Spielerisch therapieren

In die Unterwasserwelt abtauchen: Lungenkrankheit kann mit HSLU-Game behandelt werden

Nicole Huber, 23. Oktober 2022, 21:31 Uhr
Die Lungenkrankheit Cystische Fibrose, eine unheilbare Krankheit, macht es den Betroffenen nicht leicht. Das Virtual-Reality-Game, das über die Atmung gesteuert wird, macht die Therapie für junge Erkrankte ertragbar. Therapie, die Spass macht.
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Atmen ist für die meisten selbstverständlich. Nicht aber für diejenigen, welche an Cystischer Fibrose leiden, wie die 13-jährige Nicole Schüpbach. Für sie sind Atemübungen von alltäglicher Notwendigkeit, damit der störende Schleim aus der Lunge herauskommen kann.

Ein Forschungsteam der HSLU hat es sich zum Ziel gesetzt, gerade diese oft mühsamen Übungen für die Jungen erträglicher zu gestalten. Das Ergebnis: Ein Virtual-Reality-Game.

Therapie in der Unterwasserwelt

Durch das Aufsetzen der VR-Brille begeben sich die Patientinnen und Patienten in ein U-Boot, von wo aus einen Tauchgang durch die Unterwasserwelt ansteht. Durch Ein- und Ausatmen wird das Fortbewegen gesteuert. So können die Kinder und Jugendlichen den Meeresgrund mit therapeutischer Wirkung abtauchen. Die Spielenden pusten dabei in das Therapiegerät, welches zur Reinigung der Atemwege verwendet wird. Wird lange genug gepustet, löst sich der Schleim in der Lunge. Ein am Gerät montierter Sensor misst die Länge des Pustens und sendet die Informationen drahtlos zum Game. Je länger das Pusten, desto grösser ist die Bewegung Unterwasser folglich. Das Game stellt sich als effektive Methode dar, um die Jungen während der Therapie motiviert zu halten.

«Mir gefällt es gut. Vor allem hat es viele Tiere, es hat Fische und Meerespflanzen. Und die Runden, die das U-Boot macht, sind nicht immer die gleichen, sondern verschieden», erzählt Nicole Schüpbach.

Die Idee für dieses Spiel kam Thomas Schumacher gemeinsam mit einem Patienten. Der Physiotherapeut und Gründer von THESMA erklärt, wieso sie sich für eine Unterwasserwelt entschieden haben. «Wir dachten, eine VR-Brille simuliert die Taucherbrille und das PEP-Gerät simuliert den Schnorchel.» Mit einer entspannten Atmung können die Betroffenen dann durch eine Unterwasserwelt gleiten. «Das fanden wir eine ideale Umgebung.»

Auch Nicole Schüpbach ist überzeugt vom Spiel. «Es ist sicher gut, dass man so die Übungen macht. Ob Spiel oder nicht. Aber mit dem Spiel macht es mehr Spass.»

Auch für andere Krankheiten einsetzbar

Das Game hat die HSLU programmiert und ist simpel aufgebaut, auch weil es noch ein Prototyp ist. Dass in der Unterwasserwelt aber plötzlich gegen Piraten gekämpft werden soll, wie es ein Patient gewünscht hat, wird jedoch kaum umgesetzt. Denn: « Man muss immer noch darauf achten, dass die Atmung ruhig und gleichmässig passiert. Und wenn dann zu viel im Spiel passiert, kann das negativ sein», erklärt Richard Wetzel, der an der Programmierung des Spiels beteiligt ist. Wichtig sei aber auch, dafür zu sorgen, dass das Spiel spannend bleibt und die Motivation steigt, so der Informatikdozent der HSLU weiter. Eine Überlegung seien dabei verschiedene Unterwasserwelten zu kreieren, inspiriert von den realen Meeren.

Die entwickelte Software könnte auch für andere Krankheiten wie Asthma eingesetzt werden. Da das Game nicht spezifisch für CF-Erkrankte konzipiert wurde, kann es relativ unkompliziert für Asthma- oder COPD-Therapien angepasst werden. Bei Letzterem handelt es sich um die chronisch obstruktive Lungenkrankheit, welche vor allem im späteren Alter auftritt. Für solche Anwendungsbereiche müsste das Game dementsprechend angepasst werden.

(red.)

Quelle: sda/PilatusToday
veröffentlicht: 23. Oktober 2022 21:31
aktualisiert: 23. Oktober 2022 21:31