Klima

Schädliches Ammoniak: Luzern ist am stärksten betroffen

16. Mai 2022, 18:50 Uhr
100 Tonnen zu viel Stickstoff landet derzeit pro Jahr in der Schweizer Luft. Die Emissionen sollen deshalb reduziert werden, hatte der Bundesrat im April entschieden. Eine Studie verschiedener Umweltverbände zeigt nun, dass die Zentralschweiz besonders betroffen ist.
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Quelle: Tele 1

Platz 1 der Liste wird vom Kanton Luzern belegt. Als Landwirtschaftskanton sei dies wenig überraschend, sagt Markus Bucheli, Fachexperte beim Kanton Luzern. «Man ist sich der Problematik bewusst. Luzern als grosser Agrarkanton ist hier sicher in der Pflicht», so Bucheli.

93 Prozent des Ammoniaks, einer Form von Stickstoff, kommt dabei aus der Landwirtschaft. Diese sei deshalb besonders gefordert und arbeite bereits daran. Beispielsweise sind bereits Schleppschläuche beim Güllen im Einsatz. Diese sorgen dafür, dass das Material direkt auf und in den Boden kommt und nicht mehr in die Luft gelangt. Eingesetzt wurden sie in Luzern bereits zwei Jahre früher als vom Bund verlangt, erklärt der Fachexperte.

Es brauche aber Zeit und vor allem Geld, sagt Markus Bucheli: «Da die Landwirtschaft sich ihrer Verantwortung aber bewusst ist, [...] gibt es hier eigentlich nicht die Frage. Wir machen das der Umwelt und der Bevölkerung zu liebe.»

Im Wald sind die Folgen besonders zu sehen

Was das Ammoniak für Auswirkungen hat, zeigt der Wald zwischen Eschenbach und Rain. Dort hat es viel Ammoniak im Boden. Auf den ersten Blick schön: Es gibt viel Brombeeren und Holunder im Wald. Das viele Ammoniak im Boden führt aber auch dazu, dass dieser quasi «versauert», erklärt Kurt Eichenberger, Projektleiter interkantonaler Ammoniak-Vergleich. An einem Baum, welcher samt Wurzeln umgekippt ist, präzisiert er: «Diese Versauerung macht es den Wurzeln des Baums sehr schwer, im Unterboden weiter zu wurzeln. Das heisst, er wurzelt vermehrt oberflächlich und ist dann auch anfälliger für den Wind.»

Auswirkungen auch auf die Gesundheit

Neben der Fauna hat Stickstoff wie Ammoniak auch Folgen für den Menschen. Der Stoff landet nicht nur im Wald, sondern fliegt durch die Luft oder landet in Essen und Trinken. Beim Menschen kann dies Husten oder Asthma-Anfälle auslösen.

«Das Problem bei vielen Stoffen ist, dass wir es nicht direkt merken», so Sabine Heselhaus von Ärtzinnen und Ärtze für den Umweltschutz. Erst nach einiger Zeit zeigen sich demnach die Folgen und es gebe sogar eine krebserregende Wirkung von Ammoniak, ergänzt Sabine Heselhaus.

Weniger Nutztiere würde am meisten helfen

Die Reduktion sei dann auch dringend. Besonders effizient wäre es, wenn der Bestand der Nutztiere in der Zentralschweiz reduziert würde. Dies ist, Stand heute, aber nicht Teil des Plans des Bundesrates bis 2030.

Die Ziele des Bundes für die Landwirtschaft beschränken sich auf Ställe, Laufhöfe und Düngerlager. Diese sollen so gebaut und betrieben werden, dass weniger Ammoniak entsteht. Auch beim Düngen können Emissionen reduziert werden, beispielsweise eben mit Schleppschläuchen.

(red.)

Quelle: PilatusToday
veröffentlicht: 16. Mai 2022 19:13
aktualisiert: 16. Mai 2022 19:13
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