Gesundheitswesen

Ärzte nahe am Burnout: So wird die Situation in Luzern eingeschätzt

· Online seit 09.01.2024, 18:38 Uhr
Die Diagnose Burnout tritt zunehmend auch in der Ärzteschaft auf. Wo die Gründe dafür liegen und wie der Kanton Luzern und die Luzerner Spitäler dagegen vorgehen wollen, hat die Regierung in der Antwort auf einen entsprechenden Vorstoss dargelegt.
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Die hohen Wochenarbeitszeiten, Schichtdienste, steigender administrativer Aufwand und mehr Patienten seien Gründe für Burnouts, die vermehrt auch in der Ärzteschaft auftreten. Das schreibt die Luzerner Kantonsregierung auf eine entsprechende Anfrage der SP-Parlamentarierin Melanie Setz. Doch die Regierung betont auch, dass die Spitäler selbst in der Pflicht seien.

Arbeitsgesetz wird nicht eingehalten

Eine repräsentative Umfrage des Verbandes Schweizerischer Assistenz- und Oberärztinnen und -ärzte (VSAO), die im Mai 2023 veröffentlicht wurde, kam zum Schluss, dass bei 70 Prozent der Befragten das Arbeitsgesetz nicht eingehalten wird. Dies, obwohl die Arbeitszeit bei den Ärztinnen und Ärzten bereits auf 50 Arbeitsstunden pro Woche ausgelegt ist. Es ist schon länger bekannt, dass bei der Arbeitszeiterfassung in der Gesundheitsbranche Mängel vorhanden sind. Auch aufgrund dessen steigt die Gefahr einer Burnout-Erkrankung in dieser Branche besonders.

Die Luzerner Regierung fühlt sich jedoch kaum verpflichtet, gegen die Nichteinhaltung der Arbeitszeit vorzugehen. Dies liege in der Obhut der jeweiligen Spitäler. Kontrollen würden nur bei Meldungen aus den entsprechenden Betrieben durchgeführt. Flächendeckende Routine- und Stichproben werden keine abgehalten. Obwohl bei Kontrollen im Jahr 2016, 2017 und 2020 jeweils Verstosse gegen das Arbeitsgesetz festgestellt werden konnten, sei danach bei den entsprechenden Kontrollstellen (WAS, wira, KIGA) seitens der Spitäler keine Meldungen mehr eingegangen.

Pilotversuch mit reduzierter Arbeitszeit

In einigen Schweizer Spitälern wurden für Assistenzärztinnen und -ärzte ein neues Pilotprojekt gestartet. Mit der «42+4h Woche» soll die Ausbildung junger Ärztinnen und Ärzte nicht zu kurz kommen. Die Idee ist, dass 42 Stunden pro Woche aktiv mit Patienten gearbeitet wird und vier weitere Arbeitsstunden in Weiterbildungen investiert wird. Dies hat neben der Weiterentwicklung junger Ärztinnen und Ärzte auch zur Folge, dass die Gesamtarbeitszeit bei 48 Stunden pro Woche bleibt.

«Dieses Modell sei den Luzerner Spitälern und dem Gesundheits- und Sozialdepartement bekannt», schreibt die Regierung. Eine Einführung dieser Regelung liege allerdings in der Verantwortung der Spitäler. «Der Regierungsrat vertritt die Haltung, dass die Spitäler wie alle Arbeitgeber angehalten sind, ihre Arbeitsbedingungen und die Prozessabläufe so zu gestalten, dass Burnouts bei ihren Mitarbeitenden vermieden werden», so der Regierungsrat weiter.

Patientenversorgung hat oberste Priorität

Nebst dem Arbeitnehmerschutz werde auch die Patientensicherheit sehr hoch gewichtet. Die Sicherstellung diesbezüglich liege in diesem Bereich primär bei den Spitälern als eigenständige Unternehmen. «Dem Regierungsrat liegen derzeit keine Hinweise dafür vor, dass es aufgrund der hohen Arbeitsbelastung in den Luzerner Spitälern zu Behandlungsfehlern kommt», betonte die Regierung in ihrem Antwortschreiben.

Weiter heisst es, dass man künftig den administrativen Aufwand in den Spitälern reduzieren müsse. Dieser sei im wesentlichen durch zwei Faktoren getrieben. Einerseits wollen die Krankenkassen wissen, was gemacht wurde, um die Vergütung der Kosten durchzuführen. Anderseits will die Ärzteschaft auf Haftpflichtklagen gewappnet sein. Die Kantonsregierung findet, sie hätte zu wenig Einfluss auf die entsprechenden Akteure, um wirksame Änderungen zu erzielen. Sie sieht aber in der Digitalisierung ein wichtiges Instrument, um den administrativen Aufwand zu verringern.

Was ist deine Meinung zu diesem Thema? Schreibe es in die Kommentare.

(jul)

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veröffentlicht: 9. Januar 2024 18:38
aktualisiert: 9. Januar 2024 18:38
Quelle: PilatusToday

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redaktion@pilatustoday.ch