Gruppen-Prozess in Luzern

Banküberfall, Raub und Gewalt: Sechs Männer vor Gericht

25. Oktober 2021, 20:56 Uhr
Überfälle auf Tankstellen, Drohungen, Körperverletzungen und gar ein Banküberfall: Das Luzerner Kriminalgericht befasst sich in den kommenden beiden Tagen mit einer Gang. Weil gleich sechs Personen vor Gericht stehen, wird die Verhandlung aus Platzgründen ins Hotel Radisson verlegt.
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Quelle: Tele 1

Sechs Männer zwischen 30 und 43 Jahren stehen vor Gericht. Für alle sechs fordert die Luzerner Staatsanwaltschaft einen Landesverweis. Sie beschreibt die Taten aus dem Jahr 2018 wie folgt:

Der Mann aus Italien

Der mutmassliche Haupttäter ist ein heute 43-jähriger Italiener. Er reist Ende Mai 2018 mit dem Zug von Mailand in die Schweiz. Er trifft am Bahnhof Luzern auf seine mutmasslichen Komplizen, welche ihn einige Tage zuvor telefonisch kontaktiert hatten. In einer Wohnung in Geuensee entsteht der Plan für einen Raub. Das Ziel: Die örtliche Avia-Tankstelle.

Die kleine Beute

Zwei Tage nach seiner Einreise an einem Freitagabend treffen sich die mutmasslichen Täter: Der Mann als Italien packt für den Tankstellen-Überfall Messer ein, seine vier kosovarischen Komplizen dienen als Fahrer oder Aufpasser vor der Polizei. Sie warten auf den richtigen Moment: Als der Shop-Angestellte allein in der Tankstelle ist, betritt der Täter das Geschäft. Er schreit «Geld» und bedroht den Angestellten mit seinem Messer. Mit einer Beute von einigen Hundert Franken in Form von Bargeld und Reka-Checks flüchtet er. Er trifft sich mit seinen Komplizen im Fluchtauto. Wenig später sind alle fünf wieder in der Wohnung in Geuensee.

Lust auf mehr: Der Banküberfall

Nur fünf Tage nach dem Raub auf den Avia Tankstellenshop kommen die Männer wieder zusammen. Sie wollen einen Schritt weiter gehen. Neues Ziel: Die Filiale der Luzerner Kantonalbank in Sursee. Laut der Luzerner Staatsanwaltschaft wird - wie zuvor - der Mann aus Italien als Haupttäter auserkoren. Aufgrund von sprachlichen Differenzen nutzen die Männer aus dem Kosovo den Google-Übersetzungs-Dienst, um dem Italiener das Vorgehen zu erklären. Auf Skizzen zeigen sie ihm zudem die Umgebung der Bank.

Bilder des Raubüberfalls auf die Avia Tankstelle in Geuensee.
© Luzerner Polizei

«Geld – Geld»

Noch am selben Mittwochnachmittag schreiten sie zur Tat. Mit dem Wunsch, 90 Schweizer Franken in Euro zu wechseln, tritt der Täter an einen Bankschalter. Plötzlich zückt er ein Messer und schreit «Geld – Geld». Die Bankangestellte öffnet in der Folge eine Schublade und händigt dem Mann rund 27'000 Franken aus. Nachdem er das Geld in einem Plastiksack verstaut hat, ruft er «Euro – Euro». Auch dieser Forderung kommt sie nach. Die Angestellte händigt ihm erst 33'500 Euro aus – dann über 7'000 US-Dollar.

Der Bankkunde

Als der Täter die Bankangestellte am Handgelenk packt, um mit ihr zum Ausgang zu gehen, schreitet ein Kunde ein. Er zieht die Frau – ebenfalls am Handgelenk – zu sich, worauf der Täter von ihr ablässt. Wie bereits beim Überfall auf die Tankstelle macht er sich zusammen mit seinen Komplizen davon. Wenig später sind wieder alle fünf Männer in der Wohnung Geuensee.

Die Festnahme

Knapp drei Monate nach den Überfällen wird der Mann aus Italien wieder in die Schweiz geholt. Überfälle auf die UBS in Sursee, die Raiffeisenbank in St. Erhard oder die Filiale der Luzerner Kantonalbank in Reiden werden besprochen. Und Reiden wird der Gruppe zum Verhängnis. Als sie sich zum Überfall aufmachen, schnappt die Luzerner Polizei zu. Sie verhaften erst den Mann aus Italien – kurz danach die weiteren Beschuldigten.

Die Verhandlung

Ab Montag stehen die Männer nun vor Gericht. Es geht um diese und andere mutmassliche Straftaten. Etwa einen weiteren bewaffneten Raub auf einen Tankstellenshop, dieses Mal in Buchs im Kanton St. Gallen. Oder den Angriff auf einen Mann in Rothrist im Kanton Aargau.

Je nachdem, wie stark die einzelnen Beschuldigten in die Taten verwickelt waren, unterscheiden sich ihre Strafanträge. Sie reichen von 10 Monaten auf Bewährung bis zu 7 Jahren Haft.

Was die Staatsanwaltschaft für alle Beteiligten fordert, ist ein Landesverweis.

Quelle: PilatusToday
veröffentlicht: 25. Oktober 2021 06:55
aktualisiert: 25. Oktober 2021 20:56
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