Arbeitsplätze für psychisch Beeinträchtigte sind im Kanton Luzern rar

12. Juni 2015, 13:31 Uhr
Das soziale Unternehmen wärchbrogg schafft trotz sinkender Unterstützung durch den Kanton neue Arbeitsplätze

Sparmassnahmen der Regierung

Die Luzerner Kantonsregierung will mit über 60 Massnahmen bis in knapp drei Jahren den Kantonshaushalt ins Gleichgewicht bringen. Rund 210 Millionen Franken sollen bis 2017 gespart werden. Davon sind auch die Beiträge an soziale Einrichtungen und Unternehmen betroffen. Der Kanton will die Beiträge um jährlich 3,5 Millionen Franken, also fünf Prozent senken.

Auswirkungen auf Betriebe

Dies habe drastische Auswirkungen für die oben genannten Betriebe, sagt Daniel Wicki, Leiter der Fachstelle Soziales und Arbeit beim Kanton Luzern: „Die einzelnen Betriebe bekommen weniger Geld für die gleichen Leistungen. Die Schaffung von weiteren Arbeitsplätzen für Menschen mit einer Beeinträchtigung ist in näherer Zukunft nicht möglich.“

"Die einzelnen sozialen Unternehmen bekommen weniger Geld für die gleiche Leistung"

Die geschützte Werkstatt wärchbrogg ist ein solches soziales Unternehmen. Die Beiträge des Kantons machen rund Zweidrittel des Umsatzes aus. Trotz der bevorstehenden Beitragskürzung eröffnete das Unternehmen heute ein Restaurant und einen Quartierladen mit dem Namen „Quai4“ im Tribschenquartier der Stadt Luzern. „Wir mussten einen Bankkredit aufnehmen und hoffen, dass der Kanton in späteren Jahren wieder die Unterstützungsbeiträge erhöht.“, sagt der Co-Geschäftsleiter von wärchbrogg, Rolf Forster.

Um am Ende des Jahres - trotz den künftigen Bedingungen – schwarze Zahlen zu schreiben, müsse man effizienter arbeiten und selber mehr erwirtschaften, halten Forster und Wicki fest. Eine Herausforderung, die nicht ganz einfach zu meistern sei, sagt der Leiter des frisch eröffneten wärchbrogg-Restaurants "Quai4" Adrian Rentsch: „Bei Menschen mit psychischen Beeinträchtigungen ist es schwierig vorauszuplanen. Plötzlich fallen sie für Tage aus. Dann fehlt es an Arbeitskraft. Es kann schon mal vorkommen, dass von vier eingeteilten Mitarbeiter am Morgen nur zwei kommen.“

Entscheidung beim Parlament

Ob und wie stark bei den Beiträgen für soziale Einrichtungen und Unternehmen gespart werden soll, entscheidet das Luzerner Kantonsparlament diesen Herbst.

Sozialen Unternehmen geht es möglicherweise finanziell an den Kragen

veröffentlicht: 25. August 2014 13:54
aktualisiert: 12. Juni 2015 13:31