Wie lange noch?

Für Risikogruppen geht der Fernunterricht weiter

Irene Müller, 15. Mai 2020, 08:52 Uhr
Vor allem Lehrpersonen, die zu den Risikopatienten gehören, oder solche im engsten Familienkreis haben, trauen sich oft noch nicht, den Kindern zu Nahe zu kommen.
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Tausende von Schülern und Lehrpersonen durften am Montag wieder zu einem Quasi-Normalbetrieb zurückkehren. Doch es gibt Ausnahmen. Für die Risikogruppen geht der Fernunterricht weiter – wie lange noch, weiss niemand so genau.

Für rund hundert Schüler und 67 Lehrpersonen im Kanton Luzern bleibt der Ausnahmezustand bis auf Weiteres Normalzustand. Aufgrund Unsicherheiten beziehungsweise ärztlicher Anweisung bleiben damit etwa 0,25 Prozent der Kinder und 1 Prozent der Lehrpersonen Zuhause oder im Backoffice. Dies ergab eine Umfrage, welche die Dienststelle Volksschulbildung in den vergangenen Tagen bei den Schulleitern durchgeführt hat.

Der Präsident des Luzerner Schulleiterverbandes Pirmin Hodel zeigt sich dennoch erleichtert: «Es gab viele Bedenken seitens der Eltern, aber unsere schlimmsten Befürchtungen sind nicht eingetroffen und es konnte überall eine Lösung gefunden werden.» So seien beispielsweise Plexiglasscheiben und Masken angeschafft worden, um zusätzliche Sicherheitsmassnahmen zu treffen.

Risikogruppen bleiben im Hintergrund

Manche Lehrer, die selbst der Risikogruppen angehören, haben sich dennoch ins Backoffice zurückgezogen und helfen dort ihren Kollegen beim Korrigieren oder bei anderen administrativen Aufgaben. Im Gegenzug übernehmen ihre Kollegen für sie den Frontalunterricht.

In den meisten Fällen können solche Ausfälle im Team gelöst werden, wie mehrere Schulleiter aus unterschiedlichen Kantonen rückmelden. Manchmal übernehme die Förderlehrperson (Heilpädagoge) das Ruder. Im Notfall müsse aber auch mal eine Stellvertretung aushelfen.

Wann ist normal wieder normal?

Auch sonst zeichnet sich in den Zentralschweizer Kantonen ein sehr ähnliches Bild ab. Der Stanser Gesamtschulleiter Meinrad Leffin setzt auf Solidarität und Nachsicht, um die wenigen Problemfälle zu lösen: «Vereinzelt haben Lehrpersonen Angst. Das wollen wir ernst nehmen und so eine möglichst gute Kommunikation ermöglichen.»

Bis zu den Sommerferien sei man grosszügig mit Ausnahmefällen und in den allermeisten Fällen können sich die Lehrerteams selbst organisieren.

Für Situationen, in denen das nicht möglich ist, täten sich für Schulleiter allerdings einige Fragen auf. Zum Beispiel: «Wer zahlt die Aushilfslehrer für ausfallende Risikopatienten?» Und im Falle der Schüler: «Wann ist der Moment, wann der verpasste Schulstoff schlimmer wird als das Ansteckungsrisiko?»

Vor allem fragt sich Meinrad Leffin aber, wann wohl wieder so etwas wie wirkliche Normalität einkehren wird. Lehrpersonen seien in ihrem Alltag immer Erregern von Schülern ausgesetzt. «Wann wird das Risiko einer Ansteckung des Coronavirus nicht mehr grösser sein als bei gewöhnlichen Krankheiten?», fragt er sich.

Die allermeisten Risikopatienten wollen arbeiten

Auch was der Verbandspräsident der Zuger Schulleiter Adrian Estermann aus seinem Kanton berichtet, entspricht dem allgemeinen Tenor in der Zentralschweiz. «Die Kolleginnen oder Kollegen, die zu den Hochrisikopatienten gehören, würden lieber vor Ort unterrichten», so Estermann.

Rückfragen an die Lehrpersonen und Schulleitungen gäbe es praktisch keine. Und wenn, dann sei es wichtig, dass Schülerinnen, Schüler und Eltern den getroffenen Massnahmen Vertrauen schenken können. Bei aufkommenden Unsicherheiten helfe der Dialog, bei dem Fragen geklärt und Lösungen gesucht werden.

Quelle: PilatusToday
veröffentlicht: 15. Mai 2020 06:14
aktualisiert: 15. Mai 2020 08:52