Innerschweizer Filmpreis

«Kühe auf dem Dach» - Eine Metapher des Lebens

Sven Brun, 1. März 2021, 17:56 Uhr
«Kühe auf dem Dach» zeigt das Leben einer Familie auf der abgelegenen Alpe d'Arena im Tessin.
© Revolumenfilm
«Kühe auf dem Dach» ist ein Dokumentarfilm über eine Alp im Tessin, welche weit weg von der Zivilisation gelegen ist. Der Film sei eine Metapher des Lebens, sagt Regisseur Aldo Gugolz, welcher die Älpler-Familie während zwei Jahren begleiten konnte.

Bauer Fabiano lebt mit seiner schwangeren Freundin Eva weit weg von der Zivilisation auf der «Alpe d’Arena» im Tessiner Onsernonetal. Er wird geplagt von einem immer wiederkehrenden Alptraum: Seine Kühe tanzen auf dem Dach eines einstürzenden Stalles.

Das Leben auf der Alp ist nicht einfach. Die Arbeit verlangt ihm alles ab, der Erlös des Käses reicht nicht mehr aus, um die steigenden Ausgaben zu decken. Zudem wird er von Schuldgefühlen geplagt. Ein schwarzarbeitender Mitarbeiter ist unter mysteriösen Umständen ums Leben gekommen.

Regisseur Aldo Gugolz kennt die Alp bereits seit 1989: «Ich habe früher ein paar Mal dort übernachtet.» Vor allem die Bekanntschaft mit dem damaligen Älpler Giorgio sei für Gugolz inspirierend gewesen. «Dieser nette und sympathische Typ hat auf der Alp eine Drogenentzugskur gemacht», erzählt er. Eines Tages habe Älpler Giorgio vergessen seine Medikamente zu nehmen und dabei gemerkt, dass er auch ohne sie leben könne. Gugolz meint: «Die Arbeit mit der Natur und den Tieren hat ihn seine Heroin-Sucht vergessen lassen.»

Eine konkrete Handlung hat «Kühe auf dem Dach» nicht. «Ich versuchte einfach diese Welt auf der Alp zu portraitieren», sagt Aldo Gugolz im Gespräch. Der mysteriöse Todesfall des schwarzarbeitenden mazedonischen Mitarbeiters sei erst nach der Entscheidung, die Geschichte über den Alltag auf der Alpe d’Arena zu erzählen, vorgefallen. «Anfangs fand ich dies für den Film sogar als störend», fügt der Regisseur hinzu.

Älpler Fabiano und sein Vater schauen sich die Nachrichten über den mysteriösen Tod des mazedonischen Mitarbeiters an. 

© Revolumenfilm

Ohnehin sei dieser Todesfall oder die Hippie-Vergangenheit von Fabianos Familie nicht allzu bedeutend für den Film. «Mir geht es mehr um die Stimmung und das Gefühl, welches das harte Leben auf dieser Alp mit sich bringt», erklärt Gugolz. Für ihn persönlich sei der Film vielmehr eine Metapher des Lebens:

Der Titel des Filmes, «Kühe auf dem Dach», bezieht sich auf den wiederkehrenden Albtraum von Fabiano. «Er bedeutet, dass einem alles zu viel werden kann», erklärt Aldo Gugolz. Das Bild sei insofern passend, dass die Gefahr der Berge die Geräusche verursachen. «Der prasselnde Regen hat wohl zum Traum inspiriert», meint er.

Allgemein sei es für Gugolz wichtig gewesen, die Erschütterung der Natur und somit auch die der Älpler-Familie zu visualisieren. Er sagt: «Diese Naturgewalten berühren den Film.»

Die Alpe d'Arena im Tessin: Die Erschütterungen der Natur im Film sollen auch das Leben der Älpler-Familie visualisieren. 

© Revolumenfilm

Mit dem Endresultat ist Aldo Gugolz sehr zufrieden, denn man wisse anfangs nie, wohin die Dreharbeiten führen: «Es ist immer ein totales Abenteuer.» Die Geschichte sei ihm persönlich wichtig gewesen. «Jeder Film ist ein Teil des eigenen Lebensweges», erläutert er.

Dank finanziellen Förderungen wurde der Film anfangs auch gut ausgestattet. Probleme gab es eher mit der Zeit: «Plötzlich dauerte es dreimal so lange wie geplant und dann wird halt das Geld auch wieder knapp.» Es sei «Ein Zittern bis zum Schluss» gewesen.

Regisseur Aldo Gugolz ist zufrieden mit seinem Film. 

© Revolumenfilm

Daher sei auch die Prämierung des Innerschweizer Filmpreises «grossartig und wichtig». Der Regisseur meint: «Es ermöglicht mir weiter zu arbeiten, Kontinuität zu bewahren und in einem gewissen Sinn auch zu überleben.»

Aldo Gugolz: «Überleben», dank einem Film über das Leben.

Sven Brun
Quelle: PilatusToday
veröffentlicht: 1. März 2021 19:06
aktualisiert: 1. März 2021 17:56