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Arbeitslosigkeit

Zahl der Arbeitslosen so hoch wie seit 10 Jahren nicht mehr

8. Februar 2021, 20:40 Uhr
Mit dem Start ins Jahr 2021 steigt die Zahl der Arbeitslosen in der Schweiz auf ein Niveau, das jenem der Finanzkrise vor zehn Jahren nahe kommt. Auch bei den Arbeitslosenquoten der Zentralschweizer Kantone zeigen sich die Einschränkungen für die Wirtschaft.
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Quelle: PilatusToday

Gemäss Erhebungen des Staatssekretariats für Wirtschaft (SECO) waren Ende Januar 2021 169’753 Arbeitslose eingeschrieben. Das sind 48'735 (+40,3 Prozent) Personen mehr als noch vor einem Jahr. Trotz Anstieg bei den Zentralschweizer Kantonen liegen alle unter dem Schweizer Durchschnitt. Uri, Nid-, Obwalden und Schwyz weisen nach Appenzell Innerhoden sogar die tiefsten Werte auf.

Kanton Zug

«Wir sind mit einem blauen Auge davongekommen», lautet das Fazit von Gianni Bomio, Präsident des Vereins für Arbeitsmarktmassnahmen (VAM) des Kantons Zug, nach fast einem Jahr Pandemie. Mehrere Gründe hätten dazu beigetragen, dass sich die Zahl der Arbeitslosen nicht noch stärker erhöhte. Einerseits habe der Arbeitsmarkt im Kanton Zug vor der Pandemie gut funktioniert und man konnte von einer guten Ausgangslage in dieser schwierige Zeit profitieren. Andererseits habe der Bund mit den verlängerten Kurzarbeitsentschädigungen und der zeitweisen Verlängerung der Bezugsdauer der Arbeitslosentschädigung gute Grundlagen geschaffen.

Im nationalen Vergleich liegt der Kanton Zug unter dem Durchschnitt.

© SECO

Gemerkt habe man dies auch daran, dass der saisonale Trend einer höheren Arbeitslosigkeit im Winter gerade dieses Jahr nicht so stark wie in anderen Jahren ausgefallen sei, erklärt Bomio. Das, nachdem die Zahlen zu Beginn der Pandemie rasant in die Höhe schossen. Im März und April waren viele Kaderleute betroffen, im Mai Beschäftigte in der Gastronomie beziehungsweise im Detailhandel und seit dem Sommer sind es die kaufmännischen Berufe, die am stärksten unter der Arbeitslosigkeit leiden.

Gegenüber dem vorherigen Monat hat die Zahl der Stellensuchenden im Kanton Zug im Januar 2021 sogar abgenommen.

© SECO

Genau für diese will der Kanton Zug über den Verein für Arbeitsmarktmassnahmen zusätzliche Programme anbieten, um wieder ins Berufsleben zu finden. Die momentan vorhandenen Beschäftigungsangebote seien alle ausgebucht, so Bomio. Eine Erholung der Lage erwartet er nicht vor dem Sommer: «Aufgrund der erwarteten Verlängerung der Arbeitslosenentschädigung, gehe ich davon aus, dass die Zahlen im Frühling noch etwas ansteigen werden.» Sobald die Pandemie im Griff sei, könne man aber von einer raschen Erholung ausgehen.

Kanton Schwyz

Gemäss den Erhebungen des kantonalen Amtes für Arbeit liegt die Zahl der Arbeitslosen im Kanton Schwyz Stand Ende Januar 2021 bei 1525 (Vorjahr: 1126). Auch bei den Stellensuchenden gab es eine starke Zunahme. Mit 2791 Personen (Vorjahr: 2058) erreicht man ähnliche Werte wie bei der Finanzkrise vor zehn Jahren.

Die Zahl der Stellensuchenden im Kanton Schwyz war 2020 fast so hoch wie vor zehn Jahren.

© Amt für Arbeit Kanton Schwyz

Die am stärksten betroffenen Wirtschaftszweige im Kanton Schwyz sind laut Medienmitteilung der Gross- und Detailhandel, das Baugewerbe und das Gastgewerbe.

Kanton Luzern

Der Kanton Luzern meldet 2020 durchschnittlich 5'198 arbeitslose Personen. Im Vergleich zum Vorjahr ist das eine Zunahme von 1'431 und entspricht einer Arbeitslosenquote von 2,2 Prozent (2019: 1,6 Prozent). Zahlen die erschrecken, meint Karin Lewis, Bereichsleiterin bei WAS wira Luzern. Dort geht man wie im Kanton Zug davon aus, dass die Zahlen im Frühling weiter steigen werden.

Wie schon in vergangenen Jahren lag auch 2020 die Arbeitslosenquote im Bau- und Gastgewerbe am Höchsten. Besonders das Luzerner Gastgewerbe ist laut lustat.ch betroffen, da es stark vom ausländischen Tourismus abhängt.

Mit der Auszahlung der Kurzarbeitsentschädigungen soll ein stärkerer Anstieg der Arbeitslosigkeit verhindert worden sein. Vor der Pandemie bewegte sich die Zahl auf sehr tiefem Niveau. Mit Anfang des ersten Lockdowns im März 2020 stieg diese jedoch rasant an. Den Höhepunkt erreichte sie im April mit 63'349 Personen die eine Kurzarbeitsentschädigung erhalten haben. Dass die Zahlen nicht weiter in diesem Masse angestiegen sind, sei laut Karin Lewis ein Zeichen, dass das Instrument der Kurzarbeitsentschädigung gegriffen habe: «Ich glaube nur so konnte verhindert werden, dass die Arbeitslosenquote noch höher gestiegen ist.»

Mit den erneuten Verschärfungen der Corona-Massnahmen sind die Anträge auf Kurzarbeit wieder angestiegen, nachdem sich die Lage über den Sommer erholt hatte.

Kanton Nidwalden

Nachdem die Zahl der Arbeitslosen im Kanton Nidwalden seit 2016 zurückgegangen ist, brachte die Coronakrise den Jahresdurchschnitt mit 432 Personen (Vorjahr: 250) auf einen hohen Stand.

NW Arbeitslosenzahlen
© Kanton Nidwalden

Im nationalen Vergleich schneidet Nidwalden bei der Arbeitslosenquote weiterhin gut ab.

Obwohl der Anstieg der Arbeitslosenquote in Nidwalden stark war, befindet sich der Kanton weiterhin deutlich unter dem nationalen Durchschnitt.

© Kanton Nidwalden

Kanton Uri

Ende Januar 2021 waren im Kanton Uri 362 Personen als arbeitslos eingeschrieben (Vorjahr: 259). Die Arbeitslosenquote beträgt 1,8 Prozent (Vorjahr: 1,3 Prozent) und liegt damit deutlich unter dem durchschnittlichen Schweizer Wert von 3,7 Prozent.

Im Monat Januar 2021 meldeten sich insgesamt 80 Personen neu als Stellensuchende beim Regionalen Arbeitsvermittlungszentrum (RAV) Uri an. In der gleichen Zeit meldeten sich insgesamt 49 Stellensuchende ab.

© SECO/Amt für Arbeit und Migration Uri

Kanton Obwalden

Die jahresdurchschnittliche Arbeitslosenquote im Kanton Obwalden beläuft sich im Jahr 2020 auf 1,2 Prozent (Vorjahr: 0,7 Prozent).  Damit hat Obwalden trotz Anstieg weiterhin eine der tiefsten Arbeitslosenquoten des Landes.

(mda)

Quelle: PilatusToday
veröffentlicht: 8. Februar 2021 17:43
aktualisiert: 8. Februar 2021 20:40