Sucht

Welche Chance Corona für die Gesundheit bietet

Martina Odermatt, 1. Juni 2020, 08:17 Uhr
Manche haben den Shutdown genutzt, um ihrer Sucht einen Riegel zu schieben.
© Pixabay
Corona schadet der Gesundheit – Rauchen oder übermässiger Alkoholkonsum aber auch. Gerade in der Corona-Zeit, wo Alltagsgewohnheiten wegfallen, ergreifen viele die Chance, ihrem Laster abzuschwören.

In einer Beiz sitzen mit Freunden und beim Bier ein paar Zigaretten rauchen: Das war in den vergangenen Monaten nicht möglich. Die Restaurants waren geschlossen, nicht mehr als fünf Personen durften sich versammeln.

Wie wirkt sich das auf Suchtverhalten aus? Trinken die Leute nun zu Hause oder packen sie die Chance, ihren Alkohol- und Nikotinkonsum herunterzufahren?

Laut Felix Wahrenberger von Akzent Sucht Prävention in Luzern gibt es tatsächlich viele Leute, die ihren Suchtmittelkonsum senken. Er ist Projektleiter der Initiative «Die Chance pack ich!», die Leute dazu motivieren will, ihr Suchtverhalten anzupassen.

Rauchstopp fühlt sich nun anders an

Das hat auch Nicole Ulrich gemacht. Ihr «halbes Leben lang» hatte die 34-Jährige etwa ein halbes Päckli pro Tag geraucht. Nach einem Spitalaufenthalt entschied sie sich, besser zu sich zu schauen und mit dem Rauchen aufzuhören. Es ist nicht das erste Mal, dass sie den Versuch wagt. «Doch es fühlt sich nun anders an», sagt Ulrich. Mit dem neuen Alltag im Homeoffice fallen Znüni-, Zmittag- und Feierabend-Zigis weg.

Simone Ulrich hat während dem Shutdown mit dem Rauchen aufgehört. 

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Das Verlangen nach einer Zigarette habe sie praktisch nicht mehr. «Einzig beim Anstossen mit Freunden oder in einer geselligen Runde – bei dieser Mischung wird Widerstehen schwerer.» Seit zwei Monaten ist sie nun stolze Nichtraucherin, wie sie sagt. Und hofft, dass sie es dieses Mal auch bleibt.

Übergang in den Alltag ist eine Herausforderung

«Ich will mir auf jeden Fall die Langsamkeit bewahren, welche die Corona-Zeit gebracht hat, und mir die Zeit nehmen, auf meine Bedürfnisse zu hören.» So hoffe sie, der Hektik des Alltags Stand zu halten.

Der Übergang in den Alltag dürfte auch laut Projektleiter Wahrenberger zur Herausforderung werden. «Nicht wieder in alte Muster zu fallen, ist nicht so einfach.» Wichtig sei die Unterstützung von Freunden und dass man neue Rituale schaffe.

Weniger Zwänge in Ausnahmesituationen

Dass sich Simone Ulrich genau in dieser Zeit für den Rauchstopp entschieden hat, ist nicht untypisch. Laut Projektleiter Wahrenberger sind wir in sozialen Ausnahmesituationen weniger Zwängen ausgesetzt. Das macht es einfacher, mit einer Gewohnheit aufzuhören.

Mit der Initiative «Die Chance packe ich» macht Akzent Sucht Prävention auch auf andere Suchterkrankungen wie Drogenkonsum oder Computerspiele-Sucht aufmerksam und zeigt Unterstützungsangebote auf. Hier gehts zur Webseite.

Quelle: PilatusToday
veröffentlicht: 1. Juni 2020 08:17
aktualisiert: 1. Juni 2020 08:17