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Karriere

Effizient arbeiten und nur, solange es Spass macht: So tickt die Generation Z

Chantal Gisler, 11. Juli 2021, 23:28 Uhr
Die Generation Z erobert nach und nach den Arbeitsmarkt. Oft heisst es, dass sie faul ist und nur in den Sozialen Medien rumhängt. Aber stimmt das? Eins vorweg: Faul sind sie auf jeden Fall nicht. Das zeigt auch das prominente Beispiel von Jungunternehmer Luca Steffen.
Die Generation Z gehört zu den Digital Natives, also denjenigen, die mit Smartphones aufwachsen.
© Getty

Die Generation Z ist die erste Generation, die von ganz klein auf mit Smartphones aufgewachsen ist. Sie kennt sich mit den Sozialen Medien und Onlinetools besser aus, als alle Generationen vor ihnen. Aber wie tickt die Generation? Was ist für sie besonders wichtig?

Zur Generation Z gehört, wer zwischen 1997 und 2012 geboren ist – nach diesem Spiegel richtet sich das Bundesamt für Statistik. Allerdings sind die Grenzen fliessend, einige mit 97er-Jahrgang fühlen sich mehr mit den Millenials verbunden. Diese sind zwischen 1981 und 1996 geboren.

Luca Steffen und Jascha Rudolphi, beide 23 Jahre alt, gehören zur Generation Z. Mit gerade mal 16 Jahren haben sie ihr eigenes Unternehmen gegründet. Ihre Firma geriet im letzten Jahr in die Schlagzeilen, weil sie angeblich Masken zu überhöhten Preisen an die Schweizer Armee verkauft haben sollen.

Luca Steffen ist Jungunternehmer.
© Zur Verfügung gestellt

Luca Steffen gibt gerne Einblick in sein Mindset. Gleichzeitig betont der Jungunternehmer, dass er nicht für die ganze Generation spricht. Dennoch wird vieles, was er von sich erzählt, von verschiedenen Studien über die Generation Z belegt.

In der Welt vernetzt

Work-Life-Balance bedeutet der Generation Z viel. In den Sozialen Medien werden die Unterschiede zwischen den Generationen immer wieder aufs Korn genommen. Immer wieder heisst es über die Generation Z, sie seien Taugenichtse. Sie würden nur in der Welt der sozialen Medien leben, die reale Welt ausserhalb des Smartphones existiere für sie nicht. Deshalb werden sie von Älteren oft die «Generation Smartphone» genannt.

https://www.srf.ch/kultur/netzwelt/so-schreibt-die-generation-smartphone?ns_source=srf_app?ns_source=srf_app

Als das iPhone 2007 erstmals vorgestellt wurde, waren die Ältesten der Generation Z zehn Jahre alt. Die Generation Z kam schon in jungen Jahren mit Smartphones und Social Media in Kontakt. Die wichtigsten Kanäle sind Instagram, Snapchat und Tiktok, immer weniger von ihnen nutzen Facebook.

Luca Steffen ist hier klar die Ausnahme. Seine Arbeitszeiten gehen weit über den normalen Alltag hinaus, in Spitzenzeiten waren es bis 18 Stunden am Tag. Und sein erstes Handy war kein Smartphone, sondern ein Schiebe-Handy. Die Sozialen Medien nutzt er kaum, Instagram und Facebook hat er nicht. Nur Tiktok, «aber das nutze ich nur, wenn mir wirklich sehr langweilig ist.» Er weiss: «Heutzutage ist die Welt vernetzt, man weiss sofort, was wo geschieht.»

Vernetzt zu sein und zu wissen, was gerade läuft. Das ist für Steffen enorm wichtig. Entspannen kann er nur, wenn er weiss, dass er theoretisch erreichbar wäre. Dieses Denken steht sinnbildlich für die ganze Generation. Gemäss amerikanischen Studien will die Generation Z immer wissen, was um sie herum passiert.

Gleichzeitig zeigen viele Vertreter der Generation Z, dass sie anpacken und etwas verändern wollen. Sichtbar wird das bei den Streiks von «Fridays for Future», bei denen hauptsächlich Millenials und Gen Z-er dabei sind. Auch für Luca Steffen und Jascha Rudolphi war der Gedanke, etwas zu verändern, für ihre Selbstständigkeit ausschlaggebend. «Mit unserer Firma wollten wir etwas bewirken.»

Ihre Firma Emix Trading wurde 2016 als Handelsgesellschaft gegründet. Spezialisiert auf den Import von Markenartikeln in die Schweiz, in Europa und nach China.

So effizient wie möglich arbeiten

Die Generation Z will ihre Freizeit so gestalten, wie sie möchten. Im Netz und in Videos, in denen die Generationen miteinander verglichen werden, wird ihnen nachgesagt, dass ab 17 Uhr Feierabend ist – ohne Wenn und Aber. Sie seien aber nicht faul, nur effizient, heisst es im Netz von den Gen-Z-er. Zu diesem Schluss kommt auch eine Umfrage des Schweizer Start-Ups «Investart» zeigt, dass die Millenials und die Generation Z möglichst früh in Rente gehen wollen. Die Mehrheit möchte nur noch zwei Tage pro Woche im Büro arbeiten. Und: Jeder Zweite würde lieber seinen Job kündigen, als eine volle Bürowoche zu arbeiten.

Luca Steffen möchte zwar nicht weniger arbeiten. Aber: «Mir ist es wichtig, effizient und flexibel zu sein. Schliesslich ist unsere Lebenszeit begrenzt, deshalb will ich sie so gut und effizient wie möglich nutzen.» Er möchte nur das machen, was ihm wirklich Spass macht.

Selbstständig entscheiden können

Um möglichst früh in Rente gehen zu können, versuchen sich die Jungen an Investitionen in Aktien und Kryptowährungen. Das geht aus der Umfrage von «Investart» hervor. Sie zeigt auch: Die beiden Generationen haben eine ganz andere Einstellung zur Arbeit als etwa die Baby Boomer (1946 bis 1964) oder die Generation X (1965 bis 1980). Die Boomer betrachtet den Job als einen notwendigen Teil des Lebens, heisst es in der Umfrage von «Investart». Ein stabiler Job bei einem Unternehmen mit einem guten Ruf, da arbeitet man bis zum Rentenalter – das ist die Devise bei den Baby Boomern.

Ganz anders sehen das die Millenials und die Generation Z, stellt die Umfrage fest: Sie definieren sich nicht über ihren Job. Ein Beruf ist kein Meilenstein im Leben sondern ein Mittel, um ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Sie wollen das Leben geniessen, solange sie noch jung sind. Wenn es nicht unbedingt nötig ist, wollen sie nicht bis zum Rentenalter arbeiten. Das sieht auch Luca Steffen so. «Im Moment macht mir meine Arbeit viel Spass.» Er könne es sich aber durchaus vorstellen, einmal kürzer zu treten, wenn er eine eigene Familie hat.

Chantal Gisler
Quelle: PilatusToday
veröffentlicht: 11. Juli 2021 15:01
aktualisiert: 11. Juli 2021 23:28