Grosse Ehre

«Streichelt das Ego» – Luzerner Comedian gewinnt den «Salzburger Stier»

Livia Barmettler, 7. November 2022, 15:18 Uhr
Dominic Deville ist jetzt ein Stierträger. Der Luzerner Comedian wurde mit dem «Salzburger Stier» ausgezeichnet. Was ihm der renommierte Kleinkunstpreis bedeutet und warum die Auszeichnung für ihn sehr überraschend kam, erzählt der 47-Jährige im Interview.
Der Luzerner Satiriker Dominic Deville bei seiner eigenen Late-Night-Show auf SRF.
© SRF/Valeriano di Domenico
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Laut der Fachjury des «Salzburger Stiers» sind Sie eine «unverzichtbare Stimme der Schweizer Politsatire». Ist das Balsam fürs Ego?

In erster Linie streichelt es natürlich das Ego, ja. Aber die Auszeichnung bedeutet einiges mehr. Ich bin jetzt seit einigen Jahren mit meiner Late-Night-Show «Deville» im Fernsehen aktiv, da ist alles sehr schnelllebig. Man macht eine Sendung, eine Woche später bereits wieder eine Neue – es ist nicht wahnsinnig beständig.

Eine solche Auszeichnung bezieht sich immer auf eine längere Phase und bedeutet, dass mein Schaffen von einer Fachjury als beständig angeschaut wird, als etwas, was wichtig ist und auch eine gewisse Relevanz hat. Das freut mich enorm.

Waren Sie überrascht, dass ausgerechnet Sie mit dem Preis ausgezeichnet wurden?

Definitiv. Um ehrlich zu sein: Ich hatte die Verleihung nicht wirklich auf dem Schirm, wir sind mitten in einer neuen Staffel und daher ziemlich absorbiert. Der Anruf erreichte mich mitten in einer Sendungsvorbereitung. Ich habe mich sehr gefreut, es dem Team erzählt und dann haben wir uns auch gleich mal auf Serafe-Kosten eine Flasche Champagner gegönnt, so wie man das eben so macht!

Was bleibt nach der ersten grossen Freude? Wie beeinflusst die Auszeichnung Ihr weiteres Schaffen?

Die Auszeichnung ist ein schöner Anstoss, um zu überdenken, was man in Zukunft machen möchte. Ich bin schon seit mehreren Jahren beim Fernsehen und habe die Bühne etwas aus den Augen verloren, ich trete nur noch sporadisch auf Bühnen auf.

Eine solche Auszeichnung ist auch dafür da, sich wieder vermehrt Gedanken zu machen: Wie mache ich weiter? Setze ich weiterhin aufs Fernsehen? Will ich einen Mix aus Bühne und TV oder ganz auf die Bühne zurück? Oder lasse ich den Preis im Regal stehen und werde wieder Kindergärtner wie früher? (schmunzelt)

Der «Salzburger Stier» wurde von einer Fachjury verliehen. Doch was halten Herr und Frau Schweizer von Ihnen?

Mein Bühnenprogramm besteht aus vielen Provokationen, als Satiriker will man ja auch gewissermassen anecken. Abgesehen von Ombudsanfragen und gerichtlichen Geschichten ist das Feedback für meine Sendung aber eher spärlich. Im öffentlichen Rahmen – auf der Strasse oder bei Veranstaltungen, – wenn Menschen auf mich zukommen, sind es zu 99 Prozent positive Rückmeldungen. Kritik an der Sendung wird eher in den sozialen Medien laut.

Comedy ist Geschmackssache. Was finden Sie persönlich lustig?

Mein Bühnenprogramm (lacht). Wenn man als Künstlerin oder Künstler ernst genommen werden will, muss man das bringen, was man selbst gut findet und Dinge, hinter denen man auch wirklich stehen kann. Abgesehen davon mag ich Manuel Stahlberger oder Altbekannte wie Loriot, Otto oder Gerhard Polt.

Satire ist ihr Beruf. Wird von Ihnen auch im Privaten erwartet, dass Sie lustig sind?

Ich kann das sehr gut trennen. Ich weiss, wann ich etwas darbiete. Nämlich dann, wenn das Licht angeht und ich auf die Bühne trete. Was mir viel eher auffällt: Die Leute um mich herum werden lustiger, wenn ich dazukomme – egal ob bei einem privaten Geburtstag oder bei einer öffentlichen Veranstaltung. Da weiss ich dann jeweils nicht, ob sie sich insgeheim gerade für drei Minuten in meiner Sendung bewerben.

Quelle: PilatusToday
veröffentlicht: 7. November 2022 15:18
aktualisiert: 7. November 2022 15:18