«Bahnhof-Hänger»

Gewalt bei Jugendlichen: «Eifersucht ist ein wiederkehrendes Muster»

Marcel Jambé, 14. Juni 2022, 08:29 Uhr
Schweizweit nehmen Gewaltstraftaten von Minderjährigen an Schweizer Bahnhöfen zu. In Luzern kennt man das Problem nicht. Die Jugendlichen halten sich vielmehr am Seeufer auf.
Wenn man einen Blick in die Jahresstatistik der Luzerner Staatsanwaltschaft wirft, stellt man fest, dass die Zahlen der Gewalt von Jugendlichen sich nicht markant verändert haben. (gestellte Aufnahme)
© KEYSTONE/Martin Ruetschi

Jugendliche, die gemeinsam am Bahnhof Bier trinken und Leute anpöbeln: Bei einigen Bahnhöfen trifft man solche Situationen vermehrt an. Die gute Nachricht: In Luzern macht man diese Beobachtung nicht. Ein Blick in die Statistik der Luzerner Staatsanwaltschaft verrät: Im Jahr 2021 ging die Zahl der Tätlichkeiten gar minimal zurück.

Eine Ausnahme bleibt die Zahl der Angriffe. Diese hat sich im Vergleich zu 2020 fast vervierfacht. Auf Anfrage teilt die Staatsanwaltschaft mit, dass dies auf einen Streit zwei grösserer Gruppen zurückzuführen sei. Diese hätten sich gegenseitig angegriffen. Auch sei in Luzern das Phänomen, am Bahnhof zu «hängen», nicht verbreitet.

Bahnhof Flop, linkes Seeufer Top

Diese Beobachtung teilt auch die SIP Luzern (Sicherheit, Intervention, Prävention), die in der Stadt Luzern für ein friedliches Miteinander einsteht und unter anderem auch Aufklärungsarbeit leistet. «Grund dafür ist die Polizei, welche am Bahnhof sehr präsent ist», erklärt Arjen Faber, Bereichsleiter der SIP. Die Jugendlichen würden eher den Platz beim KKL nutzen und in der Sommersaison meist das linke Seeufer, also das Inseli, die Ufschötti, die Kanti Alpenquai und der Segelhafen.

Neben Rauschmitteln gibt es laut Faber noch einen anderen Grund, warum Jugendliche ihre Fäuste sprechen lassen: «Ein wiederkehrendes Muster ist oft Eifersucht, wenn sich zum Beispiel die Freundin in einen anderen Typ verliebt.» Die SIP stelle fest, dass bei einem durchmischten Publikum und durch den Dialog der SIP die Gewaltbereitschaft abnehme.

«Euer Kind ist noch nicht erwachsen»

Die Arbeit, die die Polizei und die SIP leisten, reicht aber alleine nicht. Arjen Faber, der SIP nimmt auch die Eltern in die Pflicht. «Euer Kind ist noch nicht erwachsen. Sucht das Gespräch mit ihm, seid interessiert und fragt, wie es ihm geht. Es soll euch nicht egal sein, was euer Kind abends tut!» Notfalls soll man Fachhilfe, wie beispielsweise eine Jugendpsychiatrie aufsuchen. Schliesslich solle man auch mit dem guten gewaltfreien Vorbild vorangehen.

Quelle: PilatusToday
veröffentlicht: 14. Juni 2022 07:08
aktualisiert: 14. Juni 2022 08:29
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