Luzerner Kriminalgericht

«Ich ramme allen ein Messer in den Bauch» – Messerangriff gegen Polizei

5. April 2022, 06:27 Uhr
Heute Dienstag steht ein 42-jähriger Mann wegen eines Messerangriffs vor dem Luzerner Kriminalgericht. Er wollte im Herbst 2019 in seiner Wohnung in Greppen vier Polizisten mit dem Messer aufschlitzen. Nun drohen ihm unter anderem zwei Jahre Gefängnis.
Da sich der Messerangriff gegen vier Personen richtet, muss sich der Beschuldigte vor Gericht wegen mehrere Vergehen verantworten. (Symbolbild)
© KEYSTONE/DOMINIC FAVRE
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Szenen wie aus einem Film. Alles begann mit einer Affäre.

In der Nacht vom 21. April 2019 gestand die damalige Lebenspartnerin dem Beschuldigten eine Affäre. Daraufhin schlug er in der gemeinsamen Wohnung in Greppen gegen eine Holzwand und brach sich die Mittelhand, die im Anschluss operiert werden musste. Es folgten weitere Streitereien, in denen die Polizei eingreifen musste.

«Ich kenne keine Schmerzen»

Der Höhepunkt erfolgte am Abend des 16. Septembers 2019. Der Beschuldigte traf sich an diesem Abend mit seiner damaligen Freundin. Mit einer Flasche Sekt stiessen die beiden in der Wohnung in Greppen auf eine gute Nachricht an und schauten gemeinsam Serien im Fernsehen. Klingt eigentlich nach einem gemütlichen Abend. Bis zum Zeitpunkt, als er sie wieder auf die Affäre ansprach. Der Beschuldigte steigerte sich derart in etwas hinein, dass er aus der Küche ein Messer holte. Er strich sich damit über sein rechtes Knie und erwähnte, dass er keine Schmerzen kenne.

Seine damalige Freundin geriet in Panik, begann zu weinen und bat ihn, das Messer wegzulegen. Daraufhin holte er einen Nagelknisper und einen Kugerschreiber, strich sich damit weiterhin über das rechte Knie und verletze sich leicht.

Um der Situation aus dem Weg zugehen, ging seine damalige Lebenspartnerin ins Schlafzimmer und legte sich ins Bett. Der Beschuldigte liess sie jedoch nicht in Ruhe. Er wurde immer lauter und aggressiver, bespuckte und beschimpfte sie, riss Vorhänge und Dekorationen herunter und wollte Kleider in einem leeren Blumentopf verbrennen. Nach Mitternacht rief seine Freundin mehrmals und lautstark nach Hilfe. Als sie fliehen wollte, legte der Beschuldigte seine Hand an ihren Hals und drückte sie im Gang an die Wand.

Einsatz eines Elektroschockers

Die Nachbarin, die durch den Lärm und die Hilferufe auf den Streit aufmerksam wurde, kontaktierte die Polizei und schaffte es schliesslich, die Freundin des Beschuldigten in ihre Wohnung zu holen und damit in Sicherheit zu bringen.

Knapp eine Stunde später trafen vier Polizisten ein, ausgerüstet mit schusssicheren Westen. Mit im Gepäck hatten sie Pistole, Pfefferspray und ein Destabilisierungsgerät – also einen Taser. Als die vier sich zu erkennen gaben, schloss der Beschuldigte die Wohnungstür ab, polterte in der Wohnung herum und holte in der Küche ein über 30 Zentimeter langes Fleischmesser. Gleichzeitig brach die Polizei die Tür auf. In diesem Moment bewegte sich der Beschuldigte mit erhobenem Fleischmesser in Richtung Eingangstür, wo die Polizisten standen. Einer der Polizisten feuerte die Elektroschockpistole gegen den Beschuldigten ab. Dieser fiel zu Boden, wehrte sich jedoch weiterhin und forderte die Polizei während des Einsatzes mehrmals dazu auf, sein Leben mit einer Kugel zu beenden. Die Polizei konnte den Beschuldigten schliesslich mit Hand- und Fussfesseln ruhigstellen.

Das Messer hat einen Polizisten erwischt

Durch das umherfuchteln mit dem Messer hat der Beschuldigte einen Polizisten verletzt. Er erlitt eine eineinhalb Zentimeter lange Schnittverletzung am Unterarm. Gemäss Anklageschrift hätten durchaus auch mehrere lebensgefährliche wie auch tödliche Verletzungen entstehen können. Ausserdem schrie er während des Vorfalls Sätze wie: «Ich ramme allen ein Messer in den Bauch», oder: «Ich werde alle aufschlitzen», in Richtung der Polizisten.

Das droht dem Beschuldigten

Der Täter richtete seinen Angriff gegen mehrere Personen. Ihm wird unter anderem mehrfache versuchte Tötung vorgeworfen. Ihm droht eine Freiheitsstrafe von zwei Jahren sowie therapeutische Massnahmen und Bewährungshilfe.

Die Verhandlung vor dem Luzerner Kriminalgericht startet am Dienstag um 9.00 Uhr.

(zva)

Quelle: PilatusToday
veröffentlicht: 5. April 2022 06:19
aktualisiert: 5. April 2022 06:27