Zentralschweiz

Spitäler wehren sich gegen Bersets Mahnfinger

13. November 2020, 07:12 Uhr
Die Zentralschweizer Spitäler wehren sich gegen Bersets Vorwurf, nicht genügend Kapazitäten für Covid-Patienten bereitzuhalten.
© LUKS
Durch den Vorwurf von Bundesrat Berset, die Spitäler würden die Behandlung von Corona-Patienten gefährden, weil sie weiter Wahl-Eingriffe durchführen, fühlen sich die Spitäler der Zentralschweiz vor den Kopf gestossen. Sie fürchten hohe finanzielle Defizite.

In sämtlichen Spitälern der Zentralschweiz sei die Versorgung von Corona-Patienten sichergestellt, versichert der Verband in einer offiziellen Mitteilung. Die bestehenden Kapazitäten würden optimal genutzt und die Auslastung koordiniert.

Auch auf Anfragen aus anderen Kantonen werde stets eingegangen, somit sei die Solidarität nicht in Frage gestellt. Anders tönte es von Bundesrat Berset an einer kürzlich gehaltenen Pressekonferenz: «Man kann nicht das ganze Jahr den Föderalismus loben und dann im Ernstfall nicht mitmachen», kritisierte der Gesundheitsminister und forderte, sämtliche nicht dringenden Eingriffe zu verschieben.

Starke Forderungen ohne Hilfestellung

Durch diesen Vorwurf fühlen sich die Zentralschweizer Spitäler vor den Kopf gestossen. Zurzeit sei es nicht zwingend notwendig, auf elektive Eingriffe zu verzichten. Der Verband kritisiert ausserdem, dass Bundesrat Berset zwar starke Forderungen stelle, allerdings kein Wort darüber verliere, wie die entstandenen Verluste aus den nicht durchgeführten Operationen entschädigt werden sollen.

Der Verband hingegen findet klare Worte, welche Auswirkungen diese Gangart für die Spitaler haben kann: «Ginge es nach Bersets Plänen, müssten aufgrund der massiv gekürzten Entschädigung für die Spitäler, 75 Prozent aller Häuser defizitär arbeiten und über kurz oder lang den Betrieb einstellen.» Damit unterlaufe der Bundesrat auch die Forderungen des Spitalpersonals nach besseren Arbeitsbedingungen und zusätzlichen Ausbildungsstellen.

Deshalb fordert der Verband eine «Abkehr von geplanten unrealistischen Sparszenarien» sowie eine «Übernahme der entsprechenden Corona-Ertragsausfällen». Die Spitäler hätten bewiesen, dass sie in schwierigen Zeiten die Gesundheitsversorgung mit allen möglichen Mitteln sicherstellen. Nun liege es am Bundesrat, diese zu unterstützen, die Gesundheitsversorgung in entsprechender Qualität auch in Zukunft zu gewährleisten.

(imü)

Quelle: PilatusToday
veröffentlicht: 13. November 2020 06:39
aktualisiert: 13. November 2020 07:12