Hunderte Jobs auf dem Spiel

Luzerner Club-Betreiber ärgern sich über 100 Personen-Limite

Marcel Jambé, 15. Juli 2020, 19:00 Uhr
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Quelle: PilatusToday

Ab Freitag dürfen Clubs und Bars im Kanton Luzern nur noch 100 Personen reinlassen. Dies sofern keine Maskenpflicht gilt und der Abstand nicht eingehalten werden kann. Die verschärfte Regel kommt bei den Verantwortlichen gar nicht gut an. Hunderte Jobs würden auf dem Spiel stehen.

Für die Gastronomen kam der Entscheid völlig überraschend. So auch für den Geschäftsführer des Konzerthaus Schüür, Marco Liembd. Dem Kanton müsse bewusst sein, dass er mit dieser Massnahme die Verantwortung übernimmt, das Überleben der Branche sicherzustellen. «Mit 300 Personen wäre dies noch möglich gewesen, aber mit 100 nicht mehr. Es geht hier um Hunderte Arbeitsplätze.»

Marco Liembd und andere Vorsteher der Branche hätten eine Zusammenarbeit und den Kontakt mit dem Kanton gesucht: «Wir wollten gemeinsam das beste Contact-Tracing in der Schweiz aufziehen. Dass jetzt ein solcher Entscheid ohne Dialog durchgezog wurde, ist enttäuschend.»

«Gäste sind zu wenig diszipliniert, um Maske zu tragen»

Auch Milos Kant, Besitzer des Princesse Clubs kann die 100 Personen-Limite nicht verstehen. Neu-Infektionen gäbe es nur ganz wenige, zudem seien von Luzerner Clubs auch keine Corona-Fälle bekannt. Der neuste Entscheid sei sehr einschneidend, so Kant: «Mit 100 Personen das Princesse zu öffnen ist gar nicht möglich, da die Kosten nicht gedeckt werden könnten.»

Wäre aber das Tragen der Schutzmaske im Club eine Alternative, damit der Club mehr Personen reinlassen könnte? Der Club-Besitzer schüttelt den Kopf. «Ich glaube, das funktioniert nicht», so Kant. «Momentan will ich dieses Risiko nicht eingehen, da die Leute zum Teil undiszipliniert sind und dann die Maske nicht tragen werden.» Wenn sie keine andere Wahl hätten, würden sie es vielleicht ausprobieren.

Masken-Party am Wochenende im Rok

Piero Achermann, Mitinhaber des Rok Clubs, geht hier für den Moment einen anderen Weg. Er wird sein Lokal am Wochenende öffnen, inklusive Maskenpflicht, sodass er auch weiterhin 300 Gäste reinlassen kann. Trotzdem zeigt sich Achermann sehr empört über den Entscheid der Regierung.

Wie auf Facebook ersichtlich ist, hat er dem Luzerner Gesundheitsdirektor Guido Graf ein offener Brief geschickt, welcher Online grossen Zuspruch erhält.

«Es ist ein faktisches Berufsverbot für alle Clubs und Bars in der Stadt Luzern - und natürlich auch ausserhalb», so Achermann gegenüber PilatusToday. Das Rok ist auch von dieser Verordnung betroffen. «Für uns heisst dies entweder Maskenpflicht für alle Gäste oder wir lassen nicht mehr als 100 Personen in den Club rein. Aber mit weniger als 100 Personen können wir definitiv nicht wirtschaftlich arbeiten.» Für Achermann ist klar, dies ist eine Schliessung auf Zeit. Ob die Gäste bereit sind, mit einer Maske in den Ausgang zu gehen, wird das Rok nun testen.

Das Contact Tracing habe bei den Clubs und Bars in Luzern mit den 300 Personen wunderbar funktioniert. «Wenn aber der Kanton nicht fähig ist, 300 Leute im Notfall zu kontaktieren, dann ist das ein Fehler des Kantons und nicht unsererseits – trotzdem sind wir jetzt die Leidtragenden.» Er fordert, dass diese Regeln aufgehoben werden, damit die Branche überleben kann. Ob der Kanton diesen Forderungen nachgehen wird?

Einen Überblick über die neuen Regeln und deren Gründe findest du im Video oben oder auch hier zum Nachlesen.

Quelle: PilatusToday
veröffentlicht: 15. Juli 2020 18:46
aktualisiert: 15. Juli 2020 19:00