufig mit der Polizei drohen»

Auch in Sursee sorgen Absperrungen dafür, dass die Pärke leer bleiben, in denen sonst die Surseerinnen und Surseer die Sonne geniessen würden. «Wir haben uns entschieden, gewisse Hotspots zuzumachen, an denen wir vergangene Woche problematische Erfahrungen gemacht haben», sagt Stadtpräsident Beat Leu. «Wir mussten häufig ansprechen und mit der Polizei drohen.»

Nicht bei allen stösst die Massnahme in Sursee auf Verständnis. Man müsse jetzt aufpassen, dass man es nicht übertreibe, findet ein Passant. Man bestrafe die Falschen mit grossflächigen Absperrungen. Er ist der Meinung, dass man besser die bisherigen Massnahmen durchsetzen soll.

Und wie sieht es in Luzern aus? «Es hat sicher etwas Gutes», sagt ein junger Mann. Doch manchmal seien die Massnahmen schon etwas sehr krass. Zum Beispiel, dass das Inseli abgesperrt sei.

Viele Leute am Urnersee unterwegs

Auch im Kanton Uri lockte das schöne Wetter die Leute nach draussen, wie der Kantonale Führungsstab heute Abend mitteilte. Die Anweisung der Behörden, dass die Bevölkerung auch bei gutem Wetter zuhause bleiben und die Regeln des Social Distancing befolgen solle, sei grossteils gut befolgt worden. «Zwar waren entlang des Urnersees und im Urserntal viele Personen unterwegs», heisst es in der Mitteilung weiter, «die patroullierenden Polizeikräfte stellten jedoch fest, dass in der Regel Distanz gehalten wird.» Die Kantonspolizei Uri weist erneut darauf hin, dass nicht erforderliche Ausflüge insbesondere von auswärts in den Kanton Uri bis auf weiteres zu unterlassen sind.

Ob die Absperrungen in Brunnen, Luzern und Sursee ihren Zweck erfüllen, wird sich nach dem Wochenende zeigen. Dann wird auch klar werden, ob allenfalls noch strengere Ausgeh-Bestimmungen folgen.

Quelle: PilatusToday
veröffentlicht: 4. April 2020 17:47
aktualisiert: 4. April 2020 22:40